⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 07.06.2026
Die Diskussion um das Ehegattensplitting gewinnt an Fahrt. Während führende Ökonomen eine Reform fordern, bleibt die Union standhaft und lehnt Änderungen ab.
- Ökonomen schlagen eine Reform des Ehegattensplittings vor.
- Die Union hält am bestehenden System fest.
- Familien mit Kindern könnten von einer Reform profitieren.
Die Diskussion um das Ehegattensplitting, ein steuerliches Verfahren, das Ehepaare begünstigt, wird aktuell neu entfacht. Führende deutsche Ökonomen haben in einem offenen Brief an die Bundesregierung eine grundlegende Reform gefordert. Diese Reform soll insbesondere Familien mit Kindern entlasten und die Arbeitsanreize für Frauen erhöhen. Während die Ökonomen eine klare Richtung vorgeben, bleibt die Union standhaft und lehnt jegliche Änderungen ab.
Was ist das Ehegattensplitting?

Das Ehegattensplitting ist ein Verfahren der Einkommensteuer, das es Ehepaaren ermöglicht, ihre Einkommen zusammenzulegen und gemeinsam zu versteuern. Dabei wird das gesamte Einkommen addiert, durch zwei geteilt und dann versteuert. Dieses System führt oft zu einer geringeren Steuerlast, insbesondere für Paare mit großen Einkommensunterschieden. Seit seiner Einführung im Jahr 1958 hat es sich als ein wichtiges Instrument zur steuerlichen Förderung von Ehe und Familie etabliert.
Die Vorteile des Ehegattensplittings sind besonders ausgeprägt, wenn ein Partner ein deutlich höheres Einkommen erzielt als der andere. In solchen Fällen kann das Splitting dazu führen, dass die Steuerlast insgesamt sinkt, was für viele Paare finanziell attraktiv ist. Kritiker argumentieren jedoch, dass dieses System vor allem Paare mit großen Einkommensunterschieden begünstigt und somit nicht mehr zeitgemäß ist.
Warum wird eine Reform des Ehegattensplittings gefordert?
Die Forderung nach einer Reform des Ehegattensplittings wird von einer Allianz aus 23 Ökonomen und ehemaligen Verfassungsrichtern unterstützt. Sie argumentieren, dass das bestehende System nicht nur ungerecht ist, sondern auch negative Auswirkungen auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen hat. Viele Frauen, die in Partnerschaften mit ungleichen Einkommen leben, sehen sich oft in der Situation, dass es sich für sie finanziell nicht lohnt, eine Arbeit aufzunehmen oder ihre Arbeitszeit zu erhöhen. Dies führt dazu, dass gut ausgebildete Frauen vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden, was angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland nicht tragbar ist.
Die Ökonomen schlagen vor, das Ehegattensplitting durch ein sogenanntes begrenztes Realsplitting zu ersetzen. In diesem Modell könnte der besserverdienende Partner nur noch einen Betrag von maximal 13.805 Euro auf den anderen übertragen. Diese Maßnahme würde die steuerlichen Vorteile für Paare mit großen Einkommensunterschieden verringern und gleichzeitig Familien mit Kindern gezielt entlasten.
Welche Auswirkungen hätte die Reform auf Familien und kinderlose Paare?
- Datum: 07.06.2026
- Familien mit Kindern könnten im Schnitt 585 Euro jährlich profitieren.
- Kinderlose Paare mit ungleichen Einkommen würden im Schnitt 316 Euro mehr Steuern zahlen.
Die Reform würde Familien mit Kindern im Schnitt um 585 Euro pro Jahr entlasten. Alleinerziehende könnten sogar mit einer Steuererleichterung von etwa 417 Euro rechnen. Diese finanziellen Vorteile würden durch die Mehreinnahmen des Staates aus der Begrenzung des Splittingvorteils finanziert. Die Ökonomen schlagen vor, diese Mehreinnahmen in die Förderung von Familien zu investieren, beispielsweise durch eine Erhöhung des Kindergeldes und des Kinderfreibetrags.
Im Gegensatz dazu müssten kinderlose Paare mit ungleichen Einkommen im Schnitt 316 Euro mehr Steuern zahlen. Diese Umverteilung zielt darauf ab, die steuerlichen Vorteile gerechter zu gestalten und Familien mit Kindern stärker zu fördern. Kritiker befürchten jedoch, dass diese Maßnahmen kinderlose Paare benachteiligen und zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung führen könnten.
Wie reagiert die Union auf die Reformvorschläge?
Die Union, vertreten durch führende Politiker wie den finanzpolitischen Sprecher Fritz Güntzler, hat sich klar gegen die Reformvorschläge ausgesprochen. Güntzler betont, dass das Ehegattensplitting Ausdruck des verfassungsrechtlichen Schutzes von Ehe und Familie sei. Er sieht die Ehe als eine Unterhaltsgemeinschaft, die steuerlich abgebildet werden müsse. Die Union argumentiert, dass die Probleme, die Frauen in der Erwerbsarbeit behindern, nicht in der Steuerpolitik liegen, sondern vielmehr in fehlenden Betreuungsangeboten und unzuverlässigen Kita-Zeiten.
Güntzler bezeichnet die Diskussion um eine Reform des Ehegattensplittings als „steuerpolitische Symboldebatte“ und fordert stattdessen Maßnahmen zur Verbesserung der Kinderbetreuung und zur Schaffung verlässlicher Übergänge von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Diese Sichtweise steht im Widerspruch zu den Forderungen der Ökonomen, die eine Reform als notwendigen Schritt zur Stärkung der Erwerbsanreize für Frauen betrachten.
Fazit

Die Debatte um das Ehegattensplitting zeigt die unterschiedlichen Ansichten über die steuerliche Behandlung von Ehepaaren in Deutschland. Während führende Ökonomen eine Reform fordern, um Familien gezielt zu fördern und die Erwerbsanreize für Frauen zu erhöhen, bleibt die Union standhaft und lehnt Änderungen ab. Die Diskussion wird weiterhin von den Herausforderungen geprägt, die sich aus dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel ergeben. Ob und in welcher Form eine Reform des Ehegattensplittings umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.
Häufige Fragen
Was ist das Ehegattensplitting?
Warum wird eine Reform des Ehegattensplittings gefordert?
Wie würde eine Reform aussehen?
Welche Auswirkungen hätte die Reform auf kinderlose Paare?
Wie reagiert die Union auf die Reformvorschläge?
Quellen: Google News
Symbolbild: Ehegattensplitting und Familienförderung · Foto: Nataliya Vaitkevich / Pexels


