⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 06.07.2026
Trotz eines guten Einkommens und 200.000 Euro Eigenkapital scheitern viele Deutsche am Traum vom Eigenheim. Hohe Nebenkosten und steigende Zinsen machen den Immobilienkauf zunehmend unattraktiv.
- Hohe Nebenkosten und Zinsen belasten Käufer.
- Eigenkapital wird zur entscheidenden Hürde.
- Familienunterstützung wird immer wichtiger.
Trotz eines guten Einkommens und einem Eigenkapital von 200.000 Euro scheitern viele potenzielle Käufer am Traum vom Eigenheim. Hohe Nebenkosten und steigende Zinsen machen den Immobilienkauf zunehmend unattraktiv. Diese Entwicklungen werfen Fragen auf, insbesondere im Kontext der aktuellen wirtschaftlichen Lage, die von Inflation und steigenden Zinsen geprägt ist.
Was sind die Hauptgründe für das Scheitern beim Immobilienkauf?

Die Anforderungen an Käufer sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Bei einem Kaufpreis von 600.000 Euro müssen Käufer in der Regel 20 Prozent Eigenkapital einbringen, was 120.000 Euro entspricht. Hinzu kommen Kaufnebenkosten wie die Grunderwerbsteuer, die in Nordrhein-Westfalen 6,5 Prozent beträgt. Bei einem Kaufpreis von 600.000 Euro sind das allein 39.000 Euro, die zusätzlich aufgebracht werden müssen.
Eigenkapital wird zunehmend zur entscheidenden Hürde für Käufer. Laut aktuellen Daten bringen Käufer im Schnitt etwa 147.000 Euro Eigenkapital in ihre Finanzierung ein. Diese Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, was darauf hindeutet, dass die Anforderungen an das Eigenkapital weiter zunehmen. Michael Voigtländer, Immobilienexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft, weist darauf hin, dass viele Haushalte im Alter zwischen 35 und 44 Jahren im Median nur über rund 22.000 Euro Finanzvermögen verfügen. Für viele ist es daher „utopisch“, die nötigen Eigenmittel für den Kauf aufzubauen.
Wie wirken sich hohe Nebenkosten auf den Immobilienkauf aus?
Die Nebenkosten beim Immobilienkauf sind ein weiterer entscheidender Faktor. Neben der Grunderwerbsteuer müssen Käufer auch Notarkosten, Gebühren für das Grundbuch und gegebenenfalls Maklergebühren einplanen. Diese Kosten können schnell mehrere Zehntausend Euro betragen und erhöhen die Einstiegshürde für potenzielle Käufer erheblich. In vielen Fällen müssen diese Nebenkosten aus dem Eigenkapital bezahlt werden, was die finanzielle Belastung weiter erhöht.
Die Verbraucherzentrale NRW hat die monatlichen Belastungen für Käufer berechnet. Bei einem Beleihungswert von 600.000 Euro und 120.000 Euro Eigenkapital ergibt sich ein Darlehen von 480.000 Euro. Bei einer Zinsbindung von 15 Jahren und einer anfänglichen Tilgung von zwei Prozent liegt die monatliche Belastung zwischen 2360 und 2560 Euro. Bei einer Finanzierung ohne Eigenkapital würde die Monatsrate sogar zwischen 3115 und 3375 Euro liegen. Diese hohen monatlichen Belastungen schrecken viele Käufer ab, selbst wenn sie über ein gutes Einkommen verfügen.
Die Rolle der Zinsen in der Immobilienfinanzierung
- Eigenkapital: 200.000 Euro
- Kaufpreis: 600.000 Euro
- Grunderwerbsteuer in NRW: 6,5%
- Monatliche Belastung: 2360 bis 2560 Euro
- 34% der Kaufplaner benötigen familiäre Unterstützung
Die Notwendigkeit, mehr Eigenkapital aufzubringen, hat auch Auswirkungen auf die Finanzierungskonditionen. Je weniger Eigenkapital Käufer einbringen, desto höher ist das Risiko für die Banken, was zu höheren Zinssätzen führt. Dies erhöht die monatlichen Belastungen zusätzlich und macht den Kauf noch unattraktiver. In der aktuellen Interhyp-Leistbarkeitsstudie geben 34 Prozent der Kaufplaner an, dass Unterstützung durch die Familie, sei es durch Erbe oder Schenkung, eine notwendige Voraussetzung für den Kauf ist. Diese Entwicklung zeigt, wie stark die Eigentumsfrage in Deutschland zur Vermögensfrage geworden ist.
Wer bereits eine Immobilie besitzt, kann oft Kapital aus dem Verkauf der bisherigen Immobilie einbringen, während Erstkäufer auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Michael A., der trotz eines Eigenkapitals von 200.000 Euro und einem guten Einkommen von 4000 bis 5000 Euro monatlich den Kauf einer Wohnung aufgegeben hat, verdeutlicht diese Problematik. Die monatliche Rate für eine Finanzierung hätte nach seinen Berechnungen etwa 800 bis 1200 Euro mehr betragen als seine aktuelle Miete.
Familienunterstützung als notwendige Voraussetzung
Die Abhängigkeit von familiärer Unterstützung ist ein weiteres Zeichen dafür, dass der Immobilienmarkt für viele Menschen unzugänglich geworden ist. Die hohen Einstiegshürden und die Notwendigkeit, mehr Eigenkapital aufzubringen, machen es für viele junge Familien und Erstkäufer schwierig, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Ein Beispiel verdeutlicht die Situation: Ein Käufer, der eine Wohnung für 600.000 Euro erwerben möchte, muss nicht nur die 120.000 Euro Eigenkapital aufbringen, sondern auch die 39.000 Euro Grunderwerbsteuer und weitere Nebenkosten.
Diese finanziellen Anforderungen führen dazu, dass Käufer sich entscheiden, lieber zur Miete zu wohnen und ihr Geld in andere Anlageformen zu investieren, wie etwa in Aktien oder Kryptowährungen, um ihre finanzielle Flexibilität zu bewahren. Michael A. entschied sich, lieber liquide zu bleiben und sein Geld am Aktienmarkt zu investieren, was ihm mehr Flexibilität bietet.
Fazit: Der Immobilienkauf bleibt eine Herausforderung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Traum vom Eigenheim für viele Deutsche zunehmend unerreichbar wird. Hohe Nebenkosten, steigende Zinsen und die Notwendigkeit, mehr Eigenkapital aufzubringen, machen den Kauf unattraktiv. Die Abhängigkeit von familiärer Unterstützung zeigt, wie stark die Eigentumsfrage in Deutschland zur Vermögensfrage geworden ist. Angesichts dieser Herausforderungen bleibt der Immobilienkauf für viele eine große Hürde, die es zu überwinden gilt.
Häufige Fragen
Warum scheitern viele am Immobilienkauf?
Wie hoch sind die Nebenkosten beim Immobilienkauf?
Wie viel Eigenkapital wird benötigt?
Welche Rolle spielt familiäre Unterstützung?
Wie beeinflussen Zinsen die Immobilienfinanzierung?
Quellen: Google News
Symbolbild: Herausforderungen beim Immobilienkauf · Foto: Phát Trương / Pexels


