⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 27.07.2026
Oracle sieht sich mit einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit konfrontiert, was inmitten eines massiven Investitionsbooms im KI-Sektor zu einem Schulden-Inferno führen könnte.
- S&P Global senkt Oracles Kreditwürdigkeit auf BBB-.
- Hohe Investitionen übersteigen den operativen Cashflow erheblich.
- Abhängigkeit von OpenAI als zentrales Bonitätsrisiko.
Oracle, der bekannte Softwarekonzern, sieht sich inmitten des boomenden KI-Marktes mit erheblichen finanziellen Herausforderungen konfrontiert. In der ersten Juliwoche 2026 hat die Ratingagentur S&P Global die Kreditwürdigkeit von Oracle von „BBB“ auf „BBB-“ herabgestuft. Diese Herabstufung bringt Oracle nur noch eine Stufe über dem Ramschniveau, was die Refinanzierungskosten in einer kritischen Phase der Unternehmensgeschichte erheblich erhöhen könnte.
Was sind die Gründe für die Herabstufung?

Die Herabstufung von S&P Global basiert auf mehreren Faktoren. Zum einen sind die steigenden Investitionsanforderungen des Unternehmens ein zentrales Problem. Oracle hat im Geschäftsjahr 2026 insgesamt 55,7 Milliarden US-Dollar in seine Infrastruktur investiert, was einem Anstieg von 162 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese massiven Investitionen übersteigen jedoch den operativen Cashflow, der im gleichen Zeitraum um 54 Prozent auf 32,0 Milliarden US-Dollar gestiegen ist. Dies führt zu einem negativen freien Cashflow von minus 23,7 Milliarden US-Dollar, was die finanzielle Stabilität des Unternehmens gefährdet.
Ein weiterer Grund für die Herabstufung ist der unsichere Weg zur Profitabilität. Oracle plant für das laufende Geschäftsjahr 2027 einen Nettomittelabfluss für Investitionen von rund 70 Milliarden US-Dollar. Laut SeekingAlpha könnte dieser Betrag sogar zwischen 90 und 95 Milliarden US-Dollar liegen, was die finanziellen Herausforderungen des Unternehmens weiter verstärkt.
Die Abhängigkeit von OpenAI
Ein zentrales Bonitätsrisiko für Oracle ist die hohe Kundenkonzentration, insbesondere die Abhängigkeit von OpenAI. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Auftragsbestand von Oracle, die sogenannten Remaining Performance Obligations, um 363 Prozent auf 638 Milliarden US-Dollar. Rund die Hälfte dieses Auftragsbestands entfällt auf OpenAI. Diese Abhängigkeit wird von S&P als kritisch angesehen, da OpenAI selbst auf externe Finanzierungsrunden angewiesen ist, um seine ambitionierten Wachstumsziele zu erreichen.
OpenAI hat bis zum Jahr 2030 einen Jahresumsatz von mehr als 280 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt. Doch die Frage bleibt, wie belastbar die milliardenschweren Verträge mit Oracle langfristig sind, insbesondere wenn OpenAI auf zusätzliche Finanzierungsrunden angewiesen ist. Diese Unsicherheit könnte sich negativ auf Oracles finanzielle Stabilität auswirken und das Vertrauen der Investoren in die Aktie beeinträchtigen.
Finanzierungsstrategien von Oracle
- Kreditwürdigkeit von Oracle auf BBB- gesenkt
- Investitionen von 55,7 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2026
- Freier Cashflow von minus 23,7 Milliarden US-Dollar
Um die finanziellen Lücken zu schließen, hat Oracle im Geschäftsjahr 2026 bereits 43 Milliarden US-Dollar an neuen Schulden aufgenommen und 5 Milliarden US-Dollar an frischem Eigenkapital generiert. Für das Geschäftsjahr 2027 plant das Unternehmen, weitere 40 Milliarden US-Dollar durch eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital aufzunehmen. Dazu gehört ein bereits angekündigtes Aktienprogramm über 20 Milliarden US-Dollar. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die hohen Investitionen zu finanzieren und die Liquidität des Unternehmens zu sichern.
Oracle hat für das Geschäftsjahr 2027 eine Umsatzprognose von 90 Milliarden US-Dollar abgegeben und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 8,05 US-Dollar in Aussicht gestellt, was einem Plus von 18 Prozent entspricht. Trotz des Wachstums bleibt die Herausforderung bestehen, dass die Investitionen mehr Kapital verschlingen, als das Unternehmen selbst erwirtschaftet.
Auswirkungen auf den Tech-Sektor
Die finanziellen Schwierigkeiten von Oracle könnten nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch den gesamten Tech-Sektor belasten. In einer Zeit, in der viele Technologieunternehmen auf den KI-Boom setzen, könnte Oracles Schulden-Inferno als Warnsignal für Investoren dienen. Die Abhängigkeit von großen Kunden wie OpenAI und die Unsicherheiten in Bezug auf die Profitabilität könnten das Vertrauen in andere Tech-Aktien beeinträchtigen.
Investoren sollten die Entwicklungen bei Oracle genau beobachten, da die Herabstufung der Kreditwürdigkeit und die hohen Schuldenlasten potenziell zu einem Rückgang der Aktienkurse führen könnten. Dies könnte auch Auswirkungen auf den DAX und andere Indizes haben, die stark von Technologieaktien abhängen.
Fazit

Oracle steht vor einer kritischen Phase, in der die finanziellen Herausforderungen und die Abhängigkeit von großen Kunden wie OpenAI zu einem Schulden-Inferno führen könnten. Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf BBB- ist ein Warnsignal für Investoren und könnte weitreichende Auswirkungen auf den Tech-Sektor haben. In einer Zeit, in der der KI-Boom floriert, ist es entscheidend, die finanziellen Strategien von Oracle und deren Auswirkungen auf die Aktienmärkte genau zu verfolgen.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Herabstufung von Oracles Kreditwürdigkeit?
Wie hoch sind die Investitionen von Oracle im Jahr 2026?
Was ist der freie Cashflow von Oracle?
Warum ist die Abhängigkeit von OpenAI riskant für Oracle?
Wie plant Oracle, seine finanziellen Herausforderungen zu bewältigen?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Finanzielle Herausforderungen im KI-Bereich · Foto: Vlada Karpovich / Pexels


