⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 15.09.2026
Europa steht vor einem ernsthaften Problem im Bereich der Börsengänge. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Kontinent im internationalen Wettbewerb um IPOs ins Hintertreffen gerät.
- Europäische Unternehmen sind oft zu klein für den Börsengang.
- Die Studie fordert mehr Investitionen und eine bessere Werbung für IPOs.
- Rentenreformen könnten helfen, mehr Kapital in Aktien zu lenken.
Europa steht vor einem ernsthaften Problem im Bereich der Börsengänge. Eine aktuelle Studie von der Bertelsmann Stiftung, dem Centre for European Reform und dem Jacques Delors Centre zeigt, dass der Kontinent im internationalen Wettbewerb um IPOs ins Hintertreffen gerät. Während die USA prominente Börsengänge verzeichnen, bleibt Europa hinter den Erwartungen zurück. Die Studie fordert eine umfassende Reform der Kapitalmärkte, um die Attraktivität für Investoren zu steigern und innovative Unternehmen zu unterstützen.
Was ist das Hauptproblem bei IPOs in Europa?

Das Hauptproblem bei den Börsengängen in Europa ist, dass die Unternehmen häufig zu klein sind, wenn sie an die Börse gehen. Zwischen 2014 und 2025 lag der Wert der ausgegebenen Aktien bei 72 Prozent der europäischen Börsengänge unter 100 Millionen Euro. Im Vergleich dazu waren es in den USA nur 49 Prozent. Diese Diskrepanz zeigt, dass europäische Unternehmen Schwierigkeiten haben, das notwendige Kapital zu akquirieren, um auf den internationalen Märkten wettbewerbsfähig zu sein.
Zusätzlich erreichen nur 12 Prozent der europäischen Unternehmen bei ihrem Börsengang eine Marktkapitalisierung von mindestens einer Milliarde Euro. In den USA liegt dieser Wert bei 29 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, dass europäische Unternehmen oft nicht die Größe und das Wachstumspotenzial aufweisen, die Investoren suchen, was zu einer geringeren Attraktivität für Börsengänge führt.
Wie kann Europa seine IPO-Situation verbessern?
Die Studie schlägt vor, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten sich auf drei zentrale Bereiche konzentrieren sollten, um die Situation zu verbessern. Erstens sollten die Ersparnisse der Haushalte mobilisiert werden. Rentenreformen und Anreize für private Aktienanlagen könnten dazu beitragen, einen größeren Teil des Vermögens der Haushalte in Aktien zu lenken. Dies würde nicht nur die Bewertungen der Unternehmen verbessern, sondern auch die Liquidität auf den Märkten erhöhen.
Zweitens ist es wichtig, die Fragmentierung der europäischen Märkte zu verringern. Eine marktgetriebene Integration der Börsen könnte die Liquidität erhöhen und größere Börsengänge anziehen. Dies würde es ermöglichen, umfangreichere Neuemissionen besser zu gewinnen und langfristig an den europäischen Märkten zu halten.
Die Rolle von Wachstumskapital und börsenreifen Unternehmen
- Studie von Bertelsmann Stiftung zeigt sinkende IPO-Zahlen in Europa.
- 72% der europäischen Börsengänge zwischen 2014 und 2025 unter 100 Millionen Euro.
- Nur 12% der europäischen Unternehmen erreichen eine Marktkapitalisierung von über 1 Milliarde Euro.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Notwendigkeit, mehr börsenreife Unternehmen hervorzubringen. Dazu müssen der Binnenmarkt vollendet und mehr Wachstumskapital für spätere Finanzierungsphasen bereitgestellt werden. Anreize für größere, qualitativ hochwertige Börsengänge sind entscheidend, um das Vertrauen der Investoren zu gewinnen und die Attraktivität der europäischen Märkte zu steigern.
Claudia-Dominique Geiser, Senior Expert für EU-Wirtschaftspolitik, betont: „Für bessere öffentliche Aktienmärkte in Europa ist die richtige Diagnose entscheidend: Europas Unternehmen sind zu klein, wenn sie an die Börse gehen.“ Dies zeigt, dass eine umfassende Strategie erforderlich ist, um die Herausforderungen im IPO-Markt anzugehen.
Der Einfluss geopolitischer Spannungen
Die geopolitischen Spannungen, insbesondere die Konflikte im Nahen Osten, haben ebenfalls Auswirkungen auf die IPO-Aktivität in Europa. Diese Unsicherheiten bremsen viele Börsenkandidaten und führen dazu, dass Investoren vorsichtiger werden. In einem solchen Umfeld ist es umso wichtiger, dass die europäischen Märkte stabil und attraktiv bleiben, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.
Die Studie von Bertelsmann Stiftung und ihren Partnern zeigt, dass trotz dieser Herausforderungen Kapital vorhanden ist. Investoren sind bereit, in gut vorbereitete Unternehmen zu investieren, die eine klare Wachstumsstrategie und eine belastbare Equity Story präsentieren können.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Europa vor erheblichen Herausforderungen im Bereich der Börsengänge steht. Die Studie fordert eine umfassende Reform der Kapitalmärkte, um die Attraktivität für Investoren zu steigern und innovative Unternehmen zu unterstützen. Durch die Mobilisierung von Ersparnissen, die Verringerung der Fragmentierung und die Förderung börsenreifer Unternehmen kann Europa seine Position im internationalen IPO-Wettbewerb stärken. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, um zu sehen, ob diese Maßnahmen erfolgreich umgesetzt werden können.
Häufige Fragen
Was ist das Hauptproblem bei IPOs in Europa?
Wie kann Europa seine IPO-Situation verbessern?
Welche Rolle spielen Rentenreformen bei IPOs?
Wie schneidet Europa im Vergleich zu den USA ab?
Was sind die langfristigen Ziele für europäische IPOs?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Aktuelle Trends im europäischen IPO-Markt · Foto: Rômulo Queiroz / Pexels


