⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 28.06.2026
Die Krise der Offenen Immobilienfonds erreicht einen neuen Höhepunkt: Kanam Grund hat die geordnete Auflösung des Leading Cities Invest beschlossen, was weitreichende Folgen für Anleger und den Immobilienmarkt haben könnte.
- Kanam Grund kündigt die Verwaltung des Leading Cities Invest.
- Rund 70 Prozent der Immobilien wurden seit 2022 verkauft.
- Die Marktbedingungen für Immobilienfonds haben sich drastisch verschlechtert.
Die Krise der Offenen Immobilienfonds hat mit der Ankündigung von Kanam Grund, die Verwaltung des Leading Cities Invest zu kündigen und den Fonds geordnet aufzulösen, einen neuen Höhepunkt erreicht. Diese Entscheidung wurde am 26. Juni 2026 bekannt gegeben und hat weitreichende Konsequenzen für Anleger und den gesamten Immobilienmarkt. Die Rücknahme und Ausgabe von Anteilen wird ab dem 29. Juni 2026 endgültig eingestellt, was bedeutet, dass Anleger keine Anteile mehr zurückgeben können.
Was ist Leading Cities Invest?

Leading Cities Invest ist ein Offener Immobilienfonds, der 2013 ins Leben gerufen wurde und in Immobilien in mehreren europäischen Ländern investiert. Der Fonds hatte ursprünglich mehr als 40 Immobilien im Portfolio, doch aufgrund von anhaltenden Rückgaben und der Notwendigkeit, Anteile zu bedienen, wurde das Portfolio auf derzeit nur noch zwölf Immobilien reduziert. Diese Immobilien haben einen Gesamtwert von etwa 350 Millionen Euro, wobei etwa die Hälfte der Mieter bonitätsstarke Nutzer der öffentlichen Hand sind.
Gründe für die Auflösung des Fonds
Die Entscheidung zur Auflösung des Leading Cities Invest wurde durch mehrere Faktoren beeinflusst. Zunächst einmal haben die steigenden Zinsen seit 2022 die Finanzierungskosten für Immobilieninvestitionen erheblich erhöht. Dies führte zu einer restriktiveren Kreditvergabe und einer geringeren Investitionsbereitschaft auf den Immobilienmärkten. In der Folge sind die Transaktionsvolumina auf den europäischen Immobilienmärkten um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum langfristigen Mittel zurückgegangen.
Zusätzlich haben viele Anleger ihre Anteile an Offenen Immobilienfonds zurückgegeben, was den Druck auf den Fonds weiter erhöht hat. Trotz der seit 2024 eingeleiteten Zinssenkungen der Zentralbanken hat sich die Marktsituation nicht verbessert, was die Unsicherheit für Anleger weiter verstärkt hat.
Auswirkungen auf Anleger
- Fondsauflösung: Leading Cities Invest wird geordnet aufgelöst.
- Aktuelles Portfolio: 12 Immobilien in 5 Ländern, Gesamtwert ca. 350 Mio. EUR.
- Rücknahme von Anteilen ab 29. Juni 2026 eingestellt.
Für die Anleger des Leading Cities Invest bedeutet die Auflösung, dass sie in den kommenden Jahren auf die Auszahlung ihrer Gelder warten müssen. Die Kapitalverwaltungsgesellschaft plant, die Immobilien schrittweise zu verkaufen und die daraus resultierende Liquidität gleichmäßig an die Anleger auszuzahlen. Dies könnte jedoch mehrere Jahre in Anspruch nehmen, was für viele Anleger eine erhebliche Unsicherheit darstellt.
Die Rücknahme von Anteilen wurde bereits seit 2022 zunehmend eingeschränkt, und die aktuelle Entscheidung, die Rücknahme endgültig einzustellen, könnte das Vertrauen in Offene Immobilienfonds weiter untergraben. Anleger, die auf eine schnelle Rückzahlung ihrer Investitionen gehofft hatten, sehen sich nun mit einer langen Wartezeit konfrontiert.
Marktanalyse und Zukunftsausblick
Die Krise des Leading Cities Invest ist nicht isoliert, sondern spiegelt die Herausforderungen wider, mit denen viele Offene Immobilienfonds derzeit konfrontiert sind. Die Marktbedingungen haben sich in den letzten Jahren drastisch verschlechtert, und viele Fonds haben Schwierigkeiten, ihre Anleger zu halten. Die Abwertung von Immobilien und die Unsicherheit über zukünftige Mietverträge tragen zur Instabilität bei.
Analysten warnen, dass die anhaltende Unsicherheit auf den Immobilienmärkten auch Auswirkungen auf andere Anlageklassen haben könnte. Insbesondere könnten sicherheitsorientierte Anleger, die in Immobilienfonds investiert haben, sich zunehmend anderen Anlageformen wie Festgeld oder Anleihen zuwenden, die in der aktuellen Marktsituation attraktiver erscheinen.
Die Rolle der Bafin und regulatorische Aspekte
Die Abwicklung des Leading Cities Invest erfolgt in enger Abstimmung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Diese Aufsicht ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Interessen der Anleger während des Verkaufsprozesses gewahrt bleiben. Die Bafin hat in der Vergangenheit bereits Maßnahmen ergriffen, um die Transparenz und Stabilität von Offenen Immobilienfonds zu erhöhen, doch die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen, um die Herausforderungen zu bewältigen.
Die regulatorischen Rahmenbedingungen für Offene Immobilienfonds könnten sich in Zukunft weiter verschärfen, um Anleger besser zu schützen und die Stabilität des Marktes zu gewährleisten. Dies könnte jedoch auch dazu führen, dass Fondsmanager weniger flexibel agieren können, was die Attraktivität von Immobilienfonds als Anlageform weiter beeinträchtigen könnte.
Fazit

Die Krise des Leading Cities Invest ist ein alarmierendes Zeichen für die gesamte Branche der Offenen Immobilienfonds. Die Entscheidung zur Auflösung des Fonds und die damit verbundenen Unsicherheiten für Anleger werfen Fragen über die Zukunft dieser Anlageform auf. In einem Markt, der von steigenden Zinsen und rückläufigen Transaktionsvolumina geprägt ist, müssen Anleger sorgfältig abwägen, ob sie weiterhin in Immobilienfonds investieren möchten oder ob sie sich anderen, stabileren Anlageformen zuwenden sollten. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, um zu beobachten, wie sich der Markt entwickelt und welche Lehren aus der aktuellen Krise gezogen werden können.
Häufige Fragen
Was ist Leading Cities Invest?
Warum wird der Fonds aufgelöst?
Was passiert mit den Anlegergeldern?
Wie viele Immobilien besitzt der Fonds noch?
Welche Auswirkungen hat die Krise auf den Immobilienmarkt?
Quellen: Google News
Symbolbild: Krise der Offenen Immobilienfonds im Fokus · Foto: Jakub Zerdzicki / Pexels


