StartWirtschaft & KonjunkturMehr schuften, nichts dazuverdienen: Top-Manager fordern 35-Stunden-Woche abzuschaffen

Mehr schuften, nichts dazuverdienen: Top-Manager fordern 35-Stunden-Woche abzuschaffen

⏱ 5 Min. Lesezeit · Stand: 02.07.2026

In Deutschland fordern führende Manager eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu sichern. Dies könnte weitreichende Folgen für die Wirtschaft und die Beschäftigten haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Top-Manager fordern Abschaffung der 35-Stunden-Woche.
  • Hohe Arbeitskosten belasten die deutsche Industrie.
  • Volkswagen plant massive Stellenstreichungen.

In Deutschland wird die Diskussion um die Arbeitszeit erneut laut. Führende Manager und Ökonomen fordern eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu sichern. Diese Forderung kommt in einer Zeit, in der Unternehmen wie Volkswagen und Mercedes mit hohen Kosten und sinkenden Gewinnen kämpfen. Die Frage, die sich stellt, ist, ob die deutsche Wirtschaft sich eine 35-Stunden-Woche noch leisten kann.

Wer fordert die Abschaffung der 35-Stunden-Woche?

Manager diskutieren über Arbeitszeitmodelle
Symbolbild: Manager diskutieren über Arbeitszeitmodelle · Bild: Chiara Marra (CC BY)

Die Debatte wird von einer breiten Allianz aus Managern, Ökonomen und Politikern getragen. Lars Brzoska, der CEO des Logistikunternehmens Jungheinrich, hat die Diskussion mit klaren Worten angestoßen: „Wir müssen zurück zur 40-Stunden-Woche in der Industrie, ohne Lohnanpassung.“ Diese Aussage verdeutlicht die Dringlichkeit, mit der die Industrie auf die Herausforderungen reagiert, die durch hohe Lohnstückkosten und internationale Konkurrenz entstehen.

Brzoska ist nicht allein in seiner Meinung. Auch Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger und Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf unterstützen die Forderung nach längeren Arbeitszeiten. Wolf hat bereits seit Jahren längere Arbeitszeiten gefordert und lehnt eine Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich ab. Diese Stimmen zeigen, dass die Diskussion über die Arbeitszeit nicht nur auf betrieblicher Ebene, sondern auch auf politischer Ebene geführt wird.

Was sind die Hintergründe der Forderung?

Die Hintergründe dieser Forderung sind vielschichtig. Die Arbeitskosten in Deutschland sind im internationalen Vergleich hoch. Im Jahr 2025 kostete eine Arbeitsstunde im Durchschnitt 45 Euro, was 29 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 34,90 Euro liegt. Diese hohen Kosten belasten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie erheblich. Im verarbeitenden Gewerbe lagen die Arbeitskosten sogar bei 49,50 Euro pro Stunde, was die Situation weiter verschärft.

Zusätzlich sind die Lohnstückkosten der deutschen Industrie laut dem Institut der deutschen Wirtschaft um 22 Prozent über dem Durchschnitt von 27 Vergleichsländern und um 15 Prozent über dem Euro-Ausland. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die deutsche Industrie unter Druck steht, ihre Kosten zu senken und gleichzeitig die Produktivität zu steigern. Die Forderung nach längeren Arbeitszeiten wird daher als eine mögliche Lösung angesehen, um diese Herausforderungen zu bewältigen.

Welche Auswirkungen hat die Diskussion auf die Beschäftigten?

Fakten auf einen Blick

  • Durchschnittliche Arbeitskosten in Deutschland 2025: 45 Euro pro Stunde
  • Lohnstückkosten der deutschen Industrie 2024: 22% über dem Durchschnitt von 27 Vergleichsländern
  • Volkswagen plant den Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit

Die Diskussion um die Abschaffung der 35-Stunden-Woche hat direkte Auswirkungen auf die Beschäftigten. Gewerkschaften warnen davor, dass Produktivitätsprobleme nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer gelöst werden sollten. Die IG Metall hat bereits signalisiert, dass sie gegen eine Erhöhung der Arbeitszeit ohne entsprechende Lohnerhöhungen ist. Diese Position verdeutlicht die Spannungen zwischen den Interessen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer.

Ein weiteres Problem ist, dass die Diskussion um längere Arbeitszeiten in einem Kontext stattfindet, in dem viele Beschäftigte bereits unter Druck stehen. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust, insbesondere in der Automobilindustrie, wo Volkswagen plant, bis zu 100.000 Stellen weltweit abzubauen, verstärkt die Unsicherheit. Die Frage, ob die Beschäftigten bereit sind, mehr zu arbeiten, ohne dafür eine angemessene Entlohnung zu erhalten, bleibt offen.

Wie reagiert die Politik auf die Forderungen?

Die politische Reaktion auf die Forderungen nach längeren Arbeitszeiten ist gemischt. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich für flexiblere Arbeitszeiten ausgesprochen und kritisiert die Diskussion um eine Vier-Tage-Woche als nicht zielführend. Diese Haltung zeigt, dass die Politik die wirtschaftlichen Herausforderungen ernst nimmt, jedoch gleichzeitig die Bedenken der Arbeitnehmer nicht ignorieren kann.

Die Diskussion hat die Tarifpolitik verlassen und ist zu einer entscheidenden Standortdebatte geworden. Die Frage, ob Deutschland seine Industrie ohne längere Arbeitszeiten halten kann, wird zunehmend drängender. Die Politik steht vor der Herausforderung, einen Ausgleich zwischen den Interessen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zu finden, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern.

Was bedeutet das für die Zukunft der deutschen Wirtschaft?

Die Forderung nach der Abschaffung der 35-Stunden-Woche könnte weitreichende Folgen für die deutsche Wirtschaft haben. Wenn Unternehmen gezwungen sind, die Arbeitszeiten zu verlängern, ohne dass die Löhne steigen, könnte dies zu einer weiteren Belastung der Kaufkraft der Arbeitnehmer führen. In Zeiten von Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten könnte dies die wirtschaftliche Stabilität gefährden.

Zusätzlich könnte eine solche Maßnahme die Attraktivität des Arbeitsmarktes in Deutschland beeinträchtigen. Wenn Arbeitnehmer das Gefühl haben, dass ihre Arbeitsbedingungen sich verschlechtern, könnte dies zu einem Anstieg der Abwanderung in andere Länder führen, in denen die Arbeitsbedingungen besser sind. Die deutsche Wirtschaft könnte somit nicht nur an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, sondern auch an qualifizierten Arbeitskräften.

Fazit

Manager diskutieren über Arbeitszeitmodelle
Symbolbild: Manager diskutieren über Arbeitszeitmodelle · Bild: kplcommons (CC PDM)

Die Diskussion um die Abschaffung der 35-Stunden-Woche ist ein komplexes Thema, das sowohl wirtschaftliche als auch soziale Dimensionen hat. Während Manager und Ökonomen eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche fordern, stehen die Arbeitnehmer und Gewerkschaften dem skeptisch gegenüber. Die politischen Entscheidungsträger sind gefordert, einen Ausgleich zu finden, der sowohl die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie sichert als auch die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, wie sich diese Debatte entwickeln wird und welche Maßnahmen letztendlich ergriffen werden.

Häufige Fragen

Warum fordern Manager die Abschaffung der 35-Stunden-Woche?
Manager argumentieren, dass längere Arbeitszeiten notwendig sind, um die Produktivität zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu sichern.
Wie hoch sind die Arbeitskosten in Deutschland?
Im Jahr 2025 lagen die durchschnittlichen Arbeitskosten in Deutschland bei 45 Euro pro Stunde, was 29% über dem EU-Durchschnitt liegt.
Welche Unternehmen sind von den Forderungen betroffen?
Besonders betroffen sind große Unternehmen wie Volkswagen, Mercedes und Bosch, die mit hohen Lohnstückkosten und internationalem Wettbewerb kämpfen.
Was sind die möglichen Folgen einer längeren Arbeitszeit?
Eine längere Arbeitszeit könnte zu einer höheren Belastung der Beschäftigten führen, während gleichzeitig die Löhne nicht steigen. Dies könnte die Lebensqualität der Arbeitnehmer beeinträchtigen.
Wie reagiert die Politik auf die Forderungen der Manager?
Politiker wie Bundeskanzler Friedrich Merz unterstützen die Forderungen nach flexibleren Arbeitszeiten und kritisieren die Diskussion um eine Vier-Tage-Woche als nicht zielführend.

Quellen: Google News

Symbolbild: Manager diskutieren über Arbeitszeitmodelle · Bild: University of Michigan MSIS (CC BY)

Sebastian Stehle
Sebastian Stehlehttps://finanz-echo.de
Sebastian Stehle beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit den Aktien- und Kapitalmärkten. Bei Finanz-Echo schreibt er über Börsentrends, Unternehmenszahlen und wirtschaftliche Entwicklungen und legt dabei Wert darauf, komplexe Zusammenhänge verständlich aufzubereiten. Sein Ziel ist es, Leserinnen und Lesern eine solide Grundlage für eigene Entscheidungen zu geben – ohne reißerische Versprechen.
RELATED ARTICLES

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Most Popular