⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 06.06.2026
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), kritisiert die ungleiche Besteuerung in Deutschland und fordert eine Vermögensteuer von zwei Prozent auf große Vermögen.
- Fratzscher sieht Deutschland als eines der Länder mit der höchsten Besteuerung von Arbeit.
- Die Einführung einer Vermögensteuer könnte 42 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen bringen.
- Die geplante Einkommensteuerreform soll vor allem kleine und mittlere Einkommen entlasten.
Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hat in einer aktuellen Stellungnahme die ungleiche Besteuerung in Deutschland scharf kritisiert. Er betont, dass kaum ein Land Arbeit stärker besteuert und gleichzeitig Vermögen geringer belastet als Deutschland. Diese Ungleichheit im Steuersystem hat weitreichende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes und die Anreize für Arbeitnehmer.
Was ist die Forderung nach einer Vermögensteuer?

Fratzscher fordert konkret die Einführung einer Vermögensteuer von zwei Prozent auf große Vermögen. Diese Steuer könnte dem deutschen Staat jährlich etwa 42 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen verschaffen. Mit diesen Mitteln könnte die Bundesregierung nicht nur die Steuerlast auf Arbeitseinkommen senken, sondern auch Unternehmen entlasten. Fratzscher sieht in dieser Maßnahme einen wichtigen wirtschaftlichen Impuls, der die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken könnte.
Die Diskussion um die Vermögensteuer ist nicht neu, jedoch gewinnt sie in Anbetracht der geplanten Reform der Einkommensteuer an Dringlichkeit. Die schwarz-rote Koalition hat angekündigt, die Einkommensteuer zum 1. Januar 2027 zu reformieren, wobei vor allem kleine und mittlere Einkommen entlastet werden sollen. Die genaue Ausgestaltung dieser Reform und die Frage der Gegenfinanzierung sind jedoch noch offen.
Die Kritik am bestehenden Steuersystem
Fratzscher kritisiert das bestehende Steuersystem als grundlegend ungerecht. Er argumentiert, dass die hohe Besteuerung von Arbeit, insbesondere für Menschen mit mittleren Einkommen, zu einer Reduzierung der Arbeitsanreize führt. Dies hat zur Folge, dass weniger Arbeitsstunden geleistet werden und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes leidet. Die starke Belastung von Arbeitnehmern in der Mitte der Einkommensverteilung ist ein zentrales Problem, das dringend angegangen werden muss.
Ein weiterer Punkt, den Fratzscher anspricht, ist der sogenannte Mittelstandsbauch. Dieser Begriff beschreibt die Situation, dass vor allem Menschen mit mittleren Einkommen überproportional stark besteuert werden, während große Vermögen kaum zur Kasse gebeten werden. Eine Reform, die diesen Missstand behebt, könnte nicht nur die Steuerlast gerechter verteilen, sondern auch die wirtschaftliche Dynamik fördern.
Die Rolle des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)
- DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert eine Vermögensteuer von zwei Prozent.
- Eine solche Steuer könnte dem Staat 42 Milliarden Euro einbringen.
- Die schwarz-rote Koalition plant eine Reform der Einkommensteuer zum 1. Januar 2027.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unterstützt die Forderung nach einer Vermögensteuer und fordert eine stärkere Belastung von Superreichen. Der stellvertretende DGB-Vorsitzende Stefan Körzell hat betont, dass die Bundesregierung die Nutznießer der ungleichen Verteilung in die Pflicht nehmen müsse. Der DGB schlägt vor, jeden Euro oberhalb eines Nettovermögens von einer Million Euro zu besteuern, wobei die Grenze für Verheiratete bei zwei Millionen Euro liegen würde.
Zusätzlich fordert der DGB eine Vermögensabgabe für die Allerreichsten, die zehn Prozent auf alle privaten Nettovermögen ab zehn Millionen Euro betragen soll. Diese Abgabe könnte über einen Zeitraum von zwanzig Jahren abgetragen werden. Die Argumentation hinter diesen Forderungen ist, dass die wachsenden Finanzlücken in Bund, Ländern und Kommunen zentrale sozialpolitische Eckpfeiler gefährden.
Hintergrund zur Vermögensteuer in Deutschland
Die Vermögensteuer wurde in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts hatte damals entschieden, dass der Gleichheitsgrundsatz verletzt sei, da Immobilien im Vergleich zu Geldvermögen oder Wertpapieren ungleich bewertet wurden. Obwohl die Steuer an sich nicht gekippt wurde, blieb eine Reform aus, die notwendig gewesen wäre, um die Steuer wieder einzuführen.
Die SPD befürwortet die Wiedereinführung der Vermögensteuer, jedoch fand diese Forderung aufgrund des Widerstands der Union keinen Eingang in den Koalitionsvertrag. Dennoch gibt es innerhalb der Union Stimmen, die sich für eine Vermögensteuer aussprechen, wie der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), der betont, dass Menschen mit sehr hohen Vermögen im Rahmen des Solidarprinzips einen Beitrag leisten sollten.
Die geplante Einkommensteuerreform
Die schwarz-rote Koalition plant, die Einkommensteuer zum 1. Januar 2027 zu reformieren. Ziel dieser Reform ist es, vor allem kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Die genauen Details und die Gegenfinanzierung sind jedoch noch unklar. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat angekündigt, dass 95 Prozent der Beschäftigten von dieser Reform profitieren sollen.
Die Diskussion um die Reform ist von verschiedenen Vorschlägen geprägt. Einige Unions-Finanzpolitiker schlagen vor, den Spitzensteuersatz erst bei einem zu versteuernden Einkommen von 85.000 Euro greifen zu lassen, während andere eine Erhöhung des Reichensteuersatzes auf 47,5 Prozent fordern. Diese unterschiedlichen Ansätze zeigen, wie komplex die Verhandlungen um die Steuerreform sind und wie wichtig eine Einigung für die zukünftige Finanzpolitik Deutschlands ist.
Fazit

Die Forderung nach einer Vermögensteuer und die geplante Reform der Einkommensteuer stehen im Zentrum der aktuellen politischen Diskussion in Deutschland. DIW-Präsident Marcel Fratzscher hebt die Notwendigkeit hervor, die ungleiche Besteuerung von Arbeit und Vermögen zu korrigieren, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes zu steigern. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu klären, wie die Steuerreform konkret aussehen wird und welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Finanzlücken zu schließen und die soziale Gerechtigkeit zu fördern.
Häufige Fragen
Was fordert der DIW-Präsident?
Wie viel könnte die Vermögensteuer einbringen?
Wann soll die Einkommensteuerreform in Kraft treten?
Was sind die Ziele der Einkommensteuerreform?
Warum wird eine Vermögensteuer gefordert?
Quellen: Google News
Symbolbild: Diskussion über Vermögensteuer in Deutschland · Foto: www.kaboompics.com / Pexels


