⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 20.06.2026
In Krisenzeiten können die Preise von ETFs erheblich vom Nettoinventarwert abweichen. Anleger sollten die Mechanismen hinter Premium und Discount verstehen, um fundierte Entscheidungen zu treffen.
- ETFs bieten Liquidität, aber in Stressphasen können Preise stark schwanken.
- Der Arbitrage-Mechanismus kann in Krisenzeiten weniger effektiv sein.
- Anleger sollten die Liquidität der Basiswerte und Handelszeiten beachten.
In der heutigen dynamischen Finanzwelt sind ETFs (Exchange Traded Funds) als effiziente und liquide Anlageinstrumente bekannt. Doch in Krisenzeiten, wie wir sie in der Vergangenheit erlebt haben, können die Marktpreise dieser Fonds erheblich vom Nettoinventarwert (NAV) abweichen. Diese Abweichungen, die als Premium oder Discount bezeichnet werden, sind für Anleger von großer Bedeutung, da sie die Preisbildung und die Handelsstrategien beeinflussen können.
Was sind Premium und Discount bei ETFs?

Premium und Discount sind Begriffe, die die Preisabweichungen von ETFs im Vergleich zu ihrem Nettoinventarwert beschreiben. Liegt der Marktpreis eines ETFs über dem NAV, spricht man von einem Premium. Umgekehrt, wenn der Marktpreis unter dem NAV liegt, handelt der Fonds mit einem Discount. Diese Abweichungen sind nicht ungewöhnlich und können durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, darunter Marktliquidität und Handelszeiten.
Ein Beispiel für solche Abweichungen zeigt sich im März und April 2020, als der durchschnittliche Discount beim iShares iBoxx Investment Grade Corporate Bond ETF (LQD) von 0,13 Prozent auf 1,39 Prozent anstieg. Solche Entwicklungen verdeutlichen, wie stark sich die Marktpreise in Krisenzeiten verändern können und wie wichtig es ist, diese Mechanismen zu verstehen.
Der Arbitrage-Mechanismus: Wie funktioniert er?
Der Arbitrage-Mechanismus ist ein zentraler Bestandteil der ETF-Preisbildung. Authorized Participants (APs) spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Wenn ein ETF zu einem Premium notiert, kauft ein AP die im Index enthaltenen Wertpapiere am Markt, liefert sie an die Fondsgesellschaft und erhält dafür neu geschaffene ETF-Anteile, die er an der Börse verkauft. Im umgekehrten Fall, wenn der ETF zu einem Discount gehandelt wird, kauft der AP die günstigen ETF-Anteile an der Börse, gibt sie an die Fondsgesellschaft zurück und erhält im Tausch die zugrundeliegenden Wertpapiere, die er dann einzeln zum höheren Marktpreis verkauft.
Dieser Prozess sorgt dafür, dass die Preise wieder in Richtung des Nettoinventarwerts gedrückt werden. In normalen Marktphasen funktioniert dieser Mechanismus meist effizient, jedoch kann er in Krisenzeiten an seine Grenzen stoßen. Die Liquidität der Basiswerte kann sinken, was bedeutet, dass Aktien oder Anleihen im Fonds schwerer handelbar werden. Dies führt zu einer Ausweitung der Geld-Brief-Spannen, da Market Maker höhere Risiken einpreisen.
Risiken und Chancen in Krisenzeiten
- Durchschnittlicher Discount beim iShares iBoxx LQD stieg von 0,13% auf 1,39% in Krisenzeiten.
- ETFs werden fortlaufend an der Börse gehandelt, was zu Preisabweichungen führen kann.
- Authorized Participants gleichen Preisabweichungen durch Creation und Redemption aus.
In Krisenzeiten können die Marktpreise von ETFs stark schwanken, was für Anleger sowohl Risiken als auch Chancen birgt. Wenn der Marktpreis eines ETFs deutlich unter dem NAV liegt, könnte dies eine Kaufgelegenheit darstellen. Allerdings kann die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Märkte dazu führen, dass Anleger zögern, in solche ETFs zu investieren. Zudem können die zugrunde liegenden Märkte in Stressphasen illiquide werden, was die Preisbildung weiter erschwert.
Ein Beispiel für die Auswirkungen von Marktstress ist die COVID-19-Pandemie, die im März und April 2020 zu erheblichen Preisabweichungen führte. Die durchschnittlichen Discounts bei großen US-Anleihen-ETFs weiteten sich in dieser Zeit deutlich aus, was zeigt, dass der Arbitrage-Mechanismus in Stressphasen weniger effektiv sein kann.
Strategien für Anleger
Anleger sollten sich der Risiken und Chancen bewusst sein, die mit Premium und Discount verbunden sind, und ihre Handelsstrategien entsprechend anpassen. Eine Strategie könnte darin bestehen, ETFs zu kaufen, die zu einem Discount gehandelt werden, da dies auf eine potenzielle Unterbewertung hinweisen könnte. Allerdings sollten Anleger auch die zugrunde liegenden Märkte und die Liquidität der Basiswerte berücksichtigen, um fundierte Entscheidungen zu treffen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Handelszeit. Außerhalb der Handelszeiten der Underlying-Märkte, etwa bei einem US-Aktien-ETF in den frühen europäischen Morgenstunden oder bei Anleihen-ETFs in marktarmen Phasen, weiten sich Spreads systematisch aus. Wer größere Positionen umschichtet, profitiert daher davon, während der Hauptbörsenzeiten der zugrundeliegenden Märkte zu handeln, idealerweise während der Überschneidung der europäischen und US-Handelszeiten.
Fazit

Die Preisbildung von ETFs in Stressphasen ist ein komplexes Thema, das für Anleger von großer Bedeutung ist. Während der Arbitrage-Mechanismus in normalen Marktphasen effizient funktioniert, kann er in Krisenzeiten an seine Grenzen stoßen. Anleger sollten sich der Risiken und Chancen bewusst sein, die mit Premium und Discount verbunden sind, und ihre Handelsstrategien entsprechend anpassen. Ein fundiertes Verständnis der Marktmechanismen kann helfen, in turbulenten Zeiten kluge Entscheidungen zu treffen.
Häufige Fragen
Was sind Premium und Discount bei ETFs?
Wie funktioniert der Arbitrage-Mechanismus bei ETFs?
Warum sind ETFs in Krisenzeiten riskanter?
Wie können Anleger in Krisenzeiten mit ETFs umgehen?
Was ist der Nettoinventarwert (NAV) eines ETFs?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Anleger analysieren ETF-Preise · Foto: Pixabay / Pexels


