⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 24.06.2026
Die Wiederöffnung der Straße von Hormus gibt Hoffnung auf sinkende Ölpreise, doch Experten warnen, dass die Folgen des Iran-Kriegs den Ölmarkt noch Jahre prägen könnten.
- Langsame Rückkehr zu Vorkriegsölpreisen erwartet.
- Hohe Versicherungskosten für Tanker belasten den Markt.
- Öl- und Gaspreise bleiben bis 2027 über Vorkriegsniveau.
Die Wiederöffnung der Straße von Hormus nach dem Ende des Iran-Kriegs hat die Hoffnung auf sinkende Ölpreise neu entfacht. Dennoch warnen Experten, dass die Folgen dieses Konflikts den Ölmarkt noch viele Jahre prägen könnten. Die Schätzungen deuten darauf hin, dass es bis 2027 dauern könnte, bis die Ölpreise wieder auf das Niveau vor dem Krieg zurückkehren.
Was geschah im Iran-Krieg?

Der Iran-Krieg, der Ende Februar 2026 begann, führte zu erheblichen Störungen im globalen Ölmarkt. Schätzungen zufolge gingen weltweit zwischen 1 und 1,5 Milliarden Barrel Öl verloren, was auf Förderkürzungen und unterbrochene Transportwege zurückzuführen ist. Diese massiven Angebotsverluste haben die Preise in die Höhe getrieben und die Energieversorgung in vielen Regionen, insbesondere in Asien, stark beeinträchtigt.
Die Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen transportiert wird, war während des Konflikts blockiert. Dies führte zu dramatischen Lieferengpässen und einem Anstieg der Energiepreise, was die Internationale Energieagentur dazu veranlasste, von der größten Energiekrise der Menschheit zu sprechen.
Langsame Normalisierung der Ölpreise
Obwohl die Wiederöffnung der Straße von Hormus eine positive Entwicklung darstellt, wird die Rückkehr zu den Vorkriegsölpreisen voraussichtlich Jahre in Anspruch nehmen. Rob Thummel, Senior Portfolio Manager bei Tortoise Capital, erklärt, dass die Öffnung nur der erste Schritt sei. Es könnte Jahre dauern, bis die rund 1 Milliarde Barrel an weltweiten Öllagerbeständen wieder aufgefüllt sind. Selbst wenn die Preise kurzfristig sinken, wird es lange dauern, bis sie ein stabiles Niveau erreichen.
Die aktuellen Ölpreise liegen noch immer über dem Vorkriegsniveau. Vor dem Krieg notierte die US-Sorte WTI bei etwa 67 US-Dollar pro Barrel, während die Nordseesorte Brent bei rund 72 US-Dollar lag. Mitte Juni 2026 lag Brent noch etwa 15 Prozent über diesem Niveau. Experten erwarten, dass die Preise in den kommenden Monaten zwar sinken könnten, jedoch für den Großteil des Jahres 2026 über dem Vorkriegsniveau bleiben werden.
Versicherungskosten und Sicherheitsbedenken
- Ölpreise könnten bis 2027 über Vorkriegsniveau bleiben.
- Weltweit gingen seit Kriegsbeginn 1 bis 1,5 Milliarden Barrel Öl verloren.
- Die Straße von Hormus wurde nach dem Iran-Krieg wieder geöffnet.
Ein weiterer Faktor, der die Normalisierung der Ölpreise behindert, sind die gestiegenen Versicherungskosten für Öltanker. Diese Kosten sind während des Krieges auf das Zehnfache des Vorkriegsniveaus gestiegen. Selbst nach der Beilegung des Konflikts wird es Monate dauern, bis die Versicherungssätze wieder auf ein akzeptables Niveau zurückkehren. Paul Baris, Principal bei der Lieferkettenberatung Efficio, betont, dass ein störungsfreier Verkehr in großem Maßstab notwendig ist, um die Preise zu stabilisieren.
Die Sicherheit der Schifffahrt bleibt ebenfalls ein zentrales Anliegen. Rebecca Babin, Senior Energy Trader bei CIBC Private Wealth, hebt hervor, dass es entscheidend ist, ob Tanker sicher in die Region zurückkehren können, um Ladung aufzunehmen. Widersprüchliche Signale der Konfliktparteien könnten die Normalisierung weiter verzögern.
Einfluss auf die globale Wirtschaft
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs sind bereits spürbar. Die Bundesbank und andere Wirtschaftsanalysten warnen vor einem konjunkturellen Schaden, der sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken könnte. Joachim Nagel, Präsident der Bundesbank, äußerte, dass selbst wenn die Straße von Hormus bald wieder befahrbar ist, es Monate dauern wird, bis sich das Ölangebot normalisiert und der Preisdruck steigt.
Die Inflation, die durch die hohen Energiepreise angeheizt wird, könnte die Kaufkraft der Verbraucher weiter beeinträchtigen. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, rechnet mit einem Wachstum von nur 0,6 Prozent in diesem Jahr, was die Sorgen um eine mögliche Rezession verstärkt.
Langfristige Perspektiven für den Ölmarkt
Die langfristigen Perspektiven für den Ölmarkt bleiben angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und der anhaltenden Herausforderungen durch den Iran-Krieg ungewiss. Die Commerzbank hat ihre Prognosen für die Ölpreise nach unten revidiert, erwartet jedoch, dass die Preise für den Großteil des kommenden Jahres über dem Vorkriegsniveau bleiben werden. Dies könnte auch Auswirkungen auf andere Märkte haben, einschließlich der Aktienmärkte und der Inflation.
Die Unsicherheiten im Ölmarkt könnten auch die Geldpolitik der Zentralbanken beeinflussen. Die Europäische Zentralbank könnte gezwungen sein, die Zinsen zu erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen, was wiederum Auswirkungen auf die Aktienmärkte und die allgemeine wirtschaftliche Stabilität haben könnte.
Fazit

Die Folgen des Iran-Kriegs werden den Ölmarkt noch viele Jahre prägen. Während die Wiederöffnung der Straße von Hormus Hoffnung auf sinkende Preise gibt, bleibt die Rückkehr zu stabilen Ölpreisen eine Herausforderung. Die hohen Versicherungskosten, Sicherheitsbedenken und die geopolitischen Unsicherheiten werden weiterhin eine Rolle spielen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits spürbar und könnten die Inflation und das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren beeinflussen.
Häufige Fragen
Wie lange wird es dauern, bis sich die Ölpreise normalisieren?
Was sind die Hauptursachen für die hohen Ölpreise?
Wie beeinflusst der Ölmarkt die Inflation?
Welche Rolle spielt die Straße von Hormus für den Ölmarkt?
Wie wird sich der Krieg auf die globale Wirtschaft auswirken?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Ölmarkt im Wandel nach dem Iran-Krieg · Foto: Ojas Narappanawar / Pexels


