⏱ 5 Min. Lesezeit · Stand: 02.07.2026
Trotz eines guten Einkommens und einem Eigenkapital von 200.000 Euro scheitern viele potenzielle Käufer am Traum vom Eigenheim. Hohe Nebenkosten und steigende Zinsen machen den Immobilienkauf zunehmend unattraktiv.
- Hohe Nebenkosten und Zinsen belasten Käufer.
- Eigenkapital wird zur entscheidenden Hürde.
- Familienunterstützung wird immer wichtiger.
Der Traum vom Eigenheim wird für viele Deutsche zunehmend unerreichbar. Trotz eines guten Einkommens und einem Eigenkapital von 200.000 Euro scheitern viele potenzielle Käufer am Immobilienkauf. Hohe Nebenkosten, steigende Zinsen und die Notwendigkeit, mehr Eigenkapital einzubringen, machen den Kauf unattraktiv. Diese Entwicklungen werfen Fragen auf, insbesondere im Kontext der aktuellen wirtschaftlichen Lage, die von Inflation und steigenden Zinsen geprägt ist.
Was sind die aktuellen Herausforderungen beim Immobilienkauf?

Die Anforderungen an Käufer sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Bei einem Kaufpreis von 600.000 Euro müssen Käufer in der Regel 20 Prozent Eigenkapital einbringen, was 120.000 Euro entspricht. Hinzu kommen Kaufnebenkosten wie die Grunderwerbsteuer, die in Nordrhein-Westfalen 6,5 Prozent beträgt. Bei einem Kaufpreis von 600.000 Euro sind das allein 39.000 Euro, die zusätzlich aufgebracht werden müssen.
Die Verbraucherzentrale NRW hat die monatlichen Belastungen für Käufer berechnet. Bei einem Beleihungswert von 600.000 Euro und 120.000 Euro Eigenkapital ergibt sich ein Darlehen von 480.000 Euro. Bei einer Zinsbindung von 15 Jahren und einer anfänglichen Tilgung von zwei Prozent liegt die monatliche Belastung zwischen 2360 und 2560 Euro. Bei einer Finanzierung ohne Eigenkapital würde die Monatsrate sogar zwischen 3115 und 3375 Euro liegen. Diese hohen monatlichen Belastungen schrecken viele Käufer ab, selbst wenn sie über ein gutes Einkommen verfügen.
Eigenkapital als Eintrittskarte für den Immobilienmarkt
Eigenkapital wird zunehmend zur entscheidenden Hürde für Käufer. Laut aktuellen Daten bringen Käufer im Schnitt etwa 147.000 Euro Eigenkapital in ihre Finanzierung ein. Diese Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, was darauf hindeutet, dass die Anforderungen an das Eigenkapital weiter zunehmen. Michael Voigtländer, Immobilienexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft, weist darauf hin, dass viele Haushalte im Alter zwischen 35 und 44 Jahren im Median nur über rund 22.000 Euro Finanzvermögen verfügen. Für viele ist es daher „utopisch“, die nötigen Eigenmittel für den Kauf aufzubauen.
Die Notwendigkeit, mehr Eigenkapital aufzubringen, hat auch Auswirkungen auf die Finanzierungskonditionen. Je weniger Eigenkapital Käufer einbringen, desto höher ist das Risiko für die Banken, was zu höheren Zinssätzen führt. Dies erhöht die monatlichen Belastungen zusätzlich und macht den Kauf noch unattraktiver.
Die Rolle der Nebenkosten
- Eigenkapital von 200.000 Euro reicht oft nicht aus.
- Monatliche Belastung für Immobilienkäufer liegt zwischen 2360 und 3375 Euro.
- Grunderwerbsteuer in NRW beträgt 6,5 Prozent.
Die Nebenkosten beim Immobilienkauf sind ein weiterer entscheidender Faktor. Neben der Grunderwerbsteuer müssen Käufer auch Notarkosten, Gebühren für das Grundbuch und gegebenenfalls Maklergebühren einplanen. Diese Kosten können schnell mehrere Zehntausend Euro betragen und erhöhen die Einstiegshürde für potenzielle Käufer erheblich. In vielen Fällen müssen diese Nebenkosten aus dem Eigenkapital bezahlt werden, was die finanzielle Belastung weiter erhöht.
Ein Beispiel verdeutlicht die Situation: Ein Käufer, der eine Wohnung für 600.000 Euro erwerben möchte, muss nicht nur die 120.000 Euro Eigenkapital aufbringen, sondern auch die 39.000 Euro Grunderwerbsteuer und weitere Nebenkosten. Dies kann dazu führen, dass Käufer sich entscheiden, lieber zur Miete zu wohnen und ihr Geld in andere Anlageformen zu investieren, wie etwa in Aktien oder Kryptowährungen, um ihre finanzielle Flexibilität zu bewahren.
Familienunterstützung wird immer wichtiger
In der aktuellen Interhyp-Leistbarkeitsstudie geben 34 Prozent der Kaufplaner an, dass Unterstützung durch die Familie, sei es durch Erbe oder Schenkung, eine notwendige Voraussetzung für den Kauf ist. Diese Entwicklung zeigt, wie stark die Eigentumsfrage in Deutschland zur Vermögensfrage geworden ist. Wer bereits eine Immobilie besitzt, kann oft Kapital aus dem Verkauf der bisherigen Immobilie einbringen, während Erstkäufer auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind.
Die Abhängigkeit von familiärer Unterstützung ist ein weiteres Zeichen dafür, dass der Immobilienmarkt für viele Menschen unzugänglich geworden ist. Die hohen Einstiegshürden und die Notwendigkeit, mehr Eigenkapital aufzubringen, machen es für viele junge Familien und Erstkäufer schwierig, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen.
Alternativen zum Immobilienkauf
Angesichts der hohen Kosten und der finanziellen Belastungen entscheiden sich immer mehr Menschen gegen den Kauf einer Immobilie. Stattdessen ziehen sie es vor, zur Miete zu wohnen und ihr Geld in andere Anlageformen zu investieren. Diese Entscheidung wird oft als rationaler angesehen, da die monatlichen Belastungen durch den Kauf einer Immobilie oft deutlich höher sind als die aktuellen Mietkosten.
Ein Beispiel ist Michael A., der trotz eines Eigenkapitals von 200.000 Euro und eines guten Einkommens von 4000 bis 5000 Euro monatlich den Kauf einer Wohnung aufgegeben hat. Die monatliche Rate für eine Finanzierung hätte nach seinen Berechnungen etwa 800 bis 1200 Euro mehr betragen als seine aktuelle Miete. Er entschied sich, lieber liquide zu bleiben und sein Geld am Aktienmarkt zu investieren, was ihm mehr Flexibilität bietet.
Fazit: Der Immobilienmarkt unter Druck

Die aktuellen Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt zeigen, dass selbst gutverdienende Käufer mit hohem Eigenkapital zunehmend Schwierigkeiten haben, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Hohe Nebenkosten, steigende Zinsen und die Notwendigkeit, mehr Eigenkapital aufzubringen, machen den Kauf unattraktiv. Viele entscheiden sich daher, zur Miete zu wohnen und ihr Geld in andere Anlageformen zu investieren, um finanziell flexibel zu bleiben. Die Eigentumsfrage wird zunehmend zur Vermögensfrage, und ohne familiäre Unterstützung wird der Zugang zum Immobilienmarkt für viele Menschen immer schwieriger.
Häufige Fragen
Warum scheitern Käufer trotz hohem Eigenkapital?
Wie hoch sind die monatlichen Belastungen beim Immobilienkauf?
Welche Rolle spielt die Grunderwerbsteuer?
Wie viel Eigenkapital benötigen Käufer heute?
Welche Alternativen gibt es zum Immobilienkauf?
Quellen: Google News
Symbolbild: Herausforderungen beim Immobilienkauf · Foto: Max Vakhtbovych / Pexels


