⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 19.08.2026
US-ETFs gelten für deutsche Privatanleger als verbotene Frucht. Doch die Umgehung dieser Regelung bringt steuerliche Herausforderungen mit sich.
- US-ETFs sind für deutsche Privatanleger nicht regulär erhältlich.
- Die PRIIPs-Verordnung erfordert ein Basisinformationsblatt, das US-Anbieter nicht bereitstellen.
- Steuerliche und administrative Hürden machen US-ETFs für viele Anleger unattraktiv.
US-ETFs gelten unter deutschen Privatanlegern als verbotene Frucht. Diese Wahrnehmung ist nicht unbegründet, denn der Zugang zu diesen beliebten Anlageprodukten ist durch regulatorische Hürden stark eingeschränkt. Die PRIIPs-Verordnung der EU, die seit dem 1. Januar 2023 in Kraft ist, verlangt von Anbietern, dass sie ein Basisinformationsblatt für ihre Produkte bereitstellen. Da US-Anbieter in der Regel kein solches Dokument erstellen, können deutsche Broker den Kauf von US-ETFs nicht ausführen.
Was sind US-ETFs und warum sind sie so beliebt?

US-ETFs, wie der SPDR S&P 500 ETF (SPY) oder der Invesco QQQ, sind bei Anlegern weltweit beliebt, da sie eine kostengünstige Möglichkeit bieten, in große Indizes zu investieren. Diese Fonds ermöglichen es Anlegern, mit einem einzigen Kauf in eine breite Palette von Aktien zu investieren, was das Risiko streut und die Verwaltungskosten senkt. Die hohe Liquidität und die transparenten Gebührenstrukturen machen US-ETFs besonders attraktiv für Privatanleger.
Allerdings ist der Zugang zu diesen Produkten für deutsche Anleger durch die oben genannten regulatorischen Anforderungen stark eingeschränkt. Die PRIIPs-Verordnung soll sicherstellen, dass Anleger umfassende Informationen über die Risiken und Chancen ihrer Investitionen erhalten. Dies führt dazu, dass viele US-Anbieter den europäischen Markt meiden, da die Erstellung und Pflege eines Basisinformationsblattes mit erheblichem Aufwand verbunden ist.
Regulatorische Hürden für deutsche Privatanleger
Die PRIIPs-Verordnung verpflichtet Anbieter, ein Basisinformationsblatt (KID) zu erstellen, das in einer für den Anleger verständlichen Sprache verfasst ist. Dieses Dokument muss Informationen über die Risiken, Chancen und Kosten des Produkts enthalten. Da US-Anbieter in der Regel nicht bereit sind, diese Anforderungen zu erfüllen, können deutsche Privatanleger über lokale Broker keine US-ETFs erwerben.
Die Konsequenz ist, dass viele Anleger, die in US-ETFs investieren möchten, vor einer unüberwindbaren Hürde stehen. Die einzige Möglichkeit, US-ETFs zu kaufen, besteht darin, sich als professioneller Kunde einstufen zu lassen oder ein Konto bei einem Broker außerhalb der EU zu eröffnen. Beide Optionen bringen jedoch zusätzliche Herausforderungen mit sich, insbesondere in Bezug auf steuerliche Aspekte.
Steuerliche Herausforderungen beim Kauf von US-ETFs
- US-ETFs sind für deutsche Privatanleger über lokale Broker nicht kaufbar.
- Hintergrund ist die PRIIPs-Verordnung der EU, die ein Basisinformationsblatt verlangt.
- Privatanleger können US-ETFs nur durch professionelle Einstufung oder bei Brokern außerhalb der EU erwerben.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, den Anleger berücksichtigen müssen, sind die steuerlichen Implikationen beim Kauf von US-ETFs. In Deutschland unterliegen Dividenden aus US-ETFs einer Quellensteuer von 30 Prozent, die jedoch durch das Doppelbesteuerungsabkommen auf 15 Prozent reduziert werden kann, wenn der ETF in Irland domiziliert ist. Dennoch bleibt ein erheblicher Teil der Dividende beim amerikanischen Fiskus hängen, was die Rendite der Anleger schmälert.
Zusätzlich müssen Anleger, die US-ETFs halten, die Vorabpauschale erklären und nachweisen, was mit einem hohen administrativen Aufwand verbunden ist. Diese steuerlichen Hürden machen US-ETFs für viele Privatanleger unattraktiv, insbesondere im Vergleich zu deutschen UCITS-ETFs, die in der Regel einfacher zu handhaben sind.
Alternativen zu US-ETFs für deutsche Anleger
Für deutsche Anleger, die in den US-Markt investieren möchten, gibt es Alternativen zu US-ETFs. Eine Möglichkeit sind UCITS-konforme ETFs, die in Europa aufgelegt werden und die gleichen Indizes abbilden wie ihre US-Pendants. Diese Produkte unterliegen den europäischen Regulierungen und bieten den Anlegern die erforderlichen Informationen in Form von Basisinformationsblättern.
Darüber hinaus können Anleger auch in Aktien von US-Unternehmen direkt investieren, was jedoch mit höheren Risiken und einem größeren Verwaltungsaufwand verbunden ist. Eine weitere Option ist die Nutzung von Brokern außerhalb der EU, die den Handel mit US-ETFs ermöglichen, jedoch auch hier müssen Anleger die steuerlichen Implikationen und den administrativen Aufwand berücksichtigen.
Fazit: Verbotene Frucht oder cleverer Steuertrick?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass US-ETFs für deutsche Privatanleger aufgrund der PRIIPs-Verordnung als verbotene Frucht gelten. Die regulatorischen Hürden und die steuerlichen Herausforderungen machen den Kauf von US-ETFs für viele Anleger unattraktiv. Während es Möglichkeiten gibt, in US-ETFs zu investieren, sind diese oft mit erheblichen zusätzlichen Kosten und administrativem Aufwand verbunden. Daher sollten Anleger sorgfältig abwägen, ob die potenziellen Renditen die Herausforderungen rechtfertigen.
Häufige Fragen
Warum sind US-ETFs für deutsche Anleger nicht erhältlich?
Welche Möglichkeiten haben deutsche Anleger, um US-ETFs zu kaufen?
Was sind die steuerlichen Herausforderungen beim Kauf von US-ETFs?
Was ist die PRIIPs-Verordnung?
Sind US-ETFs für Privatanleger wirklich unattraktiv?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: US-ETFs: Chancen und Herausforderungen · Foto: Pixabay / Pexels


