⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 16.06.2026
Achim Wambach, Präsident des ZEW, hat die Gründung eines European Supply Security Board vorgeschlagen, um die Diversifizierung von Lieferketten in der EU zu fördern und Abhängigkeiten zu reduzieren.
- Wambach fordert ein Gremium zur Überwachung von Lieferketten.
- Ziel ist die Diversifizierung von Lieferquellen für kritische Rohstoffe.
- Unternehmen sollen Anreize erhalten, um Versorgungsausfälle zu vermeiden.
Achim Wambach, der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), hat in einem aktuellen Vorschlag die Gründung eines European Supply Security Board angeregt. Dieses Gremium soll die Einhaltung von sektorspezifischen Vorgaben zur Diversifizierung von Lieferketten überwachen. Hintergrund dieser Initiative sind die zunehmenden Abhängigkeiten von strategisch wichtigen Vorleistungen, insbesondere bei Rohstoffen wie Chips und Seltenen Erden, die für viele Industrien von zentraler Bedeutung sind.
Was ist das European Supply Security Board?

Das European Supply Security Board ist ein vorgeschlagenes Gremium, das Unternehmen dazu anregen soll, ihre Lieferquellen zu diversifizieren. Wambach betont, dass es wichtig ist, dass Unternehmen mindestens drei verschiedene Lieferanten für kritische Rohstoffe haben, um sich gegen mögliche Versorgungsengpässe abzusichern. Diese Diversifizierung wird als eine Art Risikoprämie betrachtet, die Unternehmen zahlen sollten, um sich vor den finanziellen Folgen von Lieferausfällen zu schützen.
Wambach weist darauf hin, dass viele Unternehmen oft zögern, die zusätzlichen Kosten für eine Diversifizierung zu tragen. Er argumentiert, dass diese Kosten als bewusster Preis für den Schutz vor Versorgungsausfällen verstanden werden sollten. In vielen Fällen kalkulieren Unternehmen nicht die gesamtwirtschaftlichen Folgen eines Versorgungsengpasses in ihre Entscheidungen ein, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Krisen führen kann.
Die Rolle der EU und staatliche Vorgaben
Wambach betont, dass das Management von Lieferketten grundsätzlich eine privatwirtschaftliche Aufgabe ist. Dennoch sieht er die Notwendigkeit für staatliche Vorgaben, wenn systemische und moralische Risiken zusammentreffen. In solchen Fällen könnten zu rigide Vorgaben die „Versicherungskosten“ in die Höhe treiben, was für Unternehmen untragbar wäre. Daher schlägt er vor, dass das European Supply Security Board sektorspezifische Vorgaben entwickelt, die sich an den jeweiligen Risiken orientieren.
Ein solches Gremium könnte auch Daten zu Lieferketten erheben und sektorspezifische Stresstests durchführen. Diese Tests würden helfen, die Diversifizierungsanforderungen dort zu implementieren, wo die Risiken am größten sind. Dadurch könnten Unternehmen gezielt unterstützt werden, ohne dass die Kosten für die Diversifizierung überhandnehmen.
Technologische Souveränität und Forschung
Ein weiterer wichtiger Aspekt, den Wambach anspricht, ist die technologische Souveränität. Er argumentiert, dass die zukünftige Souveränität Europas stark von der Fähigkeit abhängt, in Schlüsseltechnologien zu investieren und diese zu entwickeln. Maßnahmen zur Resilienz sollten daher so gestaltet sein, dass sie Anreize für Forschung und Entwicklung in diesen Bereichen schaffen.
Die Stärkung der technologischen Souveränität könnte nicht nur die Abhängigkeit von externen Lieferanten verringern, sondern auch die Innovationskraft der europäischen Wirtschaft fördern. Dies ist besonders relevant in Zeiten, in denen technologische Fortschritte und digitale Transformationen die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen entscheidend beeinflussen.
Wirtschaftliche Implikationen für Unternehmen
Die Vorschläge von Wambach könnten weitreichende wirtschaftliche Implikationen für Unternehmen in der EU haben. Eine stärkere Diversifizierung der Lieferketten könnte dazu führen, dass Unternehmen flexibler auf Marktveränderungen reagieren können. Dies ist besonders wichtig in einem globalen Wirtschaftsklima, das von Unsicherheiten geprägt ist, wie etwa geopolitischen Spannungen oder plötzlichen Nachfrageschwankungen.
Unternehmen, die sich proaktiv mit der Diversifizierung ihrer Lieferketten auseinandersetzen, könnten nicht nur ihre Risiken minimieren, sondern auch ihre Marktposition stärken. In einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld könnte dies den entscheidenden Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen.
Fazit

Die Initiative von Achim Wambach zur Schaffung eines European Supply Security Board ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer resilienteren europäischen Wirtschaft. Durch die Förderung der Diversifizierung von Lieferketten können Unternehmen besser auf Krisen reagieren und ihre Abhängigkeiten reduzieren. Dies könnte nicht nur die wirtschaftliche Stabilität in der EU stärken, sondern auch die Innovationskraft und technologische Souveränität fördern. In einer Zeit, in der die globalen Märkte immer volatiler werden, ist es entscheidend, dass Unternehmen und Regierungen gemeinsam an Lösungen arbeiten, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.
Häufige Fragen
Was ist das European Supply Security Board?
Warum ist die Diversifizierung von Lieferketten wichtig?
Welche Rolle spielt Achim Wambach in diesem Kontext?
Wie können Unternehmen von der Diversifizierung profitieren?
Was sind die nächsten Schritte für die Umsetzung dieser Idee?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Strategien zur Diversifizierung von Lieferketten · Foto: Marija Piliskic / Pexels


