⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 15.09.2026
Vermieter können durch Restnutzungsdauer-Gutachten ihre Steuerlast erheblich senken. Diese Möglichkeit wird durch aktuelle rechtliche Änderungen erleichtert.
- Restnutzungsdauer-Gutachten ermöglichen schnellere Abschreibungen.
- Die steuerliche Entlastung kann die Liquidität von Vermietern verbessern.
- Aktuelle rechtliche Änderungen erleichtern den Nachweis einer kürzeren Nutzungsdauer.
Die Möglichkeit, durch Restnutzungsdauer-Gutachten Steuern zu sparen, gewinnt für Vermieter zunehmend an Bedeutung. Mit den aktuellen rechtlichen Änderungen, die seit dem 1. Dezember 2025 in Kraft sind, wird der Nachweis einer kürzeren Nutzungsdauer für Immobilien einfacher. Dies eröffnet Vermietern neue Chancen, ihre Steuerlast zu senken und die Liquidität zu verbessern.
Was ist ein Restnutzungsdauer-Gutachten?

Ein Restnutzungsdauer-Gutachten ist ein spezialisiertes Dokument, das den Zeitraum bestimmt, in dem ein Gebäude wirtschaftlich genutzt werden kann. Es wird von einem qualifizierten Gutachter erstellt und berücksichtigt verschiedene Faktoren wie technischen Verschleiß, wirtschaftliche Entwertung und rechtliche Nutzungsbeschränkungen. Diese Bewertung ist entscheidend, da sie die Grundlage für die jährliche Abschreibung (AfA) bildet, die Vermieter steuerlich geltend machen können.
Die gesetzlich festgelegten AfA-Sätze basieren auf typisierten Nutzungsdauern: Für Gebäude, die nach 1924 und vor 2023 fertiggestellt wurden, beträgt der Satz 2 Prozent pro Jahr, was einer Nutzungsdauer von 50 Jahren entspricht. Für vor 1925 errichtete Gebäude liegt der Satz bei 2,5 Prozent, während für nach 2022 fertiggestellte Gebäude ein Satz von 3 Prozent gilt. Ein Gutachten kann jedoch eine kürzere Restnutzungsdauer nachweisen, was zu einer höheren jährlichen Abschreibung führt.
Wie funktioniert die steuerliche Entlastung?
Die steuerliche Entlastung durch ein Restnutzungsdauer-Gutachten kann erheblich sein. Angenommen, ein Gebäude hat Anschaffungskosten von 300.000 Euro. Bei einem AfA-Satz von 2 Prozent wären jährlich 6.000 Euro abschreibbar. Wenn das Gutachten jedoch eine Restnutzungsdauer von nur 25 Jahren nachweist, steigt der Abschreibungssatz auf 4 Prozent, was 12.000 Euro pro Jahr entspricht. Dies führt zu einer zusätzlichen Steuerersparnis von 6.000 Euro jährlich.
Bei einem persönlichen Grenzsteuersatz von beispielsweise 35 Prozent würde dies einer zusätzlichen Steuerliquidität von rund 2.100 Euro pro Jahr entsprechen. Diese Ersparnis ist jedoch nicht „geschenkt“, da die AfA im Wesentlichen zeitlich vorgezogen wird. Daher ist es wichtig, die finanziellen Auswirkungen vor der Beauftragung eines Gutachtens genau zu prüfen.
Rechtliche Änderungen und deren Auswirkungen
- AfA-Sätze: 2% für Gebäude nach 1924, 2,5% für vor 1925, 3% für nach 2022
- Ein Gutachten kann die jährliche Abschreibung erheblich erhöhen
- Steuerersparnis von bis zu 10.080 Euro jährlich möglich
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Restnutzungsdauer-Gutachten haben sich durch ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 1. Dezember 2025 erheblich verändert. Dieses Schreiben hebt die vorherige restriktive Auslegung auf und ermöglicht es Vermietern, flexibler bei der Wahl der Nachweismethoden zu sein. Der Bundesfinanzhof hat zudem klargestellt, dass es keine bindenden methodischen Vorgaben mehr gibt, was bedeutet, dass Vermieter nun eine Vielzahl von Ansätzen zur Beurteilung der Restnutzungsdauer nutzen können.
Diese Änderungen sind besonders vorteilhaft für Vermieter und Immobilieninvestoren, da sie nun einfacher höhere Abschreibungen für ihre Objekte geltend machen können. Eine kürzere Nutzungsdauer führt zu höheren jährlichen Abschreibungen und damit zu einer geringeren Steuerlast, was in der aktuellen wirtschaftlichen Lage von großer Bedeutung ist.
Praktische Tipps zur Beauftragung eines Gutachters
Bei der Beauftragung eines Gutachters ist es wichtig, einen qualifizierten und erfahrenen Fachmann auszuwählen. Achten Sie darauf, dass der Gutachter die relevanten Unterlagen und Nachweise anfordert, um die Restnutzungsdauer nachvollziehbar zu belegen. Dazu gehören Kaufverträge, Nebenkostenabrechnungen, Bauunterlagen und gegebenenfalls Modernisierungsnachweise.
Die Bedeutung für die Liquidität von Vermietern
Die Möglichkeit, durch Restnutzungsdauer-Gutachten Steuern zu sparen, hat direkte Auswirkungen auf die Liquidität von Vermietern. Eine höhere jährliche Abschreibung führt zu einem niedrigeren steuerpflichtigen Überschuss aus Vermietung und Verpachtung. Dies ist besonders vorteilhaft in der Anfangsphase der Vermietung, wenn die Liquidität oft knapp ist.
Ein Beispiel verdeutlicht dies: Bei einem vermieteten Mehrfamilienhaus mit einem Anschaffungswert von 800.000 Euro beträgt die lineare Abschreibung bei 2 Prozent jährlich 16.000 Euro. Weist ein Gutachten jedoch eine Restnutzungsdauer von 20 Jahren nach, steigt die Abschreibung auf 40.000 Euro pro Jahr. Die Differenz von 24.000 Euro mindert den steuerpflichtigen Überschuss zusätzlich und verbessert die Liquidität erheblich.
Fazit

Die Möglichkeit, durch Restnutzungsdauer-Gutachten Steuern zu sparen, ist für Vermieter eine attraktive Option, die durch aktuelle rechtliche Änderungen erleichtert wird. Ein qualifiziertes Gutachten kann nicht nur die jährliche Abschreibung erhöhen, sondern auch die Liquidität von Vermietern in einer herausfordernden wirtschaftlichen Lage verbessern. Es ist jedoch wichtig, die finanziellen Auswirkungen sorgfältig zu prüfen und einen erfahrenen Gutachter zu beauftragen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.
Häufige Fragen
Was ist ein Restnutzungsdauer-Gutachten?
Wie kann ich von einem Gutachten profitieren?
Welche Änderungen gab es in der Gesetzgebung?
Wie hoch kann die Steuerersparnis sein?
Was muss ich bei der Beauftragung eines Gutachters beachten?
Quellen: Google News
Symbolbild: Steuerersparnis durch Restnutzungsdauer-Gutachten · Foto: Monstera Production / Pexels


