⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 20.06.2026
Das neue Altersvorsorgedepot, das ab dem 1. Januar 2027 in Deutschland verfügbar sein wird, verspricht eine attraktive Alternative zur oft kritisierten Riester-Rente. Doch ist es wirklich besser oder nur ein weiterer Reinfall?
- Altersvorsorgedepot startet 2027
- Keine verpflichtende Beitragsgarantie
- Deutlich niedrigere Kosten und höhere Förderung
Das neue Altersvorsorgedepot, das ab dem 1. Januar 2027 in Deutschland verfügbar sein wird, verspricht eine attraktive Alternative zur oft kritisierten Riester-Rente. Doch ist es wirklich besser oder nur ein weiterer Reinfall? In diesem Artikel beleuchten wir die Stärken und Schwächen des Altersvorsorgedepots im Kontext der aktuellen wirtschaftlichen Lage und der Herausforderungen, die Sparer heute bewältigen müssen.
Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Anlagekonto, das die Riester-Rente ablösen soll. Es ermöglicht Sparer, ihre Beiträge in Aktien-ETFs zu investieren, ohne dass eine verpflichtende Beitragsgarantie besteht. Dies bedeutet, dass die Sparer das Kapitalmarktrisiko selbst tragen, aber auch die Chance auf höhere Renditen haben. Historisch gesehen hat der MSCI World über jeden 15-Jahres-Zeitraum seit 1970 positive Renditen erzielt, was die Attraktivität dieser Anlageform unterstreicht.
Ein wesentlicher Vorteil des Altersvorsorgedepots ist die Möglichkeit, bis zu 100 Prozent in Aktien-ETFs zu investieren. Dies steht im Gegensatz zur Riester-Rente, bei der die Anbieter verpflichtet waren, mindestens die eingezahlten Beiträge zurückzuzahlen, was oft zu einer Investition in niedrig verzinste Anleihen führte. Die Folge waren mageren Renditen, die häufig unter den Zinsen eines Tagesgeldkontos lagen.
Die Vorteile des Altersvorsorgedepots
Das Altersvorsorgedepot bietet mehrere Vorteile, die es zu einer ernsthaften Alternative zur Riester-Rente machen. Zunächst einmal sind die Kosten deutlich niedriger. Während die Riester-Rente typischerweise Kosten von 2 bis 3 Prozent pro Jahr aufwies, können Sparer im Altersvorsorgedepot selbst günstige ETFs auswählen, die nur 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr kosten. Der Kostendeckel für Standardprodukte liegt nach der Koalitionseinigung bei 1 Prozent, was ebenfalls eine Verbesserung darstellt.
Ein weiterer Vorteil ist die vereinfachte und höhere Förderung. Anstelle eines komplizierten Fördersystems gibt es eine klare Formel: Sparer erhalten 50 Cent pro Euro für die ersten 360 Euro und 25 Cent für jeden weiteren Euro bis zu 1.800 Euro. Dies bedeutet, dass die maximale Grundzulage bei 540 Euro pro Jahr liegt, was eine erhebliche Verbesserung gegenüber der Riester-Rente darstellt, die nur eine feste Grundzulage von 175 Euro bot.
Die Herausforderungen und Risiken
- Startdatum: 1. Januar 2027
- Maximale Grundzulage: 540 Euro pro Jahr
- Kostendeckel: 1 Prozent
Trotz der vielen Vorteile gibt es auch Herausforderungen und Risiken, die Sparer beachten sollten. Da das Altersvorsorgedepot keine verpflichtende Beitragsgarantie bietet, tragen die Sparer das volle Risiko der Kapitalmärkte. Dies kann insbesondere für Personen, die kurz vor der Rente stehen, problematisch sein, da sie möglicherweise nicht die Zeit haben, um eventuelle Verluste wieder auszugleichen.
Ein weiteres Risiko besteht darin, dass viele Sparer möglicherweise nicht ausreichend informiert sind, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Auswahl an ETFs und Fonds kann überwältigend sein, und ohne das nötige Wissen könnten Anleger in Produkte investieren, die nicht zu ihren finanziellen Zielen passen. Daher ist es wichtig, sich vor der Entscheidung für das Altersvorsorgedepot umfassend zu informieren und gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen.
Der Übergang von der Riester-Rente zum Altersvorsorgedepot
Für viele Sparer stellt sich die Frage, ob sie von der Riester-Rente zum neuen Altersvorsorgedepot wechseln sollten. Ab dem 1. Januar 2027 wird es möglich sein, bestehende Riester-Verträge in ein Altersvorsorgedepot zu übertragen, wobei alle bisherigen Zulagen erhalten bleiben. Dies könnte für viele eine attraktive Option sein, insbesondere für diejenigen, die mit den hohen Kosten und der geringen Rendite ihrer Riester-Verträge unzufrieden sind.
Es ist jedoch wichtig, den bestehenden Vertrag genau zu prüfen. Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, sollte die Rendite und die Kosten des aktuellen Produkts mit den Vorteilen des Altersvorsorgedepots vergleichen. Je weniger Rendite der alte Vertrag bisher erwirtschaftet hat, desto eher kann sich ein Wechsel lohnen. Ein frühzeitiger Wechsel könnte auch helfen, mögliche Verzögerungen bei der Identitätsprüfung und der Eröffnung des neuen Depots zu vermeiden, die am 1. Januar 2027 auftreten könnten.
Fazit: Eine vielversprechende Alternative?

Das Altersvorsorgedepot bietet eine vielversprechende Alternative zur Riester-Rente, insbesondere durch die Möglichkeit, in renditestärkere Anlageprodukte zu investieren und von niedrigeren Kosten zu profitieren. Die vereinfachte Förderung und die Öffnung für Selbstständige sind weitere positive Aspekte, die das neue System attraktiv machen. Dennoch sollten Sparer die Risiken und Herausforderungen nicht außer Acht lassen und sich gut informieren, bevor sie eine Entscheidung treffen.
Insgesamt könnte das Altersvorsorgedepot für viele Sparer eine bessere Lösung darstellen als die Riester-Rente, insbesondere für diejenigen, die bereit sind, das Kapitalmarktrisiko einzugehen und aktiv in ihre Altersvorsorge zu investieren.
Häufige Fragen
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Wie hoch sind die Kosten beim Altersvorsorgedepot?
Welche Förderungen gibt es?
Wer kann am Altersvorsorgedepot teilnehmen?
Wie funktioniert die Auszahlung beim Altersvorsorgedepot?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Altersvorsorgedepot für die Zukunft · Foto: Bich Tran / Pexels


