⏱ 5 Min. Lesezeit · Stand: 26.08.2026
Die deutschen Gasspeicher sind auf einem historischen Tiefstand, was Experten zu Warnungen vor möglichen Engpässen und steigenden Preisen veranlasst.
- Gasspeicher sind nur zu 50,71% gefüllt.
- Experten warnen vor Risiken bei kaltem Wetter.
- Steigende Gaspreise könnten die Inflation anheizen.
Die Situation der deutschen Gasspeicher ist alarmierend: Aktuell sind sie nur zu 50,71% gefüllt, was den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011 darstellt. Diese Entwicklung hat Experten dazu veranlasst, vor möglichen Engpässen in der Energieversorgung zu warnen. Insbesondere die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, insbesondere der Iran-Krieg, haben die Preise auf den globalen Energiemärkten in die Höhe getrieben. Am 21. August 2026 lag der Großhandelspreis für Erdgas bei 66,6 Euro pro Megawattstunde, während er am 27. Februar 2026 noch bei 32,7 Euro pro Megawattstunde lag.
Was sind die Ursachen für die leeren Gasspeicher?

Die Gründe für die niedrigen Füllstände sind vielfältig. Normalerweise kaufen Gashändler im Sommer Erdgas zu günstigen Preisen, um es im Winter mit Gewinn zu verkaufen. Doch die aktuellen geopolitischen Unsicherheiten und die hohen Preise haben viele Händler veranlasst, mit dem Einspeichern zurückhaltend zu sein. Die Unsicherheit über die zukünftige Preisentwicklung führt dazu, dass die Händler nicht sicher sind, ob sie das Gas im Winter gewinnbringend verkaufen können. Diese Zurückhaltung hat direkte Auswirkungen auf die Füllstände der Gasspeicher.
Zusätzlich ist die Situation durch die Schließung der Straße von Hormus, einem wichtigen Transportweg für Flüssigerdgas, verschärft worden. Diese Meerenge ist für etwa 20% des globalen Flüssigerdgases verantwortlich. Die Unsicherheit über die Verfügbarkeit von Gas aus dieser Region treibt die Preise weiter in die Höhe und erschwert die Planung für die kommenden Monate.
Welche Auswirkungen hat der niedrige Füllstand auf die Verbraucher?
Für Verbraucher mit bestehenden Gasverträgen ändert sich zunächst nichts, da die Versorgungsunternehmen vertraglich verpflichtet sind, ihre Kunden zu beliefern. Allerdings sieht die Situation für Neukunden anders aus. Der durchschnittliche Gaspreis für Haushalte lag Mitte August 2026 bei 12,6 Cent pro Kilowattstunde, was einen Anstieg im Vergleich zu 11,1 Cent zu Jahresbeginn darstellt. Diese Preissteigerungen könnten die Heizkosten für Haushalte erheblich erhöhen, insbesondere wenn die Preise auf dem aktuellen Niveau bleiben. Experten rechnen mit einem Anstieg der Heizkosten von bis zu 20%.
Die Abhängigkeit von laufenden Importen wird durch die niedrigen Speicherstände verstärkt. Sollte es zu einem kalten Winter kommen, könnte die Nachfrage nach Gas steigen, was die Preise weiter anheizen würde. Dies könnte insbesondere energieintensive Unternehmen treffen, die schneller auf Preisschwankungen reagieren müssen als private Haushalte.
Wie reagieren die Betreiber der Gasspeicher?
- Füllstand der Gasspeicher: 50,71% (Stand: 22. August 2026)
- Niedrigster Füllstand seit 2011
- Durchschnittlicher Gaspreis: 12,6 Cent/kWh (Mitte August 2026)
Die Betreiber der Gasspeicher, wie der Speicherbetreiber EWE, warnen vor den schwindenden Reserven für die Heizperiode. EWE hat eingeräumt, dass sie aufgrund der schwierigen Marktlage selbst weniger Gas in den Speichern halten. Technisch ist das Ziel, bis zum 1. November einen Füllstand von 80% zu erreichen, noch machbar. Doch solange die Händler zögern, Gas einzulagern, wächst das Risiko, dass Deutschland mit unzureichenden Reserven in den Winter geht.
Die Bundesregierung hat zwar eine strategische Gasreserve geplant, die rund 24 Terawattstunden umfassen soll, doch die Befüllung dieser Reserve ist erst ab Sommer 2027 vorgesehen. Bis dahin sind die Händler und Versorger weiterhin für die reguläre Wintervorsorge verantwortlich.
Was sagen Experten zur Versorgungssicherheit?
Experten warnen, dass die aktuelle Situation ernst zu nehmen ist. Der Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern, Sebastian Heinermann, betont, dass der aktuelle Füllstand der Gasspeicher der tiefste seit Beginn der Aufzeichnungen ist. Dies könnte insbesondere bei extremen Wetterbedingungen zu Problemen führen. Wenn der Füllstand im Winter unter einen bestimmten Wert fällt, verlangsamt sich der Gasfluss aus den Speichern, was die Versorgungssicherheit gefährden könnte.
Der Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft, Axel Gedaschko, weist darauf hin, dass die Physik der Gasspeicher oft unterschätzt wird. Bei kalten Temperaturen könnte sich die Entnahmegeschwindigkeit aus den Speichern erheblich verringern, was zu Engpässen führen könnte. Diese physikalischen Einschränkungen müssen in der öffentlichen Debatte stärker berücksichtigt werden.
Wie könnte sich die Situation weiterentwickeln?
Die Unsicherheiten auf den Energiemärkten und die geopolitischen Spannungen machen es schwierig, eine verlässliche Prognose für die kommenden Monate abzugeben. Energieexperten rechnen jedoch damit, dass die Gaspreise aufgrund der gestiegenen Großhandelspreise insgesamt steigen werden. Die Bundesregierung hat bisher keine Pläne vorgestellt, um mögliche Preisanstiege für die Endverbraucher abzufedern.
Die Entwicklung der Gasspeicherfüllstände, der Importmengen und der internationalen Märkte wird weiterhin genau beobachtet. Die Verbraucher sollten sich auf mögliche Preiserhöhungen einstellen und ihre Heizkosten im Blick behalten, insbesondere wenn die Temperaturen sinken und die Nachfrage steigt.
Fazit

Die Situation der deutschen Gasspeicher ist kritisch, mit einem historischen Tiefstand von nur 50,71% Füllung. Experten warnen vor möglichen Engpässen und steigenden Preisen, insbesondere bei kaltem Wetter. Die Unsicherheiten auf den Energiemärkten und die geopolitischen Spannungen machen es schwierig, eine verlässliche Prognose abzugeben. Verbraucher sollten sich auf mögliche Preissteigerungen einstellen und die Entwicklungen aufmerksam verfolgen.
Häufige Fragen
Warum sind die Gasspeicher so leer?
Wie wirkt sich der niedrige Füllstand auf die Verbraucher aus?
Was sagen Experten zur Versorgungssicherheit?
Wie hoch sind die aktuellen Gaspreise?
Was plant die Bundesregierung zur Verbesserung der Situation?
Quellen: Google News
Symbolbild: Leere Gasspeicher in Deutschland · Foto: Jan van der Wolf / Pexels


