⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 06.09.2026
Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass jedes fünfte Unternehmen in Deutschland unter hybriden Bedrohungen leidet, was erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft hat.
- Hybride Bedrohungen umfassen Cyberangriffe, Desinformation und Spionage.
- Besonders betroffen sind große Unternehmen und kritische Infrastrukturen.
- Die Wirtschaft fordert eine verbesserte Abwehrbereitschaft und Notfallpläne.
Eine aktuelle Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass jedes fünfte Unternehmen in Deutschland unter hybriden Bedrohungen leidet. Diese Bedrohungen umfassen eine Vielzahl von Angriffen, darunter Cyberangriffe, Desinformation, Spionage und Sabotage. Die Ergebnisse der Umfrage, die 1.041 Unternehmen befragte, verdeutlichen die wachsenden Risiken, die insbesondere für größere Unternehmen und kritische Infrastrukturen bestehen.
Was sind hybride Bedrohungen?

Hybride Bedrohungen sind komplexe Angriffe, die verschiedene Mittel und Methoden kombinieren. Dazu zählen militärische, wirtschaftliche, geheimdienstliche und propagandistische Ansätze. In der Praxis bedeutet dies, dass Unternehmen nicht nur mit technischen Angriffen, sondern auch mit manipulativen Kampagnen in sozialen Medien und Störmaßnahmen im Betrieb konfrontiert werden. Diese Art von Bedrohung ist besonders herausfordernd, da sie die traditionellen Sicherheitsgrenzen verwischt und Unternehmen vor neue Herausforderungen stellt.
Die Umfrage des IW zeigt, dass 39% der Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten von hybriden Bedrohungen betroffen sind. Dies ist ein alarmierendes Signal, da größere Unternehmen oft eine zentrale Rolle in der Wirtschaft spielen und ihre Stabilität für die gesamte Branche von Bedeutung ist. Die Informations- und Kommunikationswirtschaft ist besonders anfällig, wobei rund jedes dritte Unternehmen entsprechende Risiken wahrnimmt.
Die Auswirkungen auf die Wirtschaft
Die Auswirkungen hybrider Bedrohungen sind nicht zu unterschätzen. Unternehmen berichten von Einschränkungen im operativen Geschäft und sind gezwungen, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Dies führt zu erhöhten Kosten und einer gesteigerten Unsicherheit in der Wirtschaft. Die Wirtschaftsforscher des IW warnen, dass die mangelnde Vorbereitung auf solche Bedrohungen eine destabilisierende Wirkung auf die Funktionsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft haben kann.
Ein Beispiel für die Auswirkungen hybrider Bedrohungen ist die Energie- und Wasserversorgung. Unternehmen in diesen Bereichen sind besonders gefährdet, da sie für die Grundversorgung der Bevölkerung verantwortlich sind. Angriffe auf diese kritischen Infrastrukturen könnten nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Folgen haben, die weit über die unmittelbaren Schäden hinausgehen.
Die Rolle der Unternehmen
- 19% der Unternehmen in Deutschland spüren hybride Bedrohungen.
- 39% der Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sind betroffen.
- Befragung von 1.041 Unternehmen durch das IW.
Die Unternehmen selbst sind gefordert, ihre Sicherheitsstrategien zu überdenken und anzupassen. Viele haben bereits in die IT-Sicherheit und digitale Infrastruktur investiert, jedoch bleibt der Schutz der Energieversorgung und die Erstellung von Notfallplänen oft unzureichend. Laut IW haben nur wenige Unternehmen ihre Energieversorgung besser abgesichert oder Notfallpläne für den Ausfall kritischer Infrastruktur angelegt.
Ein weiterer kritischer Punkt ist der Austausch mit den Sicherheitsbehörden. Oft fehlt es an klaren Regelungen und Abstimmungswegen, was die Reaktionsfähigkeit der Unternehmen im Ernstfall beeinträchtigt. Das im März 2026 in Kraft getretene Kritis-Dachgesetz, das einen besseren Schutz kritischer Infrastrukturen gewährleisten soll, bleibt hinter den Anforderungen zurück und bietet nicht die notwendige Sicherheit.
Forderungen an die Politik
Die Wirtschaft fordert von der Politik ein stärkeres Engagement bei der Abwehr und Aufklärung hybrider Bedrohungen. Experten betonen, dass Bund, Länder und Unternehmen enger zusammenarbeiten müssen, um effektive Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Die Herausforderungen, die durch hybride Bedrohungen entstehen, erfordern eine koordinierte und umfassende Strategie, die über die IT-Sicherheit hinausgeht.
Ein zivilen Operationsplan, wie ihn Siemens-Energy-Chef Christian Bruch fordert, könnte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Dieser Plan sollte darauf abzielen, die Strom- und Wasserinfrastruktur sowie die Versorgung mit Lebensmitteln zu schützen. Nur durch eine umfassende Strategie kann die Wirtschaft auf die wachsenden Bedrohungen reagieren und ihre Resilienz stärken.
Die Zukunft der Unternehmenssicherheit
Die zunehmende Komplexität hybrider Bedrohungen erfordert von Unternehmen eine strategische Neuordnung ihrer Sicherheitsmaßnahmen. Es reicht nicht mehr aus, sich nur auf IT-Schutzmaßnahmen zu konzentrieren. Unternehmen müssen auch operative Resilienz aufbauen, um in einem hybriden Szenario handlungsfähig zu bleiben. Dies bedeutet, dass IT- und OT-Schutz (Technologie für Betriebsumgebungen) stärker miteinander verknüpft werden müssen.
Die Unternehmen müssen belastbare Notfallpläne entwickeln, die realistisch geprobt werden, um im Ernstfall schnell und effektiv reagieren zu können. Die klare Definition von Zuständigkeiten im Ereignisfall ist entscheidend, um die Reaktionsfähigkeit zu erhöhen und die Auswirkungen hybrider Bedrohungen zu minimieren.
Fazit

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass hybride Bedrohungen eine ernsthafte Herausforderung für die deutsche Wirtschaft darstellen. Jedes fünfte Unternehmen spürt bereits die Auswirkungen dieser Bedrohungen, und die Tendenz ist steigend. Es ist unerlässlich, dass Unternehmen ihre Sicherheitsstrategien überdenken und anpassen, um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Gleichzeitig ist eine enge Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden und eine klare politische Strategie notwendig, um die Resilienz der Wirtschaft zu stärken und die Funktionsfähigkeit der Gesellschaft zu gewährleisten.
Häufige Fragen
Was sind hybride Bedrohungen?
Wie viele Unternehmen sind betroffen?
Welche Branchen sind am stärksten betroffen?
Was fordert die Wirtschaft zur Abwehr hybrider Bedrohungen?
Wie wirkt sich das auf die Wirtschaft aus?
Quellen: Google News
Symbolbild: Unternehmen stärken ihre Sicherheitsmaßnahmen · Foto: Asso Myron / Pexels


