⏱ 3 Min. Lesezeit · Stand: 21.08.2026
Der Deutsche Städtetag fordert eine umfassende Reform der Pflegeversicherung zu einer Vollversicherung, um die steigenden Sozialhilfekosten zu reduzieren und die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige zu verringern.
- Städtetag fordert Pflege-Vollversicherung zur Entlastung der Kommunen.
- Sozialhilfekosten für Pflegebedürftige steigen weiter an.
- Reform der Pflegeversicherung soll im Herbst 2026 auf die Tagesordnung kommen.
Der Deutsche Städtetag hat am 21. August 2026 einen eindringlichen Appell an die Bundesregierung gerichtet, die Pflegeversicherung zu einer Vollversicherung umzubauen. Diese Reform soll sicherstellen, dass alle Pflegekosten abgedeckt werden, um zu verhindern, dass Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben, aufgrund der hohen Pflegekosten in die Sozialhilfe fallen müssen. Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) betonte, dass eine solche Umstellung für die kommunalen Haushalte eine jährliche Entlastung in Milliardenhöhe bedeuten würde.
Aktuelle Herausforderungen der Pflegeversicherung

Die derzeitige Pflegeversicherung in Deutschland deckt nur einen Teil der Kosten für Pflegebedürftige. Diese müssen oft hohe Eigenanteile für die Pflege in Heimen zahlen, die zusätzlich zu den Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen in die Einrichtungen anfallen. Laut dem Statistischen Bundesamt beliefen sich die Ausgaben für die sogenannte Hilfe zur Pflege im Jahr 2025 auf 6 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 13,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Anteil der Sozialhilfe an den Gesamtausgaben in Deutschland ist damit auf 27,8 Prozent gestiegen, was die Dringlichkeit einer Reform unterstreicht.
Finanzielle Belastungen für Kommunen und Pflegebedürftige
Die steigenden Kosten für die Pflege führen zu einer zunehmenden finanziellen Überlastung der Städte und Gemeinden. Burkhard Jung wies darauf hin, dass die Kommunen jährlich mit einem Defizit von 30 Milliarden Euro konfrontiert sind, was sie zwingt, für Pflegebedürftige einzuspringen, die ihre Heimplätze nicht mehr selbst finanzieren können. In Städten wie Leipzig sind die Kosten für die Hilfe zur Pflege innerhalb von fünf Jahren um 300 Prozent gestiegen, was die Situation für viele Betroffene dramatisch verschärft.
Reformpläne der Bundesregierung
- Ausgaben für Sozialhilfe zur Pflege: 6 Milliarden Euro im Jahr 2025
- Anstieg der Sozialhilfekosten um 13,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
- Anteil der Sozialhilfe an den Gesamtausgaben: 27,8 Prozent
Die schwarz-rote Koalition plant, die Reform der Pflegeversicherung im Herbst 2026 auf die Tagesordnung zu setzen. Der Entwurf, der von der ehemaligen Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vorgelegt wurde, sieht Maßnahmen vor, um die chronischen Milliarden-Lücken der Pflegeversicherung zu schließen. Dazu gehören Ausgabenbremsen und Mehreinnahmen, um allgemeine Beitragserhöhungen zu vermeiden. Allerdings hat Warken sich gegen eine Vollversicherung ausgesprochen, was zu Spannungen innerhalb der Koalition führt.
Vorschläge zur Begrenzung der Eigenanteile
Ein zentraler Punkt der Forderungen des Städtetags ist die Begrenzung der Eigenanteile für Heimbewohner. Jung schlägt vor, einen Deckel für die Eigenanteile einzuführen, der je nach Einkommen variieren könnte. Ein möglicher Ansatz könnte sein, Eigenanteile über 1.500 Euro im Monat von den Kassen zahlen zu lassen. Diese Maßnahme würde nicht nur die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen verringern, sondern auch die Kommunen entlasten, die zunehmend für die Pflegekosten aufkommen müssen.
Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft
Die Diskussion um die Pflege-Vollversicherung hat weitreichende Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft. Die steigenden Sozialhilfekosten belasten nicht nur die kommunalen Haushalte, sondern auch die Steuerzahler. Eine Reform, die die Pflegeversicherung zu einer Vollversicherung umwandelt, könnte langfristig zu einer stabileren finanziellen Situation führen und die soziale Absicherung für Pflegebedürftige verbessern. Dies könnte auch das Vertrauen in das Sozialsystem stärken und die Lebensqualität für viele Menschen erhöhen.
Fazit

Die Forderung des Deutschen Städtetags nach einer Pflege-Vollversicherung ist ein wichtiger Schritt, um die finanziellen Belastungen für Pflegebedürftige und Kommunen zu reduzieren. Angesichts der steigenden Sozialhilfekosten und der Herausforderungen, vor denen die Pflegeversicherung steht, ist eine umfassende Reform dringend erforderlich. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, wie die Bundesregierung auf diese Forderungen reagiert und welche Maßnahmen letztendlich umgesetzt werden.
Häufige Fragen
Was ist die Pflege-Vollversicherung?
Warum fordern die Städte eine Pflege-Vollversicherung?
Wie hoch sind die aktuellen Sozialhilfekosten für Pflegebedürftige?
Wann wird die Reform der Pflegeversicherung diskutiert?
Welche Maßnahmen sind zur Begrenzung der Eigenanteile geplant?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Pflege-Vollversicherung: Ein notwendiger Schritt? · Foto: Jsme MILA / Pexels


