⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 15.06.2026
Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, mahnt, dass das Potenzial des österreichischen Kapitalmarkts ungenutzt bleibt. Trotz steigender Umsätze und wachsender Anzahl an Wertpapierbesitzern fehlen entscheidende Maßnahmen zur Aktivierung des Marktes.
- Wiener Börse verzeichnete 2025 Umsatzsteigerung auf 90,1 Mio. Euro.
- Aktienumsätze stiegen auf 84 Mrd. Euro.
- 31% der Österreicher investieren in Wertpapiere.
Christoph Boschan, der CEO der Wiener Börse, hat erneut auf das ungenutzte Potenzial des österreichischen Kapitalmarkts hingewiesen. Trotz eines Anstiegs der Umsätze und einer wachsenden Anzahl von Wertpapierbesitzern bleibt der Markt hinter seinen Möglichkeiten zurück. In einer Pressekonferenz äußerte Boschan, dass es dringend notwendige Maßnahmen gebe, um den heimischen Kapitalmarkt zu aktivieren und zu stärken.
Was ist das Potenzial des Kapitalmarkts?

Das Potenzial des Kapitalmarkts bezieht sich auf die Fähigkeit, Kapital zu mobilisieren und Investitionen zu fördern, die für das Wirtschaftswachstum entscheidend sind. In Österreich sind die Rahmenbedingungen jedoch suboptimal. Boschan betont, dass es an der Zeit sei, nationale Kapitalsammelstellen zu schaffen, um privates Kapital in den Markt zu bringen. Dies sei in vielen anderen europäischen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt worden, während Österreich in dieser Hinsicht hinterherhinkt.
Ein weiterer Aspekt, den Boschan anspricht, ist die Notwendigkeit einer stärkeren Verknüpfung des Kapitalmarkts mit dem Pensionssystem. In Ländern wie Schweden oder Norwegen gibt es bereits Modelle, die als Vorbilder dienen können. Diese Länder haben es geschafft, ihre Pensionssysteme durch eine aktive Kapitalmarktpolitik zu stärken, was in Österreich noch nicht der Fall ist.
Aktuelle Entwicklungen an der Wiener Börse
Die Wiener Börse hat im Jahr 2025 einen Umsatz von 90,1 Millionen Euro erzielt, was einen Anstieg im Vergleich zu 81,8 Millionen Euro im Vorjahr darstellt. Auch die Aktienumsätze sind gestiegen, von 74 Milliarden Euro auf 84 Milliarden Euro. Diese Zahlen zeigen, dass trotz der Herausforderungen ein gewisses Wachstum vorhanden ist. Boschan sieht jedoch die Notwendigkeit, dieses Wachstum durch gezielte Maßnahmen weiter zu fördern.
Ein zentrales Anliegen ist die Einführung eines ‚Auto-Enrollment‘-Systems für die betriebliche Altersvorsorge. Dieses Modell würde eine automatische Anmeldung für Arbeitnehmer in Pensionssysteme ermöglichen und könnte dazu beitragen, die private Vorsorge zu stärken. In vielen anderen Ländern ist dies bereits Standard und hat sich als erfolgreich erwiesen.
Steuerliche Rahmenbedingungen und ihre Auswirkungen
- Umsatz der Wiener Börse 2025: 90,1 Mio. Euro
- Aktienumsätze stiegen von 74 auf 84 Mrd. Euro
- 31% der Österreicher besitzen Wertpapiere
Ein weiterer kritischer Punkt, den Boschan anspricht, ist die hohe Besteuerung von Aktiengewinnen in Österreich. Mit über 50 Prozent Steuerlast auf Kapitalerträge gehört Österreich zu den Ländern mit den höchsten Belastungen in Europa. Diese steuerlichen Rahmenbedingungen wirken sich negativ auf die Bereitschaft der Anleger aus, in den Kapitalmarkt zu investieren. Boschan fordert daher eine Reform der Kapitalertragsteuer, um Anreize für langfristige Investitionen zu schaffen.
Die steuerliche Benachteiligung von Aktienanlagen im Vergleich zu anderen Anlageformen führt dazu, dass viele Österreicher ihr Geld lieber auf niedrigverzinsten Konten parken, anstatt es in den Kapitalmarkt zu investieren. Laut aktuellen Daten der OeNB halten rund 345 Milliarden Euro der privaten Finanzvermögen der Österreicher auf solchen Konten, was die Kaufkraft kontinuierlich verringert.
Wachstum der Aktienkultur in Österreich
Trotz der Herausforderungen zeigt das aktuelle Aktienbarometer, dass 31 Prozent der österreichischen Bevölkerung in Wertpapiere investiert sind. Dies entspricht einem Anstieg von einem Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr. Boschan sieht hierin ein positives Signal, das jedoch nicht über die strukturellen Probleme hinwegtäuschen darf. Die wachsende Zahl von Wertpapierbesitzern zeigt ein steigendes Interesse am Kapitalmarkt, doch die tatsächlichen Investitionen bleiben hinter den Möglichkeiten zurück.
Die Wiener Börse hat verschiedene Initiativen gestartet, um das Bewusstsein für den Kapitalmarkt zu schärfen und insbesondere junge Menschen zu ermutigen, sich mit Aktienanlagen auseinanderzusetzen. Diese Kampagnen sind notwendig, um eine breitere Kapitalmarktkultur zu fördern und das Potenzial des Marktes auszuschöpfen.
Fazit: Handlungsbedarf für den Kapitalmarkt

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der österreichische Kapitalmarkt trotz positiver Entwicklungen weiterhin ungenutzt bleibt. Christoph Boschan fordert dringend Maßnahmen, um das Potenzial zu aktivieren und die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern. Die Schaffung nationaler Kapitalsammelstellen, die Reform der Kapitalertragsteuer und die Einführung eines ‚Auto-Enrollment‘-Systems sind nur einige der Schritte, die notwendig sind, um den Kapitalmarkt in Österreich zu stärken. Ohne diese Maßnahmen wird Österreich weiterhin hinter den Möglichkeiten zurückbleiben und das Wachstumspotenzial nicht ausschöpfen können.
Häufige Fragen
Was sind die aktuellen Herausforderungen des Kapitalmarkts in Österreich?
Wie hat sich der Umsatz der Wiener Börse entwickelt?
Wie viele Österreicher investieren in Wertpapiere?
Welche Maßnahmen fordert der CEO der Wiener Börse?
Warum ist die Kapitalmarktentwicklung wichtig für die Wirtschaft?
Quellen: Google News
Symbolbild: Kapitalmarkt Potenzial in Österreich · Foto: Pixabay / Pexels


