⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 11.09.2026
Nach einer Kündigung kann die Auszahlung einer Abfindung oft geringer ausfallen als erwartet. Hier erfährst du, wie du dir das Geld zurückholst und steuerliche Vorteile nutzt.
- Abfindungen sind steuerpflichtig, aber sozialversicherungsfrei.
- Die Fünftelregelung muss aktiv in der Steuererklärung beantragt werden.
- Frühzeitige Planung ist entscheidend für die finanzielle Sicherheit.
Nach einer Kündigung kann die Auszahlung einer Abfindung oft geringer ausfallen als erwartet. Dies liegt an den neuen steuerlichen Regelungen, die seit 2025 in Kraft sind. Arbeitnehmer müssen nun aktiv ihre Steuererklärung einreichen, um von der Fünftelregelung zu profitieren und sich so einen Teil der einbehaltenen Steuern zurückzuholen. In diesem Artikel erfährst du, wie du deine Abfindung steuerlich optimierst und Geld vom Finanzamt zurückholst.
Was ist eine Abfindung?

Eine Abfindung ist eine finanzielle Entschädigung, die Arbeitnehmer erhalten, wenn ihr Arbeitsverhältnis beendet wird, sei es durch Kündigung oder Aufhebungsvertrag. Diese Zahlung soll den Verlust zukünftiger Gehaltszahlungen ausgleichen und wird häufig als Anreiz für Arbeitnehmer angeboten, um eine einvernehmliche Trennung zu erreichen. Die Höhe der Abfindung ist in der Regel Verhandlungssache und kann je nach Unternehmenspolitik und individuellen Umständen variieren.
In Deutschland sind Abfindungen grundsätzlich steuerpflichtig, jedoch sozialversicherungsfrei. Das bedeutet, dass auf die Abfindung keine Beiträge zur gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung anfallen. Dies ist ein wesentlicher Vorteil für Arbeitnehmer, die eine Abfindung erhalten, da sie so einen größeren Nettobetrag erhalten können.
Die steuerlichen Änderungen seit 2025
Seit 2025 gelten neue Regelungen für Abfindungen, die sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber betreffen. Eine der bedeutendsten Änderungen betrifft die Fünftelregelung. Bis Ende 2024 konnten Arbeitgeber diese Regelung bereits beim Lohnsteuerabzug anwenden, was zu einer geringeren Steuerlast für die Arbeitnehmer führte. Diese Regelung ermöglichte es, die Abfindung steuerlich so zu behandeln, als würde sie über fünf Jahre verteilt, was die Steuerprogression abmilderte.
Ab 2025 wird die Fünftelregelung jedoch nicht mehr direkt beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Stattdessen behält der Arbeitgeber die volle Lohnsteuer ein, was bedeutet, dass Arbeitnehmer zunächst weniger Netto erhalten. Der Vorteil der Fünftelregelung muss nun über die Einkommensteuererklärung im Folgejahr geltend gemacht werden. Dies erfordert von den Arbeitnehmern eine aktive Planung und das Einreichen einer Steuererklärung, um mögliche Steuervorteile zu nutzen.
Wie holst du dir dein Geld zurück?
- Abfindung 2026: Nettoauszahlung von ca. 39.700 € nach Steuern
- Wartezeit auf Steuererstattung: 15–18 Monate
- Fünftelregelung muss über Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden
Um die Steuerermäßigung zu erhalten und bereits einbehaltene Steuern ganz oder teilweise zurückzubekommen, ist es wichtig, die Fünftelregelung in der Einkommensteuererklärung zu beantragen. Hierbei müssen in der Regel zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Der Arbeitgeber muss die Beendigung des Arbeitsverhältnisses veranlasst haben (keine reine Eigenkündigung) und es muss eine Zusammenballung von Einkünften vorliegen, also ein Zufluss von Bezügen für mehrere Jahre.
Wenn du deine Abfindung im Januar 2026 erhältst, kannst du die Steuererklärung erst Anfang 2027 abgeben. Bis die Erstattung eintrifft, vergehen oft 15 bis 18 Monate. In dieser Zeit verlierst du nicht nur die Verfügbarkeit über das Kapital, sondern erleidest auch einen realen Wertverlust durch Inflation. Bei einer angenommenen Inflation von 2,5 % und entgangenen Zinsen von 3,5 % summiert sich der reale Verlust auf über 500 Euro – Geld, das dir niemand erstattet.
Finanzielle Planung nach der Kündigung
Die finanzielle Planung nach einer Kündigung ist entscheidend, um die Auswirkungen der Abfindung optimal zu gestalten. Arbeitnehmer sollten sich frühzeitig mit den steuerlichen Auswirkungen auseinandersetzen und gegebenenfalls einen Steuerberater konsultieren. Eine korrekte Deklaration der Abfindung in der Steuererklärung ist entscheidend, um von der Fünftelregelung zu profitieren. Andernfalls könnte der Steuervorteil verloren gehen, was zu einer höheren Steuerlast führt.
Zusätzlich sollten Arbeitnehmer auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, die Abfindung in andere Vermögenswerte zu investieren, wie beispielsweise Immobilien oder Aktien. Dies kann nicht nur steuerliche Vorteile bieten, sondern auch eine langfristige finanzielle Sicherheit gewährleisten. Die aktuelle wirtschaftliche Lage, einschließlich Zinsen und Inflation, sollte dabei ebenfalls berücksichtigt werden.
Tipps zur Optimierung deiner Abfindung
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Berücksichtigung der Kirchensteuer. Arbeitnehmer sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Abfindung in der Lohnsteuerbescheinigung als Entschädigung gesondert ausgewiesen wird. Dies kann Auswirkungen auf die Kirchensteuer haben, die ebenfalls in der Steuererklärung berücksichtigt werden muss.
Fazit

Die neuen Regelungen zur Abfindung nach Kündigung bringen sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Arbeitnehmer mit sich. Während die sozialversicherungsfreie Natur der Abfindung ein Vorteil ist, erfordert die Änderung der Fünftelregelung eine aktive Planung und das Einreichen einer Steuererklärung, um Steuervorteile zu nutzen. Eine frühzeitige und umfassende Planung kann dazu beitragen, die finanziellen Folgen einer Abfindung optimal zu gestalten und sicherzustellen, dass du dir dein Geld zurückholst.
Häufige Fragen
Wie funktioniert die Fünftelregelung bei Abfindungen?
Wann kann ich meine Steuererklärung für die Abfindung einreichen?
Welche steuerlichen Vorteile habe ich bei einer Abfindung?
Wie kann ich meine finanzielle Situation nach einer Kündigung verbessern?
Was passiert, wenn ich die Fünftelregelung nicht beantrage?
Quellen: Google News
Symbolbild: Steuerliche Optimierung nach Kündigung · Foto: ANTONI SHKRABA production / Pexels


