⏱ 5 Min. Lesezeit · Stand: 05.08.2026
Die Frage, ob eine Wohnung als Altersvorsorge sinnvoll ist, wird zunehmend diskutiert. Experten warnen vor Risiken, während andere die Vorteile betonen.
- Immobilien bieten langfristig moderate Renditen.
- Eigenheimbesitzer könnten im Alter vermögender sein.
- Steigende Zinsen und Kosten belasten die Immobilienfinanzierung.
Die Diskussion um die Sinnhaftigkeit von Immobilien als Altersvorsorge gewinnt zunehmend an Bedeutung. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie steigenden Zinsen und Inflation, stellt sich die Frage, ob eine Wohnung tatsächlich eine sichere Geldanlage für das Alter darstellt. Experten und Verbraucherzentralen äußern sich unterschiedlich zu diesem Thema, was zu Verwirrung bei potenziellen Käufern führt.
Was sind die aktuellen Renditen bei Immobilien?

Aktuelle Analysen zeigen, dass bei nicht kreditfinanzierten Immobilien auf lange Sicht reale Renditen von etwa 2 bis 3,5 Prozent pro Jahr nach Steuern und Kosten zu erwarten sind. Diese Zahlen stammen von Experten wie Gerd Kommer, der darauf hinweist, dass die Renditen, die in der Zeit von 2012 bis 2021 erzielt wurden, nicht als Maßstab für die Zukunft dienen können. Die Zeiten, in denen Immobilien als die goldene Geldanlage galten, scheinen vorbei zu sein.
Ein Beispiel verdeutlicht die Situation: Bei einer Jahresnettokaltmiete von 55.000 Euro und einem Kaufpreis, der dem 20-fachen der jährlichen Miete entspricht, bleiben nach Abzug der nicht umlegbaren Kosten von 11.000 Euro und einer jährlichen Zinslast von 31.500 Euro noch 12.500 Euro Gewinn übrig. Dies ergibt eine Rendite von 6,25 Prozent auf das Eigenkapital. Solche Rechnungen sind jedoch stark von den aktuellen Marktbedingungen abhängig.
Die Risiken der Immobilienanlage
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt vor den Risiken, die mit der Investition in vermietete Immobilien verbunden sind. Niels Nauhauser, ein Finanzexperte der Verbraucherzentrale, bezeichnet diese Art der Geldanlage als riskant und weist auf das hohe Klumpenrisiko hin. Das bedeutet, dass Anleger ihr gesamtes Kapital in eine einzige Immobilie investieren und somit stark von deren Wertentwicklung abhängig sind. Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, ob eine bestimmte Immobilie eine gute Rendite abwerfen wird.
Ein weiterer Aspekt, der in der Diskussion häufig übersehen wird, ist die finanzielle Belastung, die mit dem Kauf einer Immobilie einhergeht. Während der Erwerbsphase müssen Käufer in der Regel höhere monatliche Raten zahlen als Mieter, was zu Abstrichen beim Lebensstil führen kann. Diese höhere Belastung kann dazu führen, dass Käufer weniger Geld für andere Investitionen oder Rücklagen zur Verfügung haben.
Eigenheim versus Miete: Wer hat die Nase vorn?
- Reale Renditen von 2 bis 3,5 Prozent pro Jahr nach Steuern und Kosten möglich.
- Eigenheimbesitzer haben im Alter oft ein höheres Vermögen als Mieter.
- Steigende Bauzinsen verteuern die Finanzierung von Immobilien.
Ein häufiges Argument für den Kauf einer Immobilie ist die Vorstellung, dass Eigenheimbesitzer im Alter vermögender sind als Mieter. Renate Daum, eine Expertin für Altersvorsorge, bestätigt, dass es in der Praxis oft so ist, dass Eigenheimbesitzer tatsächlich ein höheres Vermögen aufweisen. Dies liegt jedoch nicht nur an der Immobilie selbst, sondern auch an den höheren Einkommen, die viele Immobilienbesitzer im Laufe ihres Lebens erzielen.
Gerd Kommer kritisiert diese Sichtweise und bezeichnet sie als eine Variante von „Lügen mit Statistik“. Er argumentiert, dass der Hauptgrund für das höhere Vermögen von Eigenheimbesitzern oft in deren Bildung und Einkommen liegt, nicht unbedingt in der Immobilienanlage selbst. Dies wirft die Frage auf, ob die Investition in Immobilien tatsächlich die beste Strategie für die Altersvorsorge ist.
Die Rolle der Zinsen und Inflation
Ein entscheidender Faktor, der die Rentabilität von Immobilien beeinflusst, sind die aktuellen Zinsen. In den letzten Jahren sind die Bauzinsen kräftig gestiegen, was die Finanzierung von Eigenheimen erheblich verteuert hat. Dies hat zur Folge, dass viele potenzielle Käufer vor der Entscheidung stehen, ob sie in eine Immobilie investieren oder alternative Anlageformen wie Aktien oder Anleihen in Betracht ziehen sollten.
Die Inflation spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Wenn die Mietrenditen auf 2 Prozent sinken, könnte dies zu einem Nullsummenspiel führen, es sei denn, die Objektpreise steigen entsprechend. In diesem Kontext wird die Investition in Immobilien oft als Wette auf steigende Preise betrachtet, was zusätzliche Unsicherheiten mit sich bringt.
Alternative Geldanlagen im Vergleich
Im Vergleich zu Immobilien haben Aktien in den letzten 100 Jahren oft die rentabelste Anlageklasse dargestellt. Während Immobilien moderate Renditen bieten, zeigen historische Daten, dass Aktien langfristig weitaus rentabler sind. Dies könnte für Anleger, die auf der Suche nach einer stabilen Altersvorsorge sind, ein wichtiger Aspekt sein.
Die Entscheidung, ob man in Immobilien oder in Aktien investieren sollte, hängt stark von den individuellen finanziellen Zielen und der Risikobereitschaft ab. Wer bereit ist, höhere Risiken einzugehen, könnte von den potenziell höheren Renditen der Aktienmärkte profitieren, während konservativere Anleger möglicherweise die Stabilität von Immobilien bevorzugen.
Fazit: Ist eine Wohnung als Altersvorsorge sinnvoll?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Frage, ob eine Wohnung als Altersvorsorge sinnvoll ist, nicht pauschal beantwortet werden kann. Die Renditen sind moderat, und die Risiken sind nicht zu unterschätzen. Während Eigenheimbesitzer im Alter oft ein höheres Vermögen aufweisen, könnte dies auch an anderen Faktoren liegen, wie etwa einem höheren Einkommen. Zudem belasten steigende Zinsen und Inflation die Rentabilität von Immobilien.
Für viele Anleger könnte es sinnvoller sein, eine diversifizierte Anlagestrategie zu verfolgen, die sowohl Immobilien als auch andere Anlageformen wie Aktien oder Anleihen umfasst. Letztendlich hängt die Entscheidung von den persönlichen finanziellen Zielen und der individuellen Risikobereitschaft ab.
Häufige Fragen
Wie hoch sind die Renditen bei Immobilien als Altersvorsorge?
Sind Immobilien eine sichere Geldanlage für das Alter?
Wie beeinflussen steigende Zinsen die Immobilienfinanzierung?
Was sind die Vorteile einer selbstgenutzten Immobilie im Alter?
Wie vergleicht sich die Vermögensbildung von Mietern und Eigentümern?
Quellen: Google News
Symbolbild: Wohnung als Altersvorsorge: Chancen und Risiken · Foto: Max Vakhtbovych / Pexels


