⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 04.08.2026
Der Erschwinglichkeitsindex für Wohneigentum stagnierte im Juli 2026 bei 103 Punkten. Trotz steigender Einkommen bleibt die Finanzierung von Eigenheimen eine Herausforderung.
- Erschwinglichkeitsindex bleibt stabil bei 103 Punkten.
- Bauzinsen überschreiten 4 Prozent.
- Metropolen zeigen die niedrigsten Erschwinglichkeitswerte.
Der Erschwinglichkeitsindex für Wohneigentum hat im Juli 2026 mit 103 Punkten einen stabilen Stand erreicht. Dies bedeutet, dass der Erwerb eines Einfamilienhauses im Bundesdurchschnitt als knapp erschwinglich gilt. Trotz steigender Einkommen, die eine gewisse Entlastung bieten, bleibt die Situation auf dem Immobilienmarkt angespannt. Die stagnierenden Werte des Index zeigen, dass die Erholung nach dem Einbruch im Immobilienmarkt vorerst zum Stillstand gekommen ist.
Was ist der Erschwinglichkeitsindex?

Der Erschwinglichkeitsindex ist ein Maßstab, der die monatliche Kreditrate für ein Eigenheim in Relation zum Nettoeinkommen eines Modellhaushalts setzt. Ein Indexwert von 100 zeigt an, dass ein Haushalt maximal 35 Prozent seines verfügbaren Einkommens für die Finanzierung eines Eigenheims aufbringen sollte. Werte über 100 deuten auf eine bessere Erschwinglichkeit hin, während Werte darunter eine schlechtere Leistbarkeit signalisieren. Aktuell liegt der Index bei 103 Punkten, was bedeutet, dass die Bedingungen für den Erwerb von Wohneigentum im Vergleich zu den Vorjahren stabil geblieben sind.
Einfluss der Bauzinsen auf die Erschwinglichkeit
Ein wesentlicher Faktor für die stagnierende Erschwinglichkeit sind die Finanzierungskosten. Laut Daten des Finanzdienstleisters Europace haben die Bauzinsen im Juni 2026 die Marke von 4 Prozent überschritten. Für Kredite mit einer Zinsbindung von fünf Jahren wurden 4,10 Prozent fällig, während der Satz für zehn Jahre bei 4,08 Prozent lag. Längerfristige Finanzierungen über 15 Jahre kosteten 4,44 Prozent, und für 20 Jahre wurden 4,54 Prozent berechnet. Diese Zinsen stellen einen Anstieg von 0,06 Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat und einen Zuwachs von 0,28 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr dar.
Die höheren Bauzinsen führen dazu, dass viele potenzielle Käufer Schwierigkeiten haben, die monatlichen Raten zu stemmen. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Erschwinglichkeit von Wohneigentum, insbesondere in den großen Metropolen, wo die Belastung für viele Haushalte bis zu 43 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens ausmacht. In den Top-7-Städten liegt der Index bei 80 Punkten, was die Situation für Käufer weiter verschärft.
Regionale Unterschiede in der Erschwinglichkeit
- Erschwinglichkeitsindex: 103 Punkte
- Bauzinsen über 4 Prozent
- Indexwert in Metropolen: 80 Punkte
Die Erschwinglichkeit von Wohneigentum variiert stark zwischen den verschiedenen Regionen Deutschlands. Während in den großen Metropolen wie Berlin, Hamburg und München die Werte bei 85 bis 90 Punkten liegen, zeigen ländliche Regionen deutlich höhere Erschwinglichkeitswerte. Schleswig-Holstein und das Saarland weisen mit jeweils 141 Punkten die höchsten Werte auf, was bedeutet, dass Käufer dort nur einen geringen Teil ihres Einkommens für die Finanzierung aufbringen müssen.
In den Metropolen hingegen ist die Situation angespannt. Stuttgart hat mit 92 Punkten den günstigsten Wert unter den großen Städten, gefolgt von Hamburg mit 90 Punkten und Berlin mit 85 Punkten. Diese Werte verdeutlichen, dass der Erwerb eines Eigenheims in städtischen Gebieten für viele Haushalte unerschwinglich bleibt, was die Nachfrage nach Immobilien in ländlichen Regionen anheizt.
Die Rolle der Einkommen und Kaufpreise
Obwohl die Einkommen in den letzten Jahren gestiegen sind, konnten sie die höheren Kaufpreise und Bauzinsen nicht vollständig ausgleichen. Die Erschwinglichkeit bleibt somit ein zentrales Thema auf dem Immobilienmarkt. Die Erholung nach dem Tiefpunkt im November 2022 hat sich nicht fortgesetzt, und der Index bewegt sich seit Anfang 2025 in einer engen Spanne zwischen 103 und 107 Punkten.
Die Studienautoren des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sehen kurzfristig keine grundlegende Entspannung in der Situation. Höhere Kaufpreise werden vielfach durch die steigenden Finanzierungskosten aufgezehrt. Zudem kommen zusätzliche Kosten wie Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie mögliche Maklerprovisionen, die häufig aus Eigenmitteln bezahlt werden müssen. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass viele Haushalte von einer Investition in Wohneigentum abgehalten werden.
Politische Maßnahmen zur Verbesserung der Situation
Um die Erschwinglichkeit von Wohneigentum zu verbessern, könnten verschiedene politische Maßnahmen ergriffen werden. Das IW nennt als mögliche Hebel geringere Erwerbsnebenkosten, eine bessere steuerliche Behandlung selbst genutzten Wohneigentums sowie staatliche Bürgschaftsmodelle. Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, die finanzielle Belastung für Käufer zu reduzieren und den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern.
Die Diskussion um die Erschwinglichkeit von Wohneigentum ist auch vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage relevant. Die Unsicherheiten auf den Märkten, die Inflation und die Entwicklung der Zinsen haben direkte Auswirkungen auf die Kaufkraft der Verbraucher und somit auf die Immobilienpreise. In einem Umfeld steigender Zinsen und Inflation bleibt die Frage, wie sich die Erschwinglichkeit von Wohneigentum in Zukunft entwickeln wird.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Erschwinglichkeitsindex für Wohneigentum im Juli 2026 bei 103 Punkten stagniert. Trotz steigender Einkommen bleibt die Finanzierung von Eigenheimen eine Herausforderung, insbesondere in den großen Metropolen. Die hohen Bauzinsen und Kaufpreise stellen eine Hürde für viele potenzielle Käufer dar. Politische Maßnahmen könnten helfen, die Situation zu verbessern, doch kurzfristig ist keine grundlegende Entspannung in Sicht.
Häufige Fragen
Was ist der Erschwinglichkeitsindex?
Warum stagniert der Erschwinglichkeitsindex?
Wie hoch sind die aktuellen Bauzinsen?
Welche Regionen sind am erschwinglichsten?
Wie beeinflussen Bauzinsen den Immobilienmarkt?
Quellen: Google News
Symbolbild: Erschwinglichkeit von Wohneigentum im Fokus · Foto: Karolina K / Pexels


