⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 10.06.2026
Trotz eines Überangebots an Windstrom in Schleswig-Holstein müssen Verbraucher hohe Strompreise zahlen. Ein neues Konzept soll dies ändern.
- Schleswig-Holstein und Hamburg wollen eigene Strompreiszone.
- Ziel: Senkung der Strompreise durch regionale Nutzung von Windstrom.
- EU-Behörden prüfen die Machbarkeit des Plans.
Trotz eines Überangebots an Windstrom in Schleswig-Holstein müssen Verbraucher hohe Strompreise zahlen. Dies ist ein zentrales Problem, das die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein (IHK) nun angehen möchte. In Brüssel wurde ein Konzept vorgestellt, das die Bildung einer eigenen Strompreiszone für Schleswig-Holstein und Hamburg vorsieht. Ziel ist es, die Strompreise zu senken und die regionale Nutzung von Windstrom zu fördern.
Was sind die Hintergründe der hohen Strompreise?

Deutschland hat im Vergleich zu anderen EU-Staaten die höchsten Strompreise. Im ersten Halbjahr 2025 mussten Privathaushalte durchschnittlich rund 38 Cent pro Kilowattstunde (kWh) zahlen. Diese hohen Preise sind vor allem auf das einheitliche Strommarktsystem zurückzuführen, das sich am teuersten zu produzierenden Strom orientiert. Das sogenannte Merit-Order-Prinzip sorgt dafür, dass der Preis für alle Verbraucher gleich bleibt, unabhängig davon, woher der Strom stammt. Dies bedeutet, dass selbst wenn in Schleswig-Holstein viel günstiger Windstrom produziert wird, die Preise nicht sinken, solange teurere Kraftwerke zur Deckung des Bedarfs herangezogen werden müssen.
Das Konzept der IHK Schleswig-Holstein
Die IHK hat in Brüssel ein Konzept vorgestellt, das die Aufteilung der einheitlichen Preiszone in mehrere kleinere Zonen vorsieht. Schleswig-Holstein und Hamburg sollen gemeinsam mit den dänischen Regionen Jütland und Fünen eine eigene Strompreiszone bilden. Diese neue Zone würde es ermöglichen, den lokal produzierten Windstrom effizienter zu nutzen und die Preise stabiler zu gestalten. Laut Analysen des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft könnte dieses Konzept zu günstigeren und stabileren Strompreisen führen.
Wie könnte die Umsetzung aussehen?
Die technische Umsetzung des Plans könnte bereits bis 2030 erfolgen. Die IHK argumentiert, dass eine solche deutsch-dänische Energiezone die europapolitischen Spielregeln optimal ausnutzen würde. Die Idee ist, dass der Großhandel in dieser neuen Zone Energiemengen zu einem einheitlichen Preis einkaufen kann, der viertelstündlich schwankt, aber innerhalb der Zone gleich bleibt. Dies würde den Strommarkt stabilisieren und die Abhängigkeit von teuren Importen verringern.
Reaktionen aus der Politik
- Strompreise in Deutschland gehören zu den höchsten in der EU.
- Schleswig-Holstein plant eine eigene Strompreiszone mit Dänemark.
- Die Umsetzung könnte bis 2030 erfolgen.
Die schleswig-holsteinische Landesregierung unterstützt die Idee einer Teilung der Strompreiszone. Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) und Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) haben sich in Brüssel für das Konzept ausgesprochen. Allerdings gibt es auch Widerstand, insbesondere von den süddeutschen Bundesländern, die Wettbewerbsnachteile befürchten. Im Koalitionsvertrag haben CDU und SPD bereits festgelegt, dass sie an einer einheitlichen Strompreiszone festhalten wollen.
Die Rolle der EU
Die EU-Behörden prüfen derzeit, ob die Vorschläge der IHK ausreichen, um eine Teilung der deutschen Strompreiszone zu verhindern. Der Druck vonseiten der EU könnte dazu führen, dass die Bundesregierung ihre Haltung überdenkt. Die IHK sieht in der Bildung einer eigenen Strompreiszone eine Möglichkeit, die Energiewende voranzutreiben und die industrielle Wertschöpfung in der Region zu stärken.
Wirtschaftliche Auswirkungen
Die hohen Strompreise haben nicht nur Auswirkungen auf die Privathaushalte, sondern auch auf die gesamte Wirtschaft. Unternehmen, die auf günstige Energiepreise angewiesen sind, sehen sich durch die hohen Kosten unter Druck gesetzt. Eine Senkung der Strompreise könnte die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie stärken und neue wirtschaftliche Aktivitäten in der Region fördern. Zudem könnte die Nutzung von lokal produziertem Windstrom die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern und die Energiewende beschleunigen.
Fazit

Die Initiative von Schleswig-Holstein und Hamburg zur Bildung einer eigenen Strompreiszone könnte ein entscheidender Schritt zur Senkung der hohen Strompreise in Deutschland sein. Durch die effizientere Nutzung von Windstrom und die Schaffung stabilerer Preise könnte die Region nicht nur von den Vorteilen der erneuerbaren Energien profitieren, sondern auch ihre wirtschaftliche Situation verbessern. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die politischen und regulatorischen Hürden überwunden werden können, um dieses Konzept in die Tat umzusetzen.
Häufige Fragen
Warum sind die Strompreise in Deutschland so hoch?
Was plant Schleswig-Holstein zur Senkung der Strompreise?
Wann könnte die neue Strompreiszone in Kraft treten?
Wie beeinflusst der Strompreis die Wirtschaft?
Was sind die Vorteile einer eigenen Strompreiszone?
Quellen: Google News
Symbolbild: Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein · Foto: gervee / Pexels


