StartGeldanlage & ETFsSparen oder Investieren: Finanzexpertin klärt auf

Sparen oder Investieren: Finanzexpertin klärt auf

⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 06.07.2026

In Zeiten steigender Inflation und niedriger Zinsen stellt sich vielen die Frage: Sparen oder investieren? Finanzexpertin Margarethe Honisch gibt klare Antworten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sparen bietet Sicherheit, aber geringe Rendite.
  • Investieren ermöglicht langfristigen Vermögensaufbau.
  • Ein Notgroschen ist für jede Finanzstrategie unerlässlich.

In der aktuellen wirtschaftlichen Lage, geprägt von steigender Inflation und niedrigen Zinsen, stehen viele Menschen vor der entscheidenden Frage: Sparen oder investieren? Finanzexpertin Margarethe Honisch gibt in einem aktuellen Interview klare Antworten und erläutert die Unterschiede zwischen diesen beiden Ansätzen der Geldanlage.

Was ist der Unterschied zwischen Sparen und Investieren?

Sparen und Investieren werden oft synonym verwendet, jedoch sind die beiden Konzepte grundlegend unterschiedlich. Sparen bedeutet, Geld auf einem sicheren Konto, wie einem Tagesgeld- oder Sparbuch, anzulegen. Der Hauptzweck besteht darin, Liquidität zu gewährleisten und kurzfristige finanzielle Sicherheit zu bieten. Im Gegensatz dazu zielt das Investieren darauf ab, Geld in Vermögenswerte zu stecken, die potenziell im Wert steigen können, wie Aktien oder Anleihen. Das Ziel des Investierens ist es, eine Rendite zu erwirtschaften und über die Jahre eine Vermögensbasis aufzubauen, die weit über die ursprüngliche Investition hinausgeht.

Margarethe Honisch erklärt, dass der entscheidende Unterschied zwischen Sparen und Investieren der Zinseszins ist. Wer investiert, erhält nicht nur Rendite auf das eingezahlte Kapital, sondern auch Rendite auf die Rendite. Dieser Mechanismus kann über 20 oder 30 Jahre den entscheidenden Unterschied in der Vermögensbildung ausmachen.

Die Rolle der Inflation in der Geldanlage

Ein wichtiger Aspekt, den Honisch anspricht, ist die Frage der Inflation. In Deutschland liegt die Inflation seit 2022 dauerhaft über 3%, während die Zinsen auf Tagesgeldkonten zwischen 2 und 3,5% schwanken. Dies bedeutet, dass Sparer real an Kaufkraft verlieren, wenn sie ihr Geld nur auf einem Tagesgeldkonto parken. Die Inflation frisst die Rendite auf, sodass das Geld nominal zwar mehr wird, aber weniger wert ist. Investieren hingegen bietet die Möglichkeit, die Inflation zu schlagen und Vermögen aufzubauen.

Historisch gesehen haben ETFs, die einen breiten Markt abbilden, eine durchschnittliche Rendite von 7-9% erzielt, was sie zu einer attraktiven Option für langfristige Anleger macht. Diese Form der Geldanlage ermöglicht es, von den Zinseszinsen über Jahrzehnte zu profitieren und somit den Wert des Vermögens zu steigern.

Der Notgroschen: Sicherheit zuerst

Fakten auf einen Blick

  • Inflation in Deutschland über 3%
  • Zinsen auf Tagesgeldkonten zwischen 2 und 3,5%
  • Durchschnittliche Rendite von ETFs: 7-9%

Bevor auch nur ein Euro investiert wird, sollte ein Sicherheitsnetz stehen. Honisch empfiehlt, drei bis sechs Nettomonatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto zu halten. Dieser Puffer verhindert, dass man in einer Krise Investitionen auflösen muss, die gerade im Minus sind. Der Notgroschen ist das Fundament jeder soliden Finanzstrategie und schützt vor unerwarteten Ausgaben, wie einem Autounfall oder einem Jobverlust.

Wer keinen finanziellen Puffer hat, riskiert, im falschen Moment verkaufen zu müssen. Ein unerwarteter Ausfall kann dazu führen, dass man auf sein Depot zugreifen muss, was in einem ungünstigen Marktumfeld zu Verlusten führen kann. Daher ist es entscheidend, zuerst einen Notgroschen aufzubauen, bevor man in den Aktienmarkt investiert.

Schulden tilgen oder investieren?

Ein weiterer wichtiger Punkt, den Honisch anspricht, ist die Frage der Schulden. Wer hochverzinste Schulden hat, sollte diese zuerst tilgen, bevor er in den Aktienmarkt investiert. Dispokredite können Zinsen von 10 bis 15% jährlich aufweisen, während die durchschnittliche Rendite von ETFs bei etwa 7% liegt. Daher ist es finanziell sinnvoller, zuerst die Schulden abzubauen, um nicht real Geld zu verlieren.

Die Reihenfolge ist wichtig: Zuerst der Notgroschen, dann die Tilgung hochverzinster Schulden und schließlich das Investieren in ETFs oder andere Anlageformen. Diese Strategie sorgt dafür, dass man finanziell abgesichert ist und gleichzeitig die Möglichkeit hat, Vermögen aufzubauen.

Praktische Tipps für den Einstieg

Für Einsteiger mit 10.000 Euro empfiehlt Honisch, einen breit gestreuten Weltmarkt-ETF zu wählen, wie etwa einen ETF auf den MSCI World oder den MSCI All Country World Index. Diese bieten eine gute Diversifikation und sind historisch bewährt. Zudem sollte man regelmäßig investieren, um von den langfristigen Marktbewegungen zu profitieren.

Die Regelmäßigkeit des Investierens ist entscheidend. Studien zeigen, dass eine Einmalanlage in rund zwei Dritteln aller historischen Zeiträume besser abschneidet als eine gestaffelte Investition. Märkte steigen langfristig, und wer früher investiert, hat länger Zeit, von den Zinseszinsen zu profitieren.

Fazit: Die richtige Balance finden

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sparen und Investieren keine Gegensätze sind, sondern sich ergänzen. Ein solider Notgroschen, die Tilgung hochverzinster Schulden und regelmäßige Investitionen in ETFs sind die Bausteine einer erfolgreichen Finanzstrategie. Wer diese Schritte befolgt, kann seine finanzielle Zukunft nachhaltig sichern und von den Vorteilen beider Ansätze profitieren.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Sparen und Investieren?
Sparen bedeutet, Geld sicher zurückzulegen, während Investieren darauf abzielt, Vermögen durch Wertpapiere langfristig zu vermehren.
Warum ist ein Notgroschen wichtig?
Ein Notgroschen schützt vor unerwarteten Ausgaben und verhindert, dass man in einem ungünstigen Marktumfeld verkaufen muss.
Wie hoch sollte der Notgroschen sein?
Experten empfehlen, drei bis sechs Nettomonatsgehälter als Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto zu halten.
Was sind ETFs und warum sind sie empfehlenswert?
ETFs sind börsengehandelte Fonds, die einen breiten Markt abbilden und historisch eine Rendite von 7-9% erzielt haben, was sie zu einer attraktiven Option für langfristige Anleger macht.
Wie beeinflusst die Inflation meine Geldanlage?
Die Inflation kann die Kaufkraft des gesparten Geldes verringern, weshalb Investieren oft notwendig ist, um die Inflation zu schlagen und Vermögen aufzubauen.
Tobias Reinhardt
Tobias Reinhardt
Tobias Reinhardt schreibt über Geldanlage, ETFs und Steuern. Er legt Wert auf einen langfristigen, kostenbewussten Blick auf das Investieren und erklärt Strategien so, dass sie auch für Einsteiger nachvollziehbar bleiben. In seinen Beiträgen geht es ihm weniger um schnelle Gewinne als um fundierte, langfristige Entscheidungen.
RELATED ARTICLES

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Most Popular