⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 14.09.2026
Frank Fischer, CIO von Shareholder Value Management, beleuchtet die Auswirkungen der Preissetzungsmacht auf die aktuellen Energiepreise und die Inflation in Europa und den USA.
- Hohe Energiepreise belasten die Inflation in Europa und den USA.
- Die EZB hat die Zinsen zur Inflationsbekämpfung erhöht.
- Qualitätsaktien mit Preissetzungsmacht sind im aktuellen Marktumfeld gefragt.
Frank Fischer, der Chief Investment Officer von Shareholder Value Management, hat kürzlich die Auswirkungen der Preissetzungsmacht auf die Energiepreise und die Inflation in Europa und den USA thematisiert. Angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen, insbesondere des Iran-Konflikts, steigen die Öl- und Gaspreise erheblich, was sowohl die Verbraucher als auch die Unternehmen unter Druck setzt.
Was ist Preissetzungsmacht?

Preissetzungsmacht ist die Fähigkeit eines Unternehmens, die Preise für seine Produkte oder Dienstleistungen zu bestimmen, ohne signifikante Nachfrageverluste zu erleiden. Diese Macht ist besonders wichtig in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, wenn die Kosten für Rohstoffe und Energie steigen. Unternehmen, die über eine starke Preissetzungsmacht verfügen, können ihre Preise anpassen, um steigende Kosten zu kompensieren, was ihnen hilft, ihre Margen zu schützen und stabile Gewinne zu erzielen.
Aktuelle Entwicklungen bei Energiepreisen
Die Energiepreise haben in den letzten Monaten einen dramatischen Anstieg erfahren. Insbesondere die Gaspreise in Europa sind seit Ende Juni um mehr als 90 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung ist vor allem auf den anhaltenden Konflikt im Persischen Golf, die zunehmende Konkurrenz um Flüssiggaslieferungen und die niedrigen Füllstände europäischer Gasspeicher zurückzuführen. Diese Faktoren haben zu einem signifikanten Anstieg der Energiekosten geführt, was wiederum den Inflationsdruck in der Eurozone verstärkt.
In den USA spüren die Verbraucher ebenfalls die Auswirkungen der hohen Ölpreise. Teures Benzin und Diesel belasten die Kaufkraft der Verbraucher und erhöhen die Produktionskosten für Unternehmen. Die US-Notenbank steht vor der Herausforderung, auf diese Entwicklungen zu reagieren, da die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in dieser Woche bei über 60 Prozent liegt.
Die Rolle der EZB in der Inflationsbekämpfung
- Ölpreise steigen aufgrund des Iran-Konflikts.
- Gaspreise in Europa seit Juni um über 90% gestiegen.
- EZB erhöht Zinsen um 25 Basispunkte auf 2,5%.
Um der steigenden Inflation entgegenzuwirken, hat die Europäische Zentralbank (EZB) kürzlich die Zinsen um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent erhöht. Diese Entscheidung war nicht überraschend, da die Bekämpfung der Inflation für die EZB oberste Priorität hat. Die Inflation im Euroraum lag zuletzt bei 3,3 Prozent, was die EZB dazu veranlasst hat, ihre Inflationsprognosen für die kommenden Jahre leicht nach oben zu korrigieren.
Die EZB erwartet, dass die Inflation voraussichtlich länger deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent bleiben wird. Daher rechnen die Terminmärkte bis Juni 2027 mit weiteren Zinsschritten. Diese Maßnahmen sollen helfen, die Inflation zu stabilisieren und das Wirtschaftswachstum nicht übermäßig zu belasten.
Qualitätsaktien als Schutz vor Inflation
In einem von hohen Energiepreisen und Inflation geprägten Marktumfeld setzen Investoren zunehmend auf Qualitätsaktien. Diese Unternehmen verfügen über eine starke Preissetzungsmacht und können ihre Preise an steigende Kosten anpassen. Frank Fischer hebt hervor, dass Unternehmen wie die Allianz, die Münchner Rück oder die Deutsche Börse in diesem Kontext besonders attraktiv sind. Diese Firmen haben sich durch solide Gewinne, verlässliche Cashflows und starke Bilanzen ausgezeichnet.
Analysten haben im vergangenen Monat ihre Gewinnerwartungen für neun der elf Sektoren des STOXX-600-Index angehoben, was auf eine positive Entwicklung hinweist. Dennoch bleibt abzuwarten, ob die steigenden Gaspreise den positiven Gewinntrend bremsen können, was sich erst mit den Unternehmensberichten zum dritten Quartal genauer beurteilen lässt.
Auswirkungen auf den Aktienmarkt
Die hohen Energiepreise und die damit verbundene Inflation haben auch Auswirkungen auf den Aktienmarkt. Während einige Sektoren, insbesondere die Energieunternehmen, von den steigenden Preisen profitieren, sehen andere Sektoren, wie den Einzelhandel und die Industrie, steigenden Druck auf ihre Margen. Dies könnte zu einer erhöhten Volatilität an den Märkten führen, da Investoren versuchen, die besten Anlagemöglichkeiten zu identifizieren.
Die zuletzt moderatere Entwicklung der US-Inflation hat jedoch für Erleichterung an den Märkten gesorgt. Die Kerninflation fiel mit einem Anstieg von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr vergleichsweise niedrig aus, was die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Zinserhöhung der US-Notenbank verringert. Dies könnte den Gegenwind für Aktien begrenzen und zu einer stabileren Marktumgebung führen.
Fazit

Die Preissetzungsmacht spielt eine entscheidende Rolle in der aktuellen wirtschaftlichen Landschaft, insbesondere in Zeiten steigender Energiepreise und Inflation. Unternehmen, die in der Lage sind, ihre Preise anzupassen, werden besser in der Lage sein, die Herausforderungen zu meistern, die mit diesen Entwicklungen einhergehen. Die EZB und die US-Notenbank stehen vor der Herausforderung, die Inflation zu bekämpfen, ohne das Wirtschaftswachstum zu gefährden. Investoren sollten daher die Entwicklungen genau beobachten und ihre Anlagestrategien entsprechend anpassen.
Häufige Fragen
Was ist Preissetzungsmacht?
Wie beeinflussen hohe Energiepreise die Inflation?
Was hat die EZB kürzlich beschlossen?
Welche Rolle spielen Qualitätsaktien in der aktuellen Marktsituation?
Wie wirkt sich der Iran-Konflikt auf die Energiepreise aus?
Quellen: Google News
Symbolbild: Analyse der Energiepreise und Inflation · Foto: Ekaterina Belinskaya / Pexels


