⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 03.09.2026
Die geplante Einkommensteuerreform der Bundesregierung könnte für das Handwerk erhebliche finanzielle Belastungen mit sich bringen. Experten warnen vor negativen Auswirkungen auf Investitionen und Beschäftigung.
- Einkommensteuerreform könnte Handwerksbetriebe stärker belasten.
- Kritik an der Reduzierung der steuerlichen Absetzbarkeit für Handwerkerleistungen.
- Wachstum und Beschäftigung im Handwerk könnten gefährdet sein.
Die geplante Einkommensteuerreform der Bundesregierung, die voraussichtlich ab 2027 in Kraft treten soll, könnte für das Handwerk erhebliche finanzielle Belastungen mit sich bringen. Experten warnen vor negativen Auswirkungen auf Investitionen und Beschäftigung, was nicht nur die Branche selbst, sondern auch die gesamte Wirtschaft betreffen könnte. Die Reform sieht eine schrittweise Erhöhung des Grundfreibetrags vor, der von derzeit 12.348 Euro auf 12.564 Euro im kommenden Jahr und auf 12.900 Euro im Jahr 2028 steigen soll. Gleichzeitig wird der Spitzensteuersatz von 42 Prozent künftig bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 250.000 Euro fällig, anstatt wie bisher ab 277.826 Euro.
Was sind die Hauptpunkte der Einkommensteuerreform?

Die Einkommensteuerreform umfasst mehrere wesentliche Änderungen, die insbesondere das Handwerk betreffen. Eine der umstrittensten Maßnahmen ist die Reduzierung der steuerlichen Absetzbarkeit für Handwerkerleistungen. Derzeit können private Haushalte 20 Prozent bestimmter Arbeitskosten für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen steuerlich geltend machen. Diese Ermäßigung soll jedoch auf 15 Prozent gesenkt werden, und der maximale Steuerabzug wird von 1.200 Euro auf 900 Euro reduziert. Diese Änderungen könnten die Nachfrage nach Handwerksleistungen verringern, da der steuerliche Anreiz für private Haushalte, Handwerker zu beauftragen, sinkt.
Wie wird die Steuerreform das Handwerk beeinflussen?
Die Reform könnte für viele Handwerksbetriebe eine höhere Steuerlast bedeuten. Jürgen Kroos, Präsident der Handwerkskammer Münster, äußerte Bedenken, dass die Reform nicht zulasten des Handwerks gehen dürfe. Viele erfolgreiche Handwerksbetriebe finanzieren ihre Investitionen und Ausbildungsplätze durch ihre Gewinne, und eine höhere Einkommensteuer könnte deren Investitionskraft erheblich schmälern. Nach Angaben der Handwerkskammer Münster werden 79 Prozent der Handwerksbetriebe als Einzelunternehmen oder Personengesellschaften geführt, die direkt von der Einkommensteuer betroffen sind.
Welche Auswirkungen hat die Reform auf Investitionen?
- Einkommensteuerreform ab 2027 geplant
- Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 42% ab 250.000 Euro
- Reduzierung der steuerlichen Absetzbarkeit für Handwerkerleistungen von 20% auf 15%
Die geplante Reform könnte die Spielräume für Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und andere betriebliche Ausgaben einschränken. Dies könnte langfristig negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks haben. Experten befürchten, dass eine erhöhte Steuerlast die Bereitschaft der Betriebe verringert, in neue Technologien und Ausbildungsplätze zu investieren. In einer Zeit, in der Fachkräfte dringend benötigt werden, könnte dies zu einem weiteren Fachkräftemangel führen.
Reaktionen aus der Wirtschaft
Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), kritisierte die Reform und erklärte, dass die erwartbaren Entlastungen hinter den Bedürfnissen der Handwerksbetriebe zurückbleiben. Statt der ursprünglich angekündigten 10 Milliarden Euro Entlastung bleiben nur rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2027 und 5,6 Milliarden Euro im Jahr 2028. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Reform nicht die erhoffte Unterstützung für das Handwerk bietet.
Die Rolle der Politik
Die Bundesregierung hat die Reform als notwendig erachtet, um Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen zu entlasten. Doch die Kritik aus der Handwerksbranche zeigt, dass die Reform möglicherweise nicht die gewünschten Effekte erzielt. Die unterschiedlichen steuerlichen Belastungen von Personen- und Kapitalgesellschaften führen zu einer Verzerrung des Wettbewerbs, was für viele Handwerksbetriebe problematisch ist. Die Körperschaftsteuer wird ab 2028 für alle Kapitalgesellschaften gesenkt, während die Reform zu einer höheren Steuerbelastung von Personenunternehmen führen kann.
Fazit

Die geplante Einkommensteuerreform könnte das Handwerk vor erhebliche Herausforderungen stellen. Die Erhöhung der Steuerlast und die Reduzierung der steuerlichen Absetzbarkeit für Handwerkerleistungen könnten nicht nur die Liquidität der Betriebe beeinträchtigen, sondern auch deren Investitionsbereitschaft verringern. In einer Zeit, in der die Wirtschaft auf Wachstum und Beschäftigung angewiesen ist, könnte dies langfristig negative Auswirkungen auf die gesamte Branche haben. Die Politik steht in der Verantwortung, ein ausgewogenes Steuerklima zu schaffen, das sowohl die Bedürfnisse des Handwerks als auch die der breiten Bevölkerung berücksichtigt.
Häufige Fragen
Was sind die Hauptpunkte der Einkommensteuerreform?
Wie wird die Steuerreform das Handwerk beeinflussen?
Wann tritt die Einkommensteuerreform in Kraft?
Welche Änderungen gibt es bei der steuerlichen Absetzbarkeit für Handwerkerleistungen?
Was sagen Experten zur Reform?
Quellen: Google News
Symbolbild: Handwerker bei der Arbeit · Foto: Mehmet Turgut Kirkgoz / Pexels


