⏱ 3 Min. Lesezeit · Stand: 07.08.2026
In turbulenten Marktphasen zeigt sich, dass die klassische Portfoliotheorie nicht immer schützt. Korrelationen steigen in Krisen, was die Diversifikation untergräbt.
- Diversifikation schützt nicht in Krisen.
- Korrelationen steigen in Abschwungphasen.
- Tail-Events sind häufige Risiken für Anleger.
In den letzten Jahren haben Anleger immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Diversifikation nicht immer den erhofften Schutz bietet. Insbesondere in extremen Marktphasen, wie sie in der Vergangenheit mehrfach auftraten, zeigt sich eine grundlegende Schwachstelle der klassischen Portfoliotheorie. Diese Theorie beruht auf der Annahme, dass unterschiedliche Anlageklassen sich unabhängig voneinander entwickeln und somit das Risiko eines Portfolios verringern können. Doch was passiert, wenn diese Annahme nicht zutrifft?
Was ist Diversifikation?

Diversifikation ist ein zentraler Bestandteil der Finanzplanung. Sie basiert auf der Idee, dass nicht alle Anlagen gleichzeitig an Wert verlieren. Durch die Verteilung des Kapitals auf verschiedene Anlageklassen, wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe, soll das Gesamtrisiko eines Portfolios gesenkt werden. In normalen Marktphasen funktioniert dieses Konzept in der Regel gut, da die Korrelationen zwischen den verschiedenen Anlageklassen moderat und stabil bleiben.
Die Rolle der Korrelation in ruhigen Marktphasen
Korrelation ist ein statistisches Maß, das beschreibt, wie stark sich zwei Märkte oder Anlageklassen gemeinsam bewegen. Ein Wert nahe null bedeutet, dass die Kursentwicklungen weitgehend unabhängig voneinander verlaufen, während ein Wert nahe eins darauf hinweist, dass sie sich im Gleichschritt bewegen. In stabilen Marktphasen können Anleger von einer Mischung aus verschiedenen Regionen, Sektoren oder Anlageklassen profitieren, da die Korrelationen in der Regel niedrig sind.
Tail-Events: Wenn Korrelationen sprunghaft steigen
Ein zentrales Problem der klassischen Portfoliotheorie zeigt sich jedoch in Krisenzeiten. Ereignisse, die als Tail-Events bezeichnet werden, liegen am äußersten Rand der statistischen Wahrscheinlichkeitsverteilung. Diese extremen Marktbewegungen treten in der Realität häufiger auf, als es die Modelle vorhersagen. Studien haben gezeigt, dass die Korrelation zwischen großen Aktienmärkten in Abschwungphasen deutlich ansteigt. Während sich in Aufschwungphasen die Korrelationen auf einem niedrigen Niveau bewegen, ziehen die Märkte in Krisenzeiten enger zusammen. Dies bedeutet, dass Anleger, die auf Diversifikation setzen, in schweren Marktphasen oft enttäuscht werden.
Warum gängige Modelle diese Gefahr unterschätzen
Die meisten Standardmodelle der Portfoliotheorie basieren auf der Annahme einer multivariaten Normalverteilung. Diese Annahme geht davon aus, dass Renditen einer bestimmten Glockenkurve folgen und extreme gemeinsame Verluste selten sind. Doch die Realität zeigt, dass diese Annahme für die negativen Extrembereiche der Verteilung nicht zutrifft. Die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere große Märkte gleichzeitig stark einbrechen, ist erheblich höher, als es die Normalverteilungsmodelle vorhersagen. Dies führt dazu, dass Anleger in Krisenzeiten oft mit erheblichen Verlusten konfrontiert werden, obwohl sie auf Diversifikation gesetzt haben.
Die Auswirkungen von Inflation auf Korrelationen
Ein weiterer Faktor, der die Korrelationen zwischen Anlageklassen beeinflussen kann, ist die Inflation. In Zeiten steigender Preise können sich die Bewegungen von Aktien und Anleihen verändern, was die Diversifikation zusätzlich untergräbt. Die Europäische Zentralbank hat in ihren Analysen darauf hingewiesen, dass sich Korrelationen unter inflationären Bedingungen verschieben können. Dies bedeutet, dass Anleger, die in einem inflationären Umfeld diversifizieren, möglicherweise nicht den Schutz erhalten, den sie erwarten.
Praktische Implikationen für Anleger
Für Anleger bedeutet dies, dass sie ihre Risikostrategien überdenken sollten. Die Annahme, dass Diversifikation in allen Marktphasen funktioniert, ist trügerisch. Stattdessen sollten Anleger sich bewusst sein, dass in Krisenzeiten die Korrelationen steigen und somit der Schutz, den sie durch Diversifikation erhoffen, nicht gegeben ist. Es ist ratsam, alternative Strategien zu entwickeln, die auch in extremen Marktphasen funktionieren können.
Fazit

Die Schwachstelle der Portfoliotheorie wird in Krisenzeiten besonders deutlich. Die steigenden Korrelationen zwischen Anlageklassen in Abschwungphasen zeigen, dass Diversifikation nicht immer den erhofften Schutz bietet. Anleger sollten sich dieser Risiken bewusst sein und ihre Strategien entsprechend anpassen, um auch in turbulenten Zeiten erfolgreich zu sein.
Häufige Fragen
Was ist Diversifikation?
Warum versagt Diversifikation in Krisen?
Was sind Tail-Events?
Wie beeinflusst Inflation die Korrelationen?
Was sind die Risiken der klassischen Portfoliotheorie?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Diversifikation in Krisen: Ein Risiko · Foto: Leeloo The First / Pexels


