⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 19.08.2026
Im zweiten Quartal 2026 haben Zentralbanken weltweit 289 Tonnen Gold gekauft, was einen signifikanten Anstieg im Vergleich zum ersten Quartal darstellt. Diese Entwicklung könnte weitreichende Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben.
- Zentralbanken kaufen 289 Tonnen Gold im Q2 2026
- Polen und China führen die Käufe an
- Gold-ETFs verzeichnen Nettoabflüsse von 45 Tonnen
Im zweiten Quartal 2026 haben Zentralbanken weltweit 289 Tonnen Gold gekauft, was einen dramatischen Anstieg im Vergleich zu den lediglich 57 Tonnen im ersten Quartal darstellt. Diese Entwicklung, die im aktuellen Quartalsbericht des World Gold Council dokumentiert ist, zeigt eine klare Rückkehr zu den hohen Kaufniveaus, die in den letzten Jahren beobachtet wurden. Die Notenbanken scheinen sich in einem Kaufrausch zu befinden, während private Investoren eher zurückhaltend agieren.
Was geschah im zweiten Quartal 2026?

Die Notenbanken haben im zweiten Quartal 2026 ihre Goldkäufe erheblich ausgeweitet. Mit 289 Tonnen Goldkäufen haben sie die Nachfrage nach dem Edelmetall stark angekurbelt. Dies stellt einen Anstieg von 62,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr dar, als die Käufe bei 177,9 Tonnen lagen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Zentralbanken wieder verstärkt auf Gold setzen, um ihre Währungsreserven zu diversifizieren und sich gegen wirtschaftliche Unsicherheiten abzusichern.
Besonders auffällig ist die Rolle Polens, das im zweiten Quartal 51 Tonnen Gold erwarb und damit der größte Käufer unter den Zentralbanken war. Im ersten Halbjahr 2026 summieren sich die polnischen Käufe auf 82 Tonnen. China folgt mit 33 Tonnen und zeigt damit ebenfalls ein starkes Interesse an Gold. Diese Käufe sind Teil einer strategischen Ausrichtung, die darauf abzielt, den Goldanteil an den Währungsreserven zu erhöhen.
Die Rolle der Notenbanken im Goldmarkt
Die Notenbanken agieren als langfristige, wenig preissensitive Käufer, was bedeutet, dass ihre Käufe nicht nur kurzfristige Preisschwankungen beeinflussen, sondern auch das Angebot auf dem Markt verknappen. Diese Strategie ist besonders relevant in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten, wie sie derzeit durch hohe Inflation und geopolitische Spannungen geprägt sind. Die Käufe der Notenbanken können somit als ein Indikator für das Vertrauen in die Stabilität der eigenen Währung und der globalen Wirtschaft angesehen werden.
Die Umfrage des World Gold Council zeigt, dass 45 Prozent der befragten Zentralbanken planen, ihre Goldbestände in den kommenden zwölf Monaten weiter aufzustocken. Dies ist der höchste Wert seit Beginn dieser regelmäßigen Befragung und deutet auf eine anhaltende Nachfrage hin, die den Goldmarkt stützen könnte.
Private Investoren und Gold-ETFs
- Käufe im Q2: 289 Tonnen Gold
- Polen größter Käufer mit 51 Tonnen
- China erwirbt 33 Tonnen Gold
Im Gegensatz zu den Notenbanken zeigen private Investoren eine andere Tendenz. Im zweiten Quartal 2026 verzeichneten Gold-ETFs Nettoabflüsse von rund 45 Tonnen. Diese Abflüsse sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen, darunter schwächere Preise, höhere Inflationserwartungen und einen stärkeren Dollar. Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass viele private Anleger ihre Investitionen in Gold-ETFs überdenken und teilweise abziehen.
Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen bleibt jedoch stabil, mit 307,1 Tonnen im zweiten Quartal, was nur knapp unter dem Vorjahresniveau liegt. Dies zeigt, dass trotz der Abflüsse aus den ETFs eine gewisse Stabilität im physischen Goldmarkt besteht.
Geopolitische Einflüsse auf den Goldmarkt
Die geopolitischen Spannungen, insbesondere der Ukraine-Krieg und die damit verbundenen westlichen Sanktionen gegen Russland, haben ebenfalls Auswirkungen auf den Goldmarkt. Russland hat in den ersten fünf Monaten des Jahres 34,2 Tonnen Gold verkauft, was auf die finanziellen Belastungen durch die Sanktionen und hohe Staatsausgaben zurückzuführen ist. Diese Verkäufe könnten den Druck auf den Goldpreis erhöhen, da sie das Angebot auf dem Markt vergrößern.
Die Türkei hat im gleichen Zeitraum sogar 81 Tonnen Gold verkauft. Diese Verkäufe stehen im Kontext der wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen beide Länder konfrontiert sind, und zeigen, wie geopolitische Faktoren die Dynamik des Goldmarktes beeinflussen können.
Ausblick auf die Goldnachfrage
Der Ausblick für die Goldnachfrage bleibt trotz der Verkäufe einzelner Länder positiv. Der World Gold Council erwartet, dass die Käufe der Notenbanken in der zweiten Jahreshälfte 2026 weiterhin stark bleiben werden, auch wenn sie im Vergleich zu 2025 etwas schwächer ausfallen dürften. Die Stabilität der Nachfrage aus dem OTC-Markt und das Interesse asiatischer Käufer könnten zusätzliche Impulse für den Goldmarkt liefern.
Die Schmucknachfrage bleibt jedoch ein Sorgenkind. Im zweiten Quartal 2026 sank die weltweite Schmucknachfrage um 17 Prozent auf 278,2 Tonnen, was auf die hohen Goldpreise und den allgemeinen Inflationsdruck zurückzuführen ist. Trotz des Rückgangs in der Menge stiegen die Ausgaben für Goldschmuck um 14 Prozent auf 40 Milliarden Dollar, was zeigt, dass die Verbraucher bereit sind, für Goldschmuck mehr auszugeben, auch wenn sie weniger kaufen.
Fazit

Die Goldkäufe der Notenbanken im zweiten Quartal 2026 sind ein klares Zeichen für das Vertrauen in das Edelmetall als sicheren Hafen in unsicheren Zeiten. Während die Notenbanken ihre Bestände aufstocken, zeigen private Investoren eine zurückhaltendere Haltung, was zu Nettoabflüssen aus Gold-ETFs führt. Die geopolitischen Spannungen und die Inflation werden weiterhin eine zentrale Rolle im Goldmarkt spielen, während die Nachfrage nach physischem Gold stabil bleibt. Die kommenden Monate könnten entscheidend dafür sein, wie sich der Goldmarkt entwickeln wird und welche Rolle die Notenbanken dabei spielen werden.
Häufige Fragen
Warum kaufen Notenbanken Gold?
Wie beeinflussen Goldkäufe der Notenbanken den Markt?
Welche Länder haben im Q2 2026 am meisten Gold gekauft?
Was sind die Gründe für die Abflüsse aus Gold-ETFs?
Wie sieht die zukünftige Nachfrage nach Gold aus?
Quellen: Google News
Symbolbild: Goldkäufe der Notenbanken im Q2 2026 · Foto: Pixabay / Pexels


