StartWirtschaft & KonjunkturWifo-Chef: „Kein gutes Regime“ - Strompreise steigen weiter

Wifo-Chef: „Kein gutes Regime“ – Strompreise steigen weiter

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⏱ 5 Min. Lesezeit · Stand: 13.09.2026

Die steigenden Strompreise in Österreich sind ein zentrales Thema, das Wifo-Chef Gabriel Felbermayr als „kein gutes Regime“ bezeichnet. Er fordert grundlegende Reformen im Energiesektor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wifo-Chef warnt vor steigenden Energiepreisen.
  • Merit-Order-Prinzip treibt Strompreise in die Höhe.
  • Inflation wird voraussichtlich über 3% steigen.

Die Diskussion um die steigenden Strompreise in Österreich hat in den letzten Wochen an Intensität gewonnen. Gabriel Felbermayr, der Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), äußerte sich in der ORF-Pressestunde besorgt über die aktuelle Entwicklung und bezeichnete das bestehende System als „kein gutes Regime“. Die Ursachen für die steigenden Preise sind vielfältig und hängen eng mit den aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zusammen.

Was sind die Ursachen für die steigenden Strompreise?

Steigende Strompreise und ihre Auswirkungen
Symbolbild: Steigende Strompreise und ihre Auswirkungen · Foto: RDNE Stock project / Pexels

Die Hauptursache für die steigenden Strompreise ist das Merit-Order-Prinzip, das in Österreich und vielen anderen europäischen Ländern zur Anwendung kommt. Dieses Prinzip besagt, dass der Preis für Strom auf dem Großhandelsmarkt durch die teuersten Kraftwerke bestimmt wird, die zur Deckung des Bedarfs eingesetzt werden. In der aktuellen Situation sind dies häufig Gaskraftwerke, deren Preise stark von den internationalen Gaspreisen abhängen. Felbermayr kritisierte, dass etwa die Hälfte der Stromjahresstunden durch den Gaspreis festgelegt wird, was zu einer ungewollten Abhängigkeit führt.

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Aktuelle Daten zeigen, dass der Gaspreis für die Megawattstunde wieder auf über 80 Euro gestiegen ist. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Strompreise, die im September 2026 einen Indexwert von 147,17 Euro pro Megawattstunde erreicht haben, was einem Anstieg von 68,12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese Entwicklungen sind nicht nur für die Verbraucher, sondern auch für die gesamte Wirtschaft alarmierend, da sie die Inflation weiter anheizen.

Wie beeinflussen steigende Energiepreise die Inflation?

Die Inflation in Österreich wird derzeit auf 3,0 Prozent geschätzt, wobei Experten wie Felbermayr eine weitere Erhöhung erwarten. Die steigenden Energiepreise sind ein wesentlicher Faktor, der zu dieser Entwicklung beiträgt. Höhere Kosten für Strom und Gas führen zu steigenden Produktions- und Transportkosten, die letztlich auf die Verbraucherpreise umgelegt werden. Dies betrifft nicht nur die Energiekosten, sondern auch die Preise für Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs.

Die Nationalbank (OeNB) hat ihre Inflationsprognose bereits von 3,2 auf 3,0 Prozent gesenkt, während das Wifo eine Erhöhung der Inflationsrate für das Gesamtjahr prognostiziert. Felbermayr betonte, dass die Teuerung im Jahresverlauf sicher über dem aktuellen Niveau liegen wird, was die Kaufkraft der Verbraucher weiter belasten könnte.

Die Rolle der Gasspeicher und Versorgungssicherheit

Fakten auf einen Blick

  • Inflationsprognose: 3,0% für 2026
  • Wirtschaftswachstum: 0,9% für 2026
  • Gaspreis: über 80 Euro/MWh
  • Strompreisindex: 147,17 Euro/MWh
  • Gasspeicher in Österreich: 67% voll

Ein weiterer Aspekt, der in der Diskussion um die Energiepreise oft vernachlässigt wird, ist die Versorgungssicherheit. Trotz der steigenden Preise sind die Gasspeicher in Österreich derzeit zu 67 Prozent gefüllt, was für die bevorstehenden Wintermonate eine gewisse Sicherheit bietet. Experten sehen die Versorgungssicherheit als gegeben an, auch wenn die Preise weiterhin steigen. Felbermayr wies jedoch darauf hin, dass es aufgrund der Preisentwicklung schwierig gewesen sei, mehr Gas einzuspeichern.

Die aktuelle Situation zeigt, dass die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und insbesondere von Gas aus dem Ausland ein großes Risiko für die heimische Wirtschaft darstellt. Eine Diversifizierung der Energiequellen und ein verstärkter Ausbau erneuerbarer Energien sind dringend erforderlich, um die Abhängigkeit von volatilen internationalen Märkten zu verringern.

Reformbedarf im Energiesektor

Felbermayr fordert grundlegende Reformen im Energiesektor, um die Abhängigkeit von Gaspreisen zu reduzieren. Er spricht sich dafür aus, das Merit-Order-Prinzip zu überdenken und die Strompreise von den Gaspreisen abzukoppeln. Dies würde bedeuten, dass die Preise für erneuerbare Energien nicht mehr durch die Kosten fossiler Brennstoffe beeinflusst werden. Solche Reformen könnten dazu beitragen, die Strompreise langfristig zu stabilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie zu sichern.

Zusätzlich fordert Felbermayr eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters von 65 auf 67 Jahre, um die finanziellen Belastungen des Pensionssystems zu verringern. Dies könnte auch dazu beitragen, die Sozialversicherungsbeiträge zu erhöhen und somit die Pensionskassen zu stärken. Ein solches Vorgehen würde nicht nur die finanzielle Stabilität des Pensionssystems fördern, sondern auch die Arbeitsmarktsituation verbessern.

Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Die steigenden Energiepreise und die damit verbundene Inflation haben auch Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Investoren beobachten die Entwicklungen genau, da steigende Preise für Energie und Rohstoffe oft zu einer Erhöhung der Zinssätze führen können. Dies könnte sich negativ auf die Aktienmärkte auswirken, insbesondere auf Unternehmen, die stark von Energiepreisen abhängig sind.

Darüber hinaus könnte die Unsicherheit auf den Märkten auch die Nachfrage nach alternativen Anlagen wie Bitcoin und Gold erhöhen. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit suchen viele Anleger nach sicheren Häfen, was zu einem Anstieg der Preise für Edelmetalle führen könnte. Die aktuelle Situation könnte somit auch langfristige Auswirkungen auf die Anlagestrategien der Investoren haben.

Fazit

Steigende Strompreise und ihre Auswirkungen
Symbolbild: Steigende Strompreise und ihre Auswirkungen · Foto: Markus Winkler / Pexels

Die steigenden Strompreise in Österreich sind ein komplexes Problem, das durch geopolitische Spannungen, das Merit-Order-Prinzip und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verstärkt wird. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr fordert dringend Reformen im Energiesektor, um die Abhängigkeit von Gaspreisen zu reduzieren und die Inflation zu bekämpfen. Die Entwicklungen auf dem Energiemarkt haben nicht nur Auswirkungen auf die Verbraucher, sondern auch auf die gesamte Wirtschaft und die Finanzmärkte. Es bleibt abzuwarten, wie die Politik auf diese Herausforderungen reagieren wird.

Häufige Fragen

Was ist das Merit-Order-Prinzip?
Das Merit-Order-Prinzip beschreibt, wie die Strompreise auf dem Großhandelsmarkt festgelegt werden, wobei die teuersten Kraftwerke den Preis bestimmen.
Wie beeinflussen steigende Energiepreise die Inflation?
Steigende Energiepreise führen zu höheren Produktions- und Transportkosten, was sich direkt auf die Verbraucherpreise auswirkt und die Inflation antreibt.
Was sind die aktuellen Gaspreise in Österreich?
Die Gaspreise haben die Marke von 80 Euro pro Megawattstunde überschritten, was zu höheren Strompreisen führt.
Wie voll sind die Gasspeicher in Österreich?
Die Gasspeicher in Österreich sind derzeit zu 67% gefüllt, was für die Versorgungssicherheit im Winter sorgt.
Welche Reformen fordert Wifo-Chef Felbermayr?
Felbermayr fordert eine Abkopplung der Strompreise vom Gaspreis und eine Anpassung des Pensionsantrittsalters.

Quellen: Google News

Symbolbild: Steigende Strompreise und ihre Auswirkungen · Foto: Rafael Minguet Delgado / Pexels

Stefan Wagner
Stefan Wagner
Stefan Wagner widmet sich den Themen Altersvorsorge und Versicherungen. Er erklärt verständlich, welche Vorsorgemodelle es gibt und worauf man bei langfristigen Entscheidungen achten sollte. Bei Finanz-Echo möchte er dazu beitragen, dass auch trockene Themen wie Renten- und Absicherungsfragen greifbar werden.
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