⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 17.09.2026
Die Strompreise an der Börse erreichen im September 2026 Rekordhöhen, was auf steigende Gaspreise und saisonale Faktoren zurückzuführen ist. Diese Entwicklung hat weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Verbraucher.
- Strompreise steigen aufgrund höherer Gaspreise und sinkender Erzeugung.
- Abendliche Preisspitzen sind strukturell bedingt.
- Erneuerbare Energien senken die Preise tagsüber.
Im September 2026 erleben die Strompreise an der Börse einen dramatischen Anstieg, der auf mehrere Faktoren zurückzuführen ist. Der Monatsmittelpreis liegt bei 150 Euro pro Megawattstunde, was einen signifikanten Anstieg im Vergleich zu den 84 Euro pro Megawattstunde im September 2025 darstellt. Diese Entwicklung hat nicht nur Auswirkungen auf die Energieversorgung, sondern auch auf die gesamte Wirtschaft, insbesondere in Zeiten von Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten.
Ursachen der Preisspitzen

Die Hauptursache für die aktuellen Preisspitzen ist der Anstieg der Gaspreise, der durch geopolitische Spannungen, insbesondere im Zusammenhang mit der Iran-Krise, verstärkt wird. Der TTF-Frontmonat, der europäische Referenzpreis für Gas, hat sich auf etwa 80 Euro pro Megawattstunde erhöht, was einem Anstieg von rund 35 Prozent innerhalb eines Monats entspricht. Diese hohen Gaspreise wirken sich direkt auf die Strompreise aus, da Gaskraftwerke häufig die preissetzenden Kraftwerke sind, insbesondere in den Abendstunden, wenn die Nachfrage steigt und die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen abnimmt.
Zusätzlich zu den steigenden Gaspreisen gibt es saisonale Faktoren, die die Strompreise beeinflussen. Im September sinkt die Photovoltaik-Erzeugung im Vergleich zu den Sommermonaten erheblich, während die Nachfrage am Abend steigt. Dies führt zu einem strukturellen Anstieg der Preise, da die Erzeugung nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann. Windarme Tage und niedrige Flusspegel, die die Laufwasserkraft und die Kühlwasserverfügbarkeit für thermische Kraftwerke einschränken, verstärken diese Situation weiter.
Strukturelle Preisspitzen am Abend
Die Preisspitzen, die in den Abendstunden auftreten, sind ein strukturelles Problem des Strommarktes. In den Abendstunden fällt die Einspeisung aus Photovoltaik-Anlagen innerhalb von zwei bis drei Stunden von etwa 40 Gigawatt auf null, während die Last weiterhin zwischen 50 und 58 Gigawatt liegt. In diesem Zeitraum müssen Gaskraftwerke, Pumpspeicher und Batterien gleichzeitig hochgefahren werden, um die Nachfrage zu decken. Dies führt zu extremen Preisspitzen, die in den letzten Wochen Werte von bis zu 740 Euro pro Megawattstunde erreicht haben.
Ein Beispiel für diese Preisspitzen ist der 14. September 2026, an dem der Tagesmittelpreis bei 257 Euro pro Megawattstunde lag. Diese extremen Preise sind nicht nur für Verbraucher, sondern auch für Unternehmen eine Herausforderung, da sie die Produktionskosten erheblich erhöhen können. Die Differenz zwischen den Preisen am Mittag und am Abend ist ebenfalls signifikant: Im August 2026 lag der Preis zwischen 11 und 14 Uhr im Durchschnitt bei 42 Euro pro Megawattstunde, während er zwischen 18 und 21 Uhr auf 189 Euro pro Megawattstunde anstieg.
Einfluss auf die Verbraucher und die Wirtschaft
- Monatsmittel Strompreis September 2026: 150 Euro/MWh
- Gaspreis TTF-Frontmonat: 80 Euro/MWh
- Speicherfüllstand in Deutschland: 56%
Die steigenden Strompreise haben direkte Auswirkungen auf die Verbraucher, insbesondere auf diejenigen mit dynamischen Tarifen. Während Haushalte mit Festpreistarifen zunächst nicht betroffen sind, könnten die hohen Marktpreise langfristig auch zu höheren Festpreisen führen. Dies könnte die finanzielle Belastung für viele Haushalte erhöhen, insbesondere in Zeiten, in denen die Inflation bereits steigt und die Lebenshaltungskosten steigen.
Für Unternehmen bedeuten die hohen Strompreise steigende Produktionskosten, die sich negativ auf die Gewinnmargen auswirken können. Dies könnte zu einer Erhöhung der Preise für Endverbraucher führen, was wiederum die Inflation weiter anheizen könnte. Die Kombination aus steigenden Energiepreisen und Inflation stellt eine Herausforderung für die wirtschaftliche Stabilität dar und könnte das Wachstum in verschiedenen Sektoren bremsen.
Erneuerbare Energien als Preisbremsen
Trotz der aktuellen Preisspitzen spielen erneuerbare Energien eine entscheidende Rolle bei der Preisbildung auf dem Strommarkt. Ohne den Beitrag von Wind- und Solarenergie würden Gaskraftwerke durchgehend den Strompreis bestimmen. Im August 2026 haben erneuerbare Energien den Börsenstrompreis um 26 Prozent gesenkt. Dies zeigt, dass eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien nicht nur zur Reduzierung der CO2-Emissionen beiträgt, sondern auch zur Stabilisierung der Strompreise.
Die Herausforderung besteht jedoch darin, die Flexibilität im Stromnetz zu erhöhen, um die Preisspitzen am Abend zu reduzieren. Investitionen in Speichertechnologien und flexible Nachfrage sind notwendig, um die günstigen Preise während des Tages zu nutzen und diese in die Abendstunden zu verschieben. Politische Maßnahmen, die diese Investitionen unterstützen, sind entscheidend, um die Stabilität des Strommarktes langfristig zu gewährleisten.
Fazit

Die aktuellen Preisspitzen an der Strombörse sind das Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung zwischen steigenden Gaspreisen, saisonalen Veränderungen in der Energieerzeugung und strukturellen Herausforderungen im Stromnetz. Diese Entwicklungen haben weitreichende Auswirkungen auf die Verbraucher und die Wirtschaft, insbesondere in Zeiten von Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten. Um die Stabilität des Strommarktes zu gewährleisten, sind Investitionen in erneuerbare Energien und Speichertechnologien unerlässlich.
Häufige Fragen
Was sind die Hauptursachen für die aktuellen Strompreisspitzen?
Wie hoch sind die aktuellen Strompreise an der Börse?
Welche Rolle spielen erneuerbare Energien bei der Preisbildung?
Wie beeinflussen die hohen Strompreise die Verbraucher?
Was sind die wirtschaftlichen Folgen der steigenden Strompreise?
Quellen: Google News
Symbolbild: Strompreisspitzen und ihre Ursachen · Foto: Rafael Minguet Delgado / Pexels


