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Immobilien-Finanzierung: Der Traum scheitert oft am Eigenkapital

⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 06.06.2026

Immer weniger junge Mieterhaushalte in Deutschland können sich den Traum vom Eigenheim erfüllen. Der Hauptgrund: fehlendes Eigenkapital.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eigenkapital ist die größte Hürde beim Immobilienerwerb.
  • 39 Prozent der Mieterhaushalte haben ein ausreichendes Einkommen.
  • Die Schere zwischen Stadt und Land wird immer größer.

Der Traum vom Eigenheim wird für viele junge Menschen in Deutschland zunehmend unerreichbar. Laut dem aktuellen LBS|empirica-Erschwinglichkeitsbarometer 2026 haben nur 5,7 Prozent der Mieterhaushalte im Alter von 30 bis 44 Jahren ausreichend Eigenkapital, um sich den Erwerb einer Immobilie zu leisten. Dies stellt eine drastische Abnahme im Vergleich zu vor 15 Jahren dar, als noch fast 10 Prozent der Haushalte in dieser Altersgruppe über die nötigen Ersparnisse verfügten.

Was sind die Hauptursachen für die Eigenkapitalproblematik?

Junge Paare träumen vom Eigenheim
Symbolbild: Junge Paare träumen vom Eigenheim · Foto: Kampus Production / Pexels

Die Hauptursache für die Schwierigkeiten beim Erwerb von Wohneigentum ist das fehlende Eigenkapital. Um eine Immobilie zu finanzieren, müssen potenzielle Käufer in der Regel mindestens 20 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital aufbringen, zusätzlich zu den Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie Maklergebühren. Aktuell beläuft sich der durchschnittliche Eigenkapitalbedarf auf etwa 131.000 Euro, was im Vergleich zu 57.000 Euro im Jahr 2010 eine erhebliche Steigerung darstellt.

Die steigenden Immobilienpreise und die hohen Zinsen für Baukredite haben die Situation weiter verschärft. Während die Zinsen für Immobilienkredite seit der Zinswende 2022 über 3 Prozent liegen, sind die Kaufpreise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Diese Faktoren führen dazu, dass viele junge Haushalte trotz eines ausreichenden Einkommens nicht in der Lage sind, die erforderlichen Ersparnisse anzusparen.

Die Einkommenssituation der Mieterhaushalte

Obwohl das Eigenkapital ein großes Hindernis darstellt, zeigt die Studie auch, dass 39 Prozent der Mieterhaushalte im relevanten Alter ein ausreichend hohes Nettoeinkommen haben, um die monatlichen Kreditraten zu bedienen. Dies bedeutet, dass viele Haushalte theoretisch in der Lage wären, eine Immobilie zu finanzieren, wenn sie über das nötige Eigenkapital verfügen würden. Diese Diskrepanz zwischen Einkommen und Eigenkapital verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen viele junge Menschen stehen.

Die Einkommensschwelle wurde erst nach der Zinswende zu einem kritischen Hemmnis. In den Jahren von 2007 bis 2021 hatten stets mindestens 50 Prozent der Mieterhaushalte im relevanten Erwerbsalter ein ausreichend hohes Einkommen. Diese Zahl ist jedoch seit 2022 gesunken, als die Zinsen sprunghaft anstiegen und viele Haushalte plötzlich Schwierigkeiten hatten, die Einkommenshürde zu überwinden.

Regionale Unterschiede im Eigenkapitalbedarf

Fakten auf einen Blick

  • Nur 5,7 Prozent der 30- bis 44-Jährigen haben genug Eigenkapital.
  • Durchschnittlich 131.000 Euro Eigenkapital sind nötig, um eine Immobilie zu finanzieren.
  • In den sieben größten deutschen Städten liegt die Eigenkapitalquote bei nur 4,1 Prozent.

Die Eigenkapitalquote variiert stark zwischen den verschiedenen Regionen Deutschlands. In den Städten ist es für junge Mieterhaushalte besonders schwierig, ausreichend Eigenkapital aufzubringen. In den sieben größten deutschen Städten liegt die Eigenkapitalquote bei nur 4,1 Prozent. Im Vergleich dazu schaffen es in ländlichen Regionen 6,5 Prozent der Haushalte, die Eigenkapitalschwelle zu überwinden.

Berlin bildet mit einer Eigenkapitalquote von nur 2,1 Prozent das Schlusslicht unter den Bundesländern. Die hohe Zuwanderung in die Hauptstadt hat die Immobilienpreise so stark in die Höhe getrieben, dass immer weniger ortsansässige Mieter über die nötigen Ersparnisse verfügen. Im Gegensatz dazu haben Bundesländer wie Bremen und Niedersachsen eine etwas bessere Situation, wo zwischen 7 und 9 Prozent der Haushalte ausreichend Eigenkapital haben.

Die Auswirkungen auf die Gesellschaft

Die Schwierigkeiten beim Erwerb von Wohneigentum haben weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen. Eine Generation von jungen Menschen sieht sich gezwungen, weiterhin zur Miete zu wohnen, was langfristig zu einer erhöhten Wohnungsnot und sozialen Ungleichheit führen kann. Die Erschwinglichkeit von Wohnraum ist ein zentrales Thema, das nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen beeinflusst, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität des Landes gefährden kann.

Die Studie zeigt, dass die Schere zwischen Stadt und Land immer weiter auseinandergeht. Während in ländlichen Gebieten mehr Menschen die Möglichkeit haben, Eigentum zu erwerben, bleibt der Zugang zu Wohneigentum in städtischen Ballungsräumen stark eingeschränkt. Dies könnte langfristig zu einer Abwanderung aus den Städten führen, was wiederum die wirtschaftliche Dynamik in diesen Regionen beeinträchtigen könnte.

Politische Maßnahmen zur Verbesserung der Situation

Um die Situation für angehende Immobilienkäufer zu verbessern, sind politische Maßnahmen erforderlich. Die Studie empfiehlt, die Erwerbsnebenkosten zu senken, insbesondere die Grunderwerbsteuer, um den Einstieg in den Immobilienmarkt zu erleichtern. Zudem sollte der Staat die Eigenkapitalbildung durch Förderprogramme ankurbeln, um jungen Haushalten den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern.

Ein weiterer Ansatz könnte die Schaffung von mehr Wohnraum durch vereinfachte Baurechtsverfahren sein, um die Baukosten zu senken. Eine bessere Verfügbarkeit von Bauland könnte ebenfalls dazu beitragen, die Kaufpreise zu stabilisieren und somit den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern.

Fazit

Junge Paare träumen vom Eigenheim
Symbolbild: Junge Paare träumen vom Eigenheim · Foto: Diana ✨ / Pexels

Die Immobilien-Finanzierung in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Der Traum vom Eigenheim scheitert oft am fehlenden Eigenkapital, während viele Haushalte über ein ausreichendes Einkommen verfügen. Um die Situation zu verbessern, sind umfassende politische Maßnahmen erforderlich, die sowohl die Eigenkapitalbildung als auch die Erwerbsnebenkosten berücksichtigen. Nur so kann der Zugang zu Wohneigentum für junge Menschen in Deutschland nachhaltig gesichert werden.

Häufige Fragen

Warum scheitern viele am Eigenkapital?
Die Eigenkapitalanforderungen sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Aktuell benötigen junge Mieterhaushalte durchschnittlich 131.000 Euro, um eine Immobilie zu finanzieren.
Wie viele Haushalte können sich Wohneigentum leisten?
Nur 5,7 Prozent der 30- bis 44-Jährigen Mieterhaushalte verfügen über ausreichend Eigenkapital, um Wohneigentum zu erwerben.
Wie hat sich die Situation in den Städten entwickelt?
In den sieben größten deutschen Städten liegt die Eigenkapitalquote bei nur 4,1 Prozent, was die Situation für angehende Eigentümer erheblich erschwert.
Was sind die Hauptgründe für die steigenden Immobilienpreise?
Die steigenden Immobilienpreise sind auf eine Kombination aus hoher Nachfrage, begrenztem Angebot und gestiegenen Baukosten zurückzuführen.
Welche politischen Maßnahmen könnten helfen?
Politische Maßnahmen sollten darauf abzielen, die Erwerbsnebenkosten zu senken und die Eigenkapitalbildung durch Förderprogramme zu stärken.

Quellen: Google News

Symbolbild: Junge Paare träumen vom Eigenheim · Foto: Alena Darmel / Pexels

Stefan Wagner
Stefan Wagner
Stefan Wagner widmet sich den Themen Altersvorsorge und Versicherungen. Er erklärt verständlich, welche Vorsorgemodelle es gibt und worauf man bei langfristigen Entscheidungen achten sollte. Bei Finanz-Echo möchte er dazu beitragen, dass auch trockene Themen wie Renten- und Absicherungsfragen greifbar werden.
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