⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 28.08.2026
Ärzte fordern eine stärkere Steuerung bei Facharztterminen, verbunden mit Anreizen für Patienten. Ein neues Primärversorgungssystem soll 2028 in Kraft treten.
- Ärztepräsident fordert klare Regeln für Patienten.
- Primärversorgungssystem soll Wartezeiten reduzieren.
- Online-gestützte Ersteinschätzung geplant.
Die Diskussion um die Steuerung von Facharztterminen in Deutschland gewinnt an Fahrt. Ärztepräsident Klaus Reinhardt hat sich klar für ein neues System ausgesprochen, das Patienten Anreize bieten soll, zuerst ihre Hausärzte aufzusuchen. Dies ist Teil eines umfassenden Reformplans, der darauf abzielt, die Effizienz im Gesundheitswesen zu steigern und die Wartezeiten für Patienten zu verkürzen.
Was ist das neue Primärversorgungssystem?

Das geplante Primärversorgungssystem sieht vor, dass Patienten in der Regel zuerst ihre Hausarztpraxis aufsuchen, bevor sie zu einem Facharzt gehen. Diese Regelung soll sicherstellen, dass die Hausärzte als erste Anlaufstelle fungieren und die Patienten bei Bedarf an Fachärzte überweisen. Reinhardt betont, dass es wichtig sei, dass die Menschen die Vorteile dieses Systems erkennen, um die Akzeptanz zu erhöhen.
Ein zentraler Bestandteil des neuen Systems ist die Einführung einer online-gestützten Ersteinschätzung von Beschwerden. Diese soll es den Patienten ermöglichen, bereits vor dem Praxisbesuch eine erste Einschätzung ihrer gesundheitlichen Probleme zu erhalten. Dadurch wird angestrebt, die Anzahl der unnötigen Arztbesuche zu reduzieren und die Patienten zielgerichteter zu versorgen.
Warum ist eine Terminsteuerung notwendig?
Die Notwendigkeit einer effektiven Terminsteuerung wird durch die hohe Anzahl der Arzt-Patienten-Kontakte in Deutschland unterstrichen. Mit 9,7 Kontakten pro Jahr liegt Deutschland europaweit an der Spitze. Gleichzeitig gibt es eine der höchsten Krankenhausbehandlungszahlen weltweit. Diese Situation führt zu einer Überlastung des Systems und langen Wartezeiten für Patienten, was die Qualität der medizinischen Versorgung beeinträchtigen kann.
Reinhardt weist darauf hin, dass die ineffiziente Struktur des deutschen Gesundheitssystems auch auf den ungeregelten Zugang zu Gesundheitsleistungen zurückzuführen ist. Ein besser organisiertes System könnte nicht nur die Wartezeiten verkürzen, sondern auch die Behandlungsqualität verbessern.
Welche Anreize sind für Patienten geplant?
- Ärztepräsident Klaus Reinhardt fordert Anreize für Patienten.
- Geplantes Primärversorgungssystem soll 2028 starten.
- Ziel: Wartezeiten verkürzen und Arzt-Patienten-Kontakte reduzieren.
Um die Patienten zur Einhaltung der neuen Regelungen zu motivieren, fordert Reinhardt spürbare Anreize. Diese könnten in Form von Vorteilen für Patienten gestaltet werden, die sich an die neuen Spielregeln halten. Beispielsweise könnten Patienten, die zuerst ihre Hausärzte aufsuchen, schneller einen Termin bei einem Facharzt erhalten oder bevorzugt behandelt werden.
Gleichzeitig wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass es Konsequenzen für Patienten geben sollte, die die Regelungen umgehen und direkt zu Fachärzten gehen. Reinhardt betont, dass diese Patienten im Zweifel mit längeren Wartezeiten rechnen müssen. Dies soll dazu beitragen, die Akzeptanz des neuen Systems zu erhöhen und die Patienten zu ermutigen, die Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle zu nutzen.
Wie wird die Umsetzung des Systems aussehen?
Die Umsetzung des neuen Primärversorgungssystems ist für das Jahr 2028 geplant. Bis dahin müssen die genauen Details und Mechanismen ausgearbeitet werden. Der Hausärzteverband fordert, dass Patienten während der regulären Praxisöffnungszeiten immer zuerst ihre Hausarztpraxis kontaktieren müssen, egal ob digital, telefonisch oder persönlich.
Die Einführung einer digitalen Ersteinschätzung wird als entscheidender Schritt angesehen, um die Patienten bereits vor dem Arztbesuch zu unterstützen. Diese Einschätzung soll standardisiert und nach medizinischen Kriterien erfolgen, um eine faire und gerechte Behandlung aller Patienten zu gewährleisten.
Was sind die Herausforderungen des neuen Systems?
Trotz der positiven Ansätze gibt es auch kritische Stimmen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat darauf hingewiesen, dass die Schuld für die ineffiziente Struktur des Gesundheitssystems nicht allein bei den Patienten liegt. Auch die Ärzte selbst tragen Verantwortung, da die Behandlungsqualität oft nicht honoriert wird, sondern die Anzahl der Arzt-Patienten-Kontakte im Vordergrund steht.
Es besteht die Gefahr, dass Patienten, die direkt zu Fachärzten gehen möchten, zusätzlich zur Kasse gebeten werden. Dies könnte zu einer Verunsicherung der Menschen führen und die Akzeptanz des neuen Systems gefährden. Daher ist es wichtig, dass die Umsetzung transparent und nachvollziehbar gestaltet wird, um das Vertrauen der Patienten zu gewinnen.
Fazit

Die geplante Einführung eines Primärversorgungssystems in Deutschland könnte einen entscheidenden Schritt in Richtung einer effizienteren Gesundheitsversorgung darstellen. Durch die stärkere Steuerung der Patientenströme und die Einführung von Anreizen für die Nutzung von Hausarztpraxen sollen Wartezeiten verkürzt und die Behandlungsqualität verbessert werden. Die Umsetzung des Systems wird jedoch Herausforderungen mit sich bringen, die es zu bewältigen gilt, um das Vertrauen der Patienten zu gewinnen und eine nachhaltige Verbesserung im Gesundheitswesen zu erreichen.
Häufige Fragen
Was ist das neue Primärversorgungssystem?
Wann tritt das neue System in Kraft?
Welche Anreize sind für Patienten geplant?
Wie wird die Terminvergabe verbessert?
Was sind die Ziele des neuen Systems?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Ärzte fordern bessere Terminsteuerung · Foto: Vitaly Gariev / Pexels


