⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 06.07.2026
In Deutschland sind Vermieter steuerlich deutlich im Vorteil gegenüber Selbstnutzern. Eine aktuelle Studie zeigt, dass diese Unterschiede erhebliche finanzielle Auswirkungen haben.
- Vermieter können Abschreibungen und Kosten steuerlich geltend machen.
- Selbstnutzer haben kaum steuerliche Vorteile.
- In den größten Städten Deutschlands ist der Nachteil für Selbstnutzer besonders ausgeprägt.
- Die Wohneigentumsquote in Deutschland liegt bei nur 44%.
- Reformen zur Förderung von Selbstnutzern werden gefordert.
In Deutschland sind Vermieter steuerlich deutlich im Vorteil gegenüber Selbstnutzern. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass diese Unterschiede erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Während Vermieter von verschiedenen steuerlichen Abzugsmöglichkeiten profitieren, bleiben Selbstnutzer oft auf der Strecke. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die individuelle finanzielle Situation, sondern auch auf die allgemeine Wohneigentumsquote in Deutschland, die mit nur 44% im Vergleich zu anderen EU-Ländern sehr niedrig ist.
Was sind die steuerlichen Vorteile für Vermieter?

Vermieter können eine Vielzahl von Kosten steuerlich geltend machen, die mit der Immobilie und dem Mietverhältnis zusammenhängen. Dazu gehören unter anderem Abschreibungen auf die Immobilie, Darlehenszinsen sowie Kosten für Reparaturen und Instandhaltung. Diese Abzüge ermöglichen es Vermietern, ihre Steuerlast erheblich zu senken und somit eine höhere Rendite auf ihr investiertes Kapital zu erzielen. Eine Modellrechnung zeigt, dass Vermieter bei einer Immobilie im Wert von 300.000 Euro, die zu 80% über einen Kredit finanziert wird, eine jährliche Eigenkapitalrendite von 7,1% erzielen können.
Im Gegensatz dazu haben Selbstnutzer kaum Möglichkeiten, ähnliche steuerliche Vorteile zu nutzen. Sie können keine Abschreibungen geltend machen und müssen die gesamten Kosten für den Erwerb und die Instandhaltung ihrer Immobilie selbst tragen. Dies führt zu einer deutlich niedrigeren Eigenkapitalrendite von nur 5,0% für Selbstnutzer. Der Vermögensvorteil für Vermieter beträgt in diesem Beispiel rund 34.000 Euro über einen Zeitraum von 15 Jahren.
Die Auswirkungen auf die Wohneigentumsquote
Die steuerlichen Unterschiede zwischen Vermietern und Selbstnutzern haben direkte Auswirkungen auf die Wohneigentumsquote in Deutschland. Nur 44% der Deutschen leben im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung, während der EU-Durchschnitt bei etwa 70% liegt. Diese niedrige Quote ist ein Indikator dafür, dass viele Menschen in Deutschland Schwierigkeiten haben, sich Wohneigentum zu leisten oder es als finanziell attraktiv zu empfinden.
Besonders in den großen Städten Deutschlands ist der Nachteil für Selbstnutzer ausgeprägt. In diesen Regionen liegt die Rendite von Selbstnutzern rund drei Prozentpunkte unter der von Vermietern. Auf eine durchschnittliche 100-Quadratmeter-Wohnung gerechnet, entspricht dies einem Vermögensnachteil von mehr als 87.000 Euro gegenüber einer Vermietung. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die steuerlichen Rahmenbedingungen in Deutschland nicht nur die individuelle Entscheidung für oder gegen Wohneigentum beeinflussen, sondern auch die gesamte Immobilienwirtschaft belasten.
Europäischer Vergleich: Deutschland als Sonderfall
- Eigenkapitalrendite für Vermieter: 7,1%
- Eigenkapitalrendite für Selbstnutzer: 5,0%
- Vermögensvorteil für Vermieter: rund 34.000 Euro
- Nur 44% der Deutschen leben im Eigenheim
- Steuerliche Vorteile für Vermieter in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern
Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Deutschland einen Sonderweg geht. Während in Ländern wie den Niederlanden, Österreich und Frankreich selbst genutztes Wohneigentum steuerlich mindestens ebenso gut behandelt wird wie vermietete Immobilien, ist dies in Deutschland nicht der Fall. Die steuerlichen Regelungen hierzulande begünstigen Vermieter und tragen dazu bei, dass die Wohneigentumsquote im europäischen Vergleich so niedrig ist.
Die Studie des IW hebt hervor, dass die steuerlichen Unterschiede in Deutschland oft unterschätzt werden. Diese Unterschiede wirken sich nicht nur auf die Entscheidung für oder gegen ein Eigenheim aus, sondern auch auf die private Altersvorsorge. Eigentümer profitieren im Ruhestand von geringeren Wohnkosten und einem Vermögen in Form einer schuldenfreien oder weitgehend abbezahlten Immobilie, während Mieter dauerhaft Wohnkosten tragen müssen.
Reformen zur Förderung von Selbstnutzern gefordert
Angesichts der benachteiligten Situation von Selbstnutzern fordern Experten Reformen, um die Bedingungen für den Erwerb von Wohneigentum zu verbessern. Eine Möglichkeit wäre die Einführung von Freibeträgen bei der Grunderwerbsteuer oder eine Senkung der Kaufnebenkosten für Selbstnutzer. Solche Maßnahmen könnten dazu beitragen, den Erwerb von selbstgenutztem Wohnraum attraktiver zu machen und die Wohneigentumsquote in Deutschland zu erhöhen.
Die Studie warnt jedoch davor, die Bedingungen für Vermieter zu verschlechtern, da dies Investitionen in den Mietwohnungsbau bremsen und den Wohnungsmangel weiter verschärfen könnte. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Interessen von Vermietern und Selbstnutzern ist daher von entscheidender Bedeutung für die zukünftige Entwicklung des Wohnungsmarktes in Deutschland.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Vermieter in Deutschland steuerlich deutlich im Vorteil sind, was sich negativ auf die Wohneigentumsquote und die finanzielle Situation von Selbstnutzern auswirkt. Die aktuellen steuerlichen Rahmenbedingungen begünstigen Vermieter und erschweren es vielen Menschen, sich Wohneigentum zu leisten. Um die Situation zu verbessern, sind Reformen notwendig, die Selbstnutzer unterstützen und gleichzeitig die Investitionen in den Mietwohnungsbau nicht gefährden.
Häufige Fragen
Warum sind Vermieter steuerlich im Vorteil?
Wie hoch ist der Vermögensvorteil für Vermieter?
Wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern da?
Was könnte die Regierung tun, um Selbstnutzer zu unterstützen?
Wie wirkt sich die steuerliche Benachteiligung auf die Wohneigentumsquote aus?
Quellen: Google News
Symbolbild: Vermieter profitieren von steuerlichen Vorteilen · Foto: Max Vakhtbovych / Pexels


