⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 12.09.2026
Der Finanzexperte Gerd Kommer stellt die weit verbreitete Meinung in Frage, dass Miete immer als rausgeworfenes Geld gilt. In aktuellen Interviews erklärt er, warum Mieter oft finanziell besser dastehen als Immobilienbesitzer.
- Gerd Kommer kritisiert den Mythos, dass Miete immer verloren ist.
- Historische Daten zeigen, dass Mieter oft mehr Vermögen aufbauen als Käufer.
- Die Kosten für Eigentum sind häufig höher als die Miete.
In der aktuellen Diskussion um die Frage, ob Miete als rausgeworfenes Geld betrachtet werden sollte, hat der Finanzexperte Gerd Kommer klare Ansichten. In einem Interview mit Business Insider äußerte er sich kritisch zu dem weit verbreiteten Mythos, dass Mieter finanziell schlechter dastehen als Immobilienbesitzer. Kommer argumentiert, dass die Realität oft anders aussieht und viele Mieter in der Tat besser abschneiden als Käufer.
Was sagt Gerd Kommer über den Mythos der Miete?

Gerd Kommer stellt fest, dass die Vorstellung, Miete sei immer verloren, nicht nur irreführend, sondern auch gefährlich ist. Er weist darauf hin, dass viele Menschen glauben, durch den Kauf einer Immobilie automatisch Vermögen aufzubauen. In Wirklichkeit sind die laufenden Kosten für Eigentum, wie Zinsen, Instandhaltung und Kaufnebenkosten, oft höher als die monatliche Miete. Dies führt dazu, dass Mieter in vielen Fällen finanziell besser dastehen als Käufer.
Kommer erklärt, dass die Idee des „passiven Einkommens“ durch Immobilieninvestitionen eine Illusion ist. Wer ein signifikantes passives Einkommen erzielen möchte, benötigt in der Regel viel Kapital. Die Rendite aus Immobilien ist oft nicht so hoch, wie viele glauben, und die Kosten für den Erwerb und die Instandhaltung einer Immobilie können die potenziellen Gewinne übersteigen.
Die finanzielle Realität von Mietern und Käufern
Eine Analyse von Kommer zeigt, dass Kapitalmarktanleger, die in ein diversifiziertes Aktienportfolio investieren, in den meisten Zeiträumen seit 1970 deutlich höhere Vermögen aufgebaut haben als Eigenheimbesitzer. Dies liegt unter anderem daran, dass die Immobilienpreise in Deutschland über Jahrzehnte stagnierten, während die Kreditzinsen hoch und die Mieten vergleichsweise niedrig blieben. Erst seit 2010 haben die Immobilienpreise in Deutschland einen signifikanten Anstieg erfahren, was die Situation für Käufer verändert hat.
Ein weiterer wichtiger Punkt, den Kommer anspricht, sind die Opportunitätskosten. Wenn jemand sein gesamtes Eigenkapital in eine Immobilie investiert, entgeht ihm der potenzielle Gewinn, den er mit diesem Kapital in anderen Anlageklassen, wie Aktien oder Anleihen, erzielen könnte. Diese Kosten sind oft erheblich und sollten bei der Entscheidung zwischen Mieten und Kaufen berücksichtigt werden.
Die Kosten des Eigentums
Die laufenden Kosten für den Besitz einer Immobilie sind nicht zu unterschätzen. Käufer müssen nicht nur die monatlichen Kreditraten zahlen, sondern auch Instandhaltungskosten, Grundsteuer und andere Nebenkosten berücksichtigen. Diese Ausgaben summieren sich schnell und können die finanzielle Belastung eines Eigentümers erheblich erhöhen. Im Gegensatz dazu haben Mieter oft eine geringere monatliche Belastung, was ihnen mehr Spielraum für andere Investitionen lässt.
Ein Beispiel verdeutlicht dies: Ein Käufer, der monatlich 2.181 Euro für Kredit und Instandhaltung zahlt, könnte im Vergleich zu einem Mieter, der nur 1.000 Euro für die Miete aufwendet, der am Ende der Laufzeit deutlich weniger Vermögen haben, wenn er nicht konsequent spart und investiert.
Die Rolle der Zinsen und Inflation
Die aktuellen Zinsen spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle in der Diskussion um Mieten und Kaufen. Mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 3,9 % im Jahr 2026 sind die monatlichen Raten für Immobilienkäufer erheblich gestiegen. Dies macht es für viele potenzielle Käufer schwieriger, sich ein Eigenheim zu leisten. In Zeiten hoher Inflation, wie wir sie derzeit erleben, wird die Erschwinglichkeit von Wohneigentum weiter beeinträchtigt.
Die steigenden Zinsen führen dazu, dass viele Menschen sich entscheiden, weiterhin zu mieten, anstatt in den Immobilienmarkt einzutreten. Dies könnte langfristig zu einer weiteren Stärkung der Mieterposition führen, da die Nachfrage nach Mietwohnungen steigt und die Mietpreise möglicherweise ebenfalls anziehen.
Die Vorteile des Mietens
Ein wesentlicher Vorteil des Mietens ist die Flexibilität, die es den Mietern bietet. Mieter können leichter umziehen, wenn sich ihre Lebensumstände ändern, ohne sich um den Verkauf einer Immobilie kümmern zu müssen. Diese Flexibilität kann in einer sich schnell verändernden Wirtschaft von großem Vorteil sein.
Darüber hinaus haben Mieter oft die Möglichkeit, ihr Geld in renditestärkere Anlagen zu investieren, anstatt es in eine Immobilie zu binden. Wenn Mieter ihr gespartes Eigenkapital in ein diversifiziertes Portfolio investieren, können sie potenziell höhere Renditen erzielen als durch den Besitz einer Immobilie.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vorstellung, Miete sei immer rausgeworfenes Geld, von Finanzexperten wie Gerd Kommer als irreführend angesehen wird. Die finanziellen Realitäten von Mietern und Käufern sind komplex und hängen von vielen Faktoren ab, einschließlich der laufenden Kosten, der Zinsen und der individuellen Lebenssituation. Mieter haben oft die Möglichkeit, finanziell besser abzuschneiden, insbesondere wenn sie ihr Geld in renditestärkere Anlagen investieren. Daher ist es wichtig, die eigene Situation sorgfältig zu analysieren, bevor man eine Entscheidung zwischen Mieten und Kaufen trifft.
Häufige Fragen
Warum gilt Miete als rausgeworfenes Geld?
Was sagt Gerd Kommer über Mieter und Käufer?
Wie beeinflussen Immobilienpreise die Entscheidung zwischen Mieten und Kaufen?
Welche Alternativen gibt es zur Immobilieninvestition?
Was sind Opportunitätskosten im Zusammenhang mit Immobilien?
Quellen: Google News
Symbolbild: Gerd Kommer über Mieten und Kaufen · Foto: Max Vakhtbovych / Pexels


