StartSteuern & RechtAktien und ETFs: Depot verkaufen, aber ohne 25 Prozent Abgeltungsteuer?

Aktien und ETFs: Depot verkaufen, aber ohne 25 Prozent Abgeltungsteuer?

⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 02.07.2026

Immer mehr Anleger in Deutschland ziehen in Betracht, ihr Depot zu verkaufen, um die Abgeltungsteuer zu umgehen. Auswandern könnte eine vielversprechende Strategie sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auswandern kann steuerliche Vorteile bieten.
  • Depotübertrag zu internationalen Brokern ist oft sinnvoll.
  • Doppelbesteuerung vermeiden durch geeignete DBA.

Immer mehr Anleger in Deutschland stehen vor der Herausforderung, ihre Kapitalerträge optimal zu versteuern. Insbesondere die Abgeltungsteuer von 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf Kapitalerträge sorgt für Unmut. Eine zunehmend beliebte Strategie, um diese Steuerlast zu umgehen, ist das Auswandern. Doch was müssen Anleger dabei beachten?

Was ist die Abgeltungsteuer?

Strategien zur Vermeidung der Abgeltungsteuer
Symbolbild: Strategien zur Vermeidung der Abgeltungsteuer · Foto: Vitaly Gariev / Pexels

Die Abgeltungsteuer ist eine pauschale Steuer auf Kapitalerträge, die in Deutschland seit 2009 erhoben wird. Sie beträgt 25 % und wird auf Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne erhoben. Hinzu kommt ein Solidaritätszuschlag von 5,5 %, was die effektive Steuerlast auf 26,375 % erhöht. Diese Regelung gilt unabhängig davon, ob der Anleger in Deutschland lebt oder nicht, solange das Depot bei einer deutschen Bank geführt wird.

Für viele Anleger stellt sich die Frage, ob sie ihr Depot bei einer deutschen Bank nach dem Wegzug weiterführen können. In der Regel ist dies nicht möglich, da viele deutsche Broker, insbesondere Neobroker, das Depot aktiv kündigen oder dessen Auflösung verlangen. Daher ist es ratsam, frühzeitig zu prüfen, ob ein Depotübertrag zu einem internationalen Anbieter möglich ist.

Wegzugsteuer: Ein steuerliches Hindernis

Ein zentraler Aspekt, den Anleger beim Wegzug aus Deutschland beachten müssen, ist die Wegzugsteuer. Diese greift, wenn Anleger mindestens 1 % an einer Kapitalgesellschaft halten. In diesem Fall werden die stillen Reserven, also die Differenz zwischen dem aktuellen Marktwert und dem ursprünglichen Anschaffungspreis, fiktiv versteuert. Dies kann zu erheblichen Steuerbelastungen führen, ohne dass tatsächlich Geld geflossen ist.

Seit der Reform 2022 ist die Stundung der Wegzugsteuer bei Umzügen innerhalb der EU/EWR unter deutlich erschwerten Bedingungen möglich, während sie bei einem Wegzug in ein Drittland grundsätzlich nicht mehr möglich ist. Anleger sollten sich daher vor dem Wegzug über die steuerlichen Regelungen im neuen Land informieren und gegebenenfalls einen Antrag auf Rückerstattung der deutschen Quellensteuer beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) stellen.

Doppelbesteuerung vermeiden

Fakten auf einen Blick

  • Abgeltungsteuer: 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag
  • Wegzugsteuer greift bei 1 % Beteiligung an Kapitalgesellschaften
  • Depotübertrag zu internationalen Brokern möglich

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Vermeidung einer Doppelbesteuerung. Hat das neue Wohnsitzland ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit Deutschland, sieht dieses typischerweise vor, dass das Besteuerungsrecht für Kapitalerträge beim Wohnsitzstaat liegt. Anleger sollten sich daher vor dem Wegzug über die steuerlichen Regelungen im neuen Land informieren und gegebenenfalls einen Antrag auf Rückerstattung der deutschen Quellensteuer beim BZSt stellen.

Für gewöhnliche ETF- und Aktieninvestments unterhalb der 1-%-Beteiligungsgrenze greift § 6 AStG in seiner klassischen Form nicht direkt. Dennoch empfiehlt es sich, vor dem Wegzug die genaue Zusammensetzung des Depots von einem Steuerberater prüfen zu lassen.

Depotübertrag: Eine sinnvolle Option

Ein Depotübertrag hat den Vorteil, dass keine Wertpapiere verkauft werden müssen, wodurch steuerpflichtige Veräußerungsgewinne vermieden werden. Internationale Broker wie Interactive Brokers sind empfehlenswert, da sie nicht an einen deutschen Wohnsitz gebunden sind und Depotüberträge aus Deutschland akzeptieren. Dies ermöglicht es Anlegern, ihre Investitionen langfristig und geografisch flexibel zu halten.

Die meisten deutschen Broker, insbesondere Neobroker wie XTB oder Scalable Capital, kündigen das Depot bei Wegzug in ein Nicht-EU-Land aktiv oder verlangen dessen Auflösung innerhalb weniger Wochen. Daher ist es wichtig, frühzeitig zu handeln und die Optionen zu prüfen, die der Broker bietet.

Steuerliche Beratung einholen

Um die steuerlichen Konsequenzen eines Wegzugs optimal zu gestalten, ist es ratsam, frühzeitig einen Steuerberater mit Kenntnissen im internationalen Steuerrecht zu konsultieren. Dieser kann helfen, die Wegzugsteuer zu optimieren, den Sparerpauschbetrag sinnvoll zu nutzen und die Struktur des Depotübertrags zu planen. Eine rechtzeitige Planung kann erhebliche finanzielle Nachteile vermeiden.

Immer mehr Anleger suchen nach Wegen, um die Abgeltungsteuer auf ihre Kapitalerträge zu umgehen. Das Auswandern kann für Anleger eine sinnvolle Strategie sein, um die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge zu vermeiden. Allerdings sind dabei zahlreiche steuerliche Aspekte zu beachten, insbesondere die Wegzugsteuer und die Möglichkeit eines Depotübertrags.

Fazit

Strategien zur Vermeidung der Abgeltungsteuer
Symbolbild: Strategien zur Vermeidung der Abgeltungsteuer · Foto: Yuri Félix / Pexels

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Auswandern für viele Anleger eine attraktive Möglichkeit darstellt, um die Abgeltungsteuer zu umgehen. Durch einen rechtzeitigen Depotübertrag zu einem internationalen Broker und die Einholung steuerlicher Beratung können Anleger erhebliche finanzielle Vorteile erzielen. Es ist jedoch wichtig, sich umfassend über die steuerlichen Regelungen im neuen Wohnsitzland zu informieren und die individuellen Umstände zu berücksichtigen.

Häufige Fragen

Was ist die Abgeltungsteuer?
Die Abgeltungsteuer ist eine pauschale Steuer auf Kapitalerträge in Deutschland, die 25 % beträgt, plus einen Solidaritätszuschlag von 5,5 %, was eine effektive Steuerlast von 26,375 % ergibt.
Wie funktioniert die Wegzugsteuer?
Die Wegzugsteuer greift, wenn Anleger mindestens 1 % an einer Kapitalgesellschaft halten. In diesem Fall werden die stillen Reserven fiktiv versteuert, was zu einer sofortigen Steuerpflicht führen kann.
Welche Vorteile bietet ein Depotübertrag zu internationalen Brokern?
Ein Depotübertrag zu internationalen Brokern ermöglicht es Anlegern, ihre Wertpapiere zu behalten, ohne sie verkaufen zu müssen, wodurch steuerpflichtige Veräußerungsgewinne vermieden werden.
Wie kann ich eine Doppelbesteuerung vermeiden?
Eine Doppelbesteuerung kann vermieden werden, wenn das neue Wohnsitzland ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit Deutschland hat, das das Besteuerungsrecht für Kapitalerträge regelt.
Wann sollte ich einen Steuerberater konsultieren?
Es ist ratsam, frühzeitig einen Steuerberater mit Kenntnissen im internationalen Steuerrecht zu konsultieren, um die steuerlichen Konsequenzen eines Wegzugs optimal zu gestalten.

Quellen: Google News

Symbolbild: Strategien zur Vermeidung der Abgeltungsteuer · Foto: Markus Spiske / Pexels

Stefan Wagner
Stefan Wagner
Stefan Wagner widmet sich den Themen Altersvorsorge und Versicherungen. Er erklärt verständlich, welche Vorsorgemodelle es gibt und worauf man bei langfristigen Entscheidungen achten sollte. Bei Finanz-Echo möchte er dazu beitragen, dass auch trockene Themen wie Renten- und Absicherungsfragen greifbar werden.
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