⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 06.07.2026
Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass Selbstnutzer in Deutschland im Vergleich zu Vermietern erheblich benachteiligt sind. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die Immobilienmärkte und die Altersvorsorge.
- Selbstnutzer verlieren bis zu 87.000 Euro gegenüber Vermietern.
- Renditeunterschiede zwischen Vermietern und Selbstnutzern sind signifikant.
- Die niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland ist alarmierend.
Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat alarmierende Ergebnisse zur steuerlichen Benachteiligung von Selbstnutzern in Deutschland veröffentlicht. Diese Studie zeigt, dass Käufer von Eigenheimen im Vergleich zu Vermietern erheblich schlechter gestellt sind, was nicht nur finanzielle, sondern auch gesellschaftliche Auswirkungen hat. Insbesondere in Zeiten von Inflation und steigenden Zinsen wird die Frage nach der Attraktivität von Immobilien als Geldanlage immer drängender.
Was zeigt die IW-Studie zur Benachteiligung von Selbstnutzern?

Die IW-Studie verdeutlicht, dass Selbstnutzer, die eine Immobilie in einer deutschen Metropole für 300.000 Euro erwerben, innerhalb von 15 Jahren einen Steuernachteil von bis zu 87.000 Euro im Vergleich zu Vermietern erleiden können. Dies liegt daran, dass Vermieter ihre Immobilien steuerlich abschreiben und Kosten wie Kreditzinsen sowie Instandhaltung geltend machen können. Selbstnutzern hingegen bleibt dieser steuerliche Vorteil verwehrt, was die finanzielle Belastung erheblich erhöht.
Außerhalb der Metropolen liegt der Steuernachteil für Selbstnutzer zwischen 40.000 und 50.000 Euro. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die steuerliche Behandlung von selbstgenutztem Wohneigentum in Deutschland im europäischen Vergleich einzigartig negativ ist. In anderen Ländern, wie den Niederlanden oder Frankreich, werden Selbstnutzer steuerlich begünstigt, was zu einer höheren Wohneigentumsquote führt.
Renditeunterschiede zwischen Vermietern und Selbstnutzern
Die Rendite auf das eingesetzte Kapital ist ein entscheidender Faktor für Investoren. Laut der IW-Studie liegt die Rendite für Vermieter bei fast 9%, während Selbstnutzer lediglich mit 6% rechnen können. Diese Differenz ist nicht nur ein finanzielles Problem, sondern hat auch Auswirkungen auf die Entscheidung vieler Menschen, ob sie in ein Eigenheim investieren oder lieber zur Miete wohnen bleiben.
Die Studie zeigt, dass die Mietrendite im Standardbeispiel bei 4% liegt, was die Attraktivität von Mietimmobilien weiter unterstreicht. In einem Markt, der von steigenden Zinsen und Inflation geprägt ist, wird die Entscheidung für eine Immobilie als Geldanlage zunehmend komplexer. Die Frage, ob man selbst einziehen oder vermieten sollte, wird durch die steuerlichen Rahmenbedingungen stark beeinflusst.
Die niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland
- Steuernachteil für Selbstnutzer: bis zu 87.000 Euro
- Rendite für Vermieter: fast 9%, für Selbstnutzer: 6%
- Wohneigentumsquote in Deutschland: 44%, EU-Schnitt: 70%
Ein weiteres alarmierendes Ergebnis der IW-Studie ist die niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland, die 2022 bei nur 44% lag. Im Vergleich dazu liegt der EU-Durchschnitt bei etwa 70%. Diese Diskrepanz ist nicht nur ein Zeichen für die steuerlichen Benachteiligungen, sondern auch für die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die den Erwerb von Wohneigentum erschweren.
Die niedrige Quote hat weitreichende Folgen für die Altersvorsorge der Bürger. Wohneigentum wird oft als eine der besten Formen der Altersvorsorge angesehen, da es nicht nur ein Vermögenswert ist, sondern auch eine Möglichkeit, die Lebenshaltungskosten im Alter zu senken. Die steuerlichen Hürden, die Selbstnutzern in Deutschland auferlegt werden, stehen dem entgegen und könnten langfristig zu einer höheren Altersarmut führen.
Gesellschaftliche Auswirkungen der steuerlichen Benachteiligung
Die Ergebnisse der IW-Studie werfen auch Fragen zur sozialen Gerechtigkeit auf. Während Vermieter von steuerlichen Vorteilen profitieren, sind Selbstnutzer gezwungen, höhere Kosten zu tragen. Dies könnte zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft führen, in der nur wohlhabende Bürger in der Lage sind, sich Wohneigentum zu leisten, während andere auf Mietwohnungen angewiesen sind.
Die Studie zeigt, dass der deutsche Staat durch seine steuerliche Behandlung von Selbstnutzern eine Barriere für den Erwerb von Wohneigentum schafft. Dies steht im Widerspruch zu den Zielen der Bundesregierung, die Wohneigentumsquote zu erhöhen und den Bürgern eine sichere Altersvorsorge zu ermöglichen.
Wie könnte der Staat die Situation für Selbstnutzer verbessern?
Um die Situation für Selbstnutzer zu verbessern, könnte der Staat verschiedene Maßnahmen ergreifen. Eine Möglichkeit wäre die Einführung eines Freibetrags bei der Grunderwerbsteuer für Selbstnutzer. Dies würde den Erwerb von Wohneigentum erleichtern und die steuerliche Benachteiligung verringern.
Darüber hinaus könnte eine Reform der steuerlichen Rahmenbedingungen für Selbstnutzer dazu beitragen, die Attraktivität von Wohneigentum zu erhöhen. Eine solche Reform könnte nicht nur die finanzielle Belastung der Selbstnutzer reduzieren, sondern auch die gesellschaftliche Gleichheit fördern, indem sie mehr Menschen den Zugang zu Wohneigentum ermöglicht.
Fazit

Die IW-Studie zeigt eindrücklich, dass Selbstnutzer in Deutschland gegenüber Vermietern erheblich benachteiligt sind. Die finanziellen und gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Benachteiligung sind weitreichend und betreffen nicht nur die individuelle Altersvorsorge, sondern auch die gesamte Gesellschaft. Um die Situation zu verbessern, sind politische Maßnahmen erforderlich, die den Erwerb von Wohneigentum fördern und die steuerlichen Rahmenbedingungen für Selbstnutzer reformieren.
Häufige Fragen
Was zeigt die IW-Studie zur Benachteiligung von Selbstnutzern?
Wie hoch ist die Rendite für Vermieter im Vergleich zu Selbstnutzern?
Was sind die Gründe für die niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland?
Wie könnte der Staat die Situation für Selbstnutzer verbessern?
Welche Auswirkungen hat die steuerliche Benachteiligung auf die Altersvorsorge?
Quellen: Google News
Symbolbild: Selbstnutzer im Immobilienmarkt · Foto: Safwan C K / Pexels


