⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 11.08.2026
Die Frage, wie viele ETFs ein effizientes Portfolio benötigt, wird zunehmend diskutiert. Ab wann der Diversifikationsnutzen marginal wird, beleuchtet die moderne Portfoliotheorie von Harry Markowitz.
- Diversifikation hat Grenzen, entscheidend ist die Korrelation.
- Ein einzelner ETF kann bereits das Einzeltitelrisiko eliminieren.
- Zusätzliche ETFs bringen oft keinen echten Mehrwert.
Die Frage, wie viele ETFs ein effizientes Portfolio benötigt, wird in der Finanzwelt zunehmend diskutiert. Insbesondere die moderne Portfoliotheorie von Harry Markowitz bietet wertvolle Einsichten, die Anlegern helfen können, ihre Strategien zu optimieren. Ab wann der Diversifikationsnutzen marginal wird, ist eine zentrale Überlegung für Investoren, die ihre Risiken minimieren und gleichzeitig Renditen maximieren möchten.
Was ist die Effizienzgrenze nach Markowitz?

Die Effizienzgrenze ist ein Konzept, das von Harry Markowitz in den 1950er Jahren entwickelt wurde. Sie beschreibt die optimale Rendite eines Portfolios bei gegebenem Risiko. Markowitz argumentierte, dass ein Asset nie isoliert betrachtet werden sollte, sondern immer im Kontext seines Beitrags zum Gesamtportfolio. Dies bedeutet, dass die Korrelation zwischen den verschiedenen Anlagen entscheidend ist. Ein Portfolio, das sich auf die Effizienzgrenze bewegt, maximiert die Rendite für ein bestimmtes Risiko oder minimiert das Risiko für eine bestimmte Rendite.
Markowitz erhielt für seine Arbeit 1990 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Seine Theorien sind nach wie vor grundlegend für das Risikomanagement und die Portfolioanalyse. Die Effizienzgrenze zeigt Anlegern, wie sie ihre Anlagen so kombinieren können, dass sie das bestmögliche Ergebnis erzielen.
Wie viele Titel braucht ein diversifiziertes Portfolio?
Eine der entscheidenden Fragen für ETF-Anleger ist, wie viele Titel in einem Portfolio notwendig sind, um eine ausreichende Diversifikation zu erreichen. Laut Meir Statman, der 1987 in seinem Paper „How Many Stocks Make a Diversified Portfolio?“ forschte, sind mindestens 30 bis 40 Aktien erforderlich, um das idiosynkratische Risiko eines Portfolios weitgehend zu eliminieren. Diese Zahl ist deutlich höher als die früher verbreitete Faustregel von rund zehn Titeln.
Überträgt man diese Erkenntnisse auf ETFs, wird deutlich, dass ein einzelner breit gestreuter Aktien-ETF oft bereits Hunderte bis Tausende von Einzeltiteln enthält. Damit ist der Schwellenwert nach Statman mit einem einzigen Produkt problemlos überschritten. Dies führt zu der Frage, was zusätzliche ETFs überhaupt noch leisten können.
Wo liegt der Punkt der abnehmenden Grenzerträge?
- Mindestens 30-40 Aktien nötig zur Eliminierung des idiosynkratischen Risikos.
- Ein breit gestreuter ETF enthält oft Hunderte bis Tausende von Einzeltiteln.
- Echter Mehrwert liegt in der Kombination unterschiedlicher Assetklassen und Regionen.
Wenn ein einzelner ETF das Einzeltitelrisiko bereits ausschaltet, stellt sich die Frage, was zusätzliche ETFs überhaupt noch leisten können. Der eigentliche Mehrwert zusätzlicher ETFs liegt nicht in mehr Titeln, sondern in der Korrelation zwischen den Anlagen. Laut Experten sollten Anleger, die wirklich diversifizieren möchten, unterschiedliche Assetklassen, Regionen und Risikofaktoren abdecken, anstatt einfach mehr Positionen hinzuzufügen.
Solange neue Positionen nicht korrelierende Renditequellen erschließen, verschiebt sich das Portfolio auf der Effizienzgrenze nach Markowitz kaum. Das bedeutet, dass Anleger oft gleiches Risiko bei ähnlichen Renditen haben, während die Komplexität und die Kosten des Portfolios zunehmen.
Praktische Tipps zur Portfolio-Gestaltung
Für Anleger, die ihr ETF-Portfolio effizient gestalten möchten, ist es wichtig, sich auf die Qualität der Anlagen zu konzentrieren, anstatt nur auf die Quantität. Ein Portfolio aus wenigen, sorgfältig ausgewählten Positionen kann näher an der Effizienzgrenze liegen als eine bloße Sammlung aus vielen ähnlichen Produkten. Zusätzliche Bausteine erhöhen oft nur die Zahl der Kennzahlen, die Abstimmungs- und Rebalancing-Aufwände sowie die Kostenstruktur.
Ein effektiver Ansatz könnte die Core-Satellite-Strategie sein, bei der ein breit gestreuter Kern aus ein bis drei ETFs den Großteil des Portfolios bildet. Kleinere Beimischungen können dann für spezifische Themen oder Einzelaktien genutzt werden. So bleibt die Grundstruktur stabil, ohne auf zusätzliche Chancen verzichten zu müssen.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Effizienzgrenze nach Markowitz eine wichtige Grundlage für die Gestaltung eines erfolgreichen Portfolios darstellt. Die Erkenntnis, dass ab etwa 30 bis 40 Aktien das idiosynkratische Risiko weitgehend eliminiert wird, ist für ETF-Anleger von großer Bedeutung. Der Schlüssel zur Diversifikation liegt nicht in der Anzahl der ETFs, sondern in der Auswahl unterschiedlicher Assetklassen und Regionen. Anleger sollten sich auf die Qualität ihrer Anlagen konzentrieren, um ein effizientes Portfolio zu erreichen.
Häufige Fragen
Was ist die Effizienzgrenze nach Markowitz?
Wie viele ETFs sind notwendig für ein diversifiziertes Portfolio?
Warum bringen zusätzliche ETFs oft keinen Mehrwert?
Was sind idiosynkratische Risiken?
Wie kann ich mein ETF-Portfolio effizient gestalten?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Effizientes Portfolio mit ETFs · Foto: DΛVΞ GΛRCIΛ / Pexels


