⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 02.09.2026
Die geplante Einkommensteuerreform der Bundesregierung könnte für das Handwerk erhebliche finanzielle Belastungen mit sich bringen. Experten warnen vor negativen Auswirkungen auf Investitionen und Beschäftigung.
- Einkommensteuerreform könnte Handwerksbetriebe stärker belasten.
- Kritik an der Reduzierung der steuerlichen Absetzbarkeit für Handwerkerleistungen.
- Wachstum und Beschäftigung im Handwerk könnten gefährdet sein.
Die geplante Einkommensteuerreform der Bundesregierung sorgt im Handwerk für Besorgnis. Experten und Verbände warnen, dass die Reform nicht nur die Steuerlast für viele Betriebe erhöhen könnte, sondern auch negative Auswirkungen auf Investitionen und Beschäftigung haben könnte. Insbesondere die Mehrheit der Handwerksbetriebe, die als Einzelunternehmen oder Personengesellschaften geführt werden, könnte von den Änderungen betroffen sein.
Was ist die geplante Steuerreform?

Die Einkommensteuerreform, die voraussichtlich ab 2027 in Kraft treten soll, sieht eine schrittweise Erhöhung des Grundfreibetrags vor. Dieser soll von derzeit 12.348 Euro auf 12.564 Euro im kommenden Jahr und auf 12.900 Euro im Jahr 2028 steigen. Gleichzeitig wird der Spitzensteuersatz von 42 Prozent künftig bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 250.000 Euro fällig, anstatt wie bisher ab 277.826 Euro. Diese Maßnahmen sollen vor allem Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen entlasten.
Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die darauf hinweisen, dass die Reform für viele Handwerksbetriebe eine höhere Steuerlast bedeuten könnte. Jürgen Kroos, Präsident der Handwerkskammer Münster, äußerte Bedenken, dass die Reform nicht zulasten des Handwerks gehen dürfe. Viele erfolgreiche Handwerksbetriebe finanzieren ihre Investitionen und Ausbildungsplätze durch ihre Gewinne, und eine höhere Einkommensteuer könnte deren Investitionskraft erheblich schmälern.
Wie viele Handwerksbetriebe sind betroffen?
Nach Angaben der Handwerkskammer Münster werden 79 Prozent der Handwerksbetriebe als Einzelunternehmen oder Personengesellschaften geführt. Diese Betriebe sind direkt von der Einkommensteuer betroffen, da ihre Unternehmensgewinne über die persönliche Einkommensteuer der Inhaber versteuert werden. Dies bedeutet, dass jede Erhöhung der Einkommensteuer direkt die Liquidität dieser Betriebe beeinflusst.
Die geplante Reform könnte somit nicht nur die Steuerlast erhöhen, sondern auch die Spielräume für Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und andere betriebliche Ausgaben einschränken. Dies könnte langfristig negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks haben.
Reduzierung der steuerlichen Absetzbarkeit für Handwerkerleistungen
- 79 Prozent der Handwerksbetriebe sind Einzelunternehmen oder Personengesellschaften.
- Die Einkommensteuerbelastung könnte für viele Handwerksbetriebe steigen.
- Die steuerliche Absetzbarkeit für Handwerkerleistungen wird von 20 auf 15 Prozent gesenkt.
Ein weiterer kritischer Punkt der Reform ist die geplante Reduzierung der steuerlichen Absetzbarkeit für Handwerkerleistungen. Derzeit können private Haushalte 20 Prozent bestimmter Arbeitskosten für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen steuerlich geltend machen. Diese Ermäßigung soll jedoch auf 15 Prozent gesenkt werden, und der maximale Steuerabzug wird von 1.200 Euro auf 900 Euro reduziert.
Diese Änderungen könnten die Nachfrage nach Handwerksleistungen verringern, da der steuerliche Anreiz für private Haushalte, Handwerker zu beauftragen, sinkt. Experten befürchten, dass dies zu einem Rückgang der Aufträge für Handwerksbetriebe führen könnte, was sich negativ auf deren Umsatz und damit auf die gesamte Branche auswirken würde.
Wachstum und Beschäftigung im Handwerk gefährdet
Die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade hat ebenfalls Nachbesserungen an dem Referentenentwurf gefordert. Ein zentraler Vorwurf ist, dass die sogenannte kalte Progression nicht vollständig ausgeglichen wird. Dies könnte dazu führen, dass Einkommen trotz inflationsbedingter Anpassungen real stärker besteuert werden. Für viele Handwerksunternehmen ist dies ein unmittelbares Problem, da sie auf die Gewinne angewiesen sind, um ihre Liquidität aufrechtzuerhalten.
Die Verbände warnen, dass die geplante Steuerreform das Wachstum und die Beschäftigung im Handwerk gefährden könnte. Eine höhere Steuerlast könnte dazu führen, dass weniger in neue Technologien und Ausbildungsplätze investiert wird, was langfristig die Innovationskraft der Branche beeinträchtigen könnte.
Fazit

Die geplante Einkommensteuerreform könnte für das Handwerk erhebliche Herausforderungen mit sich bringen. Während die Regierung versucht, Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen zu entlasten, könnte dies auf Kosten der Handwerksbetriebe gehen, die bereits unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen leiden. Die Reduzierung der steuerlichen Absetzbarkeit für Handwerkerleistungen und die drohende höhere Steuerlast könnten die Investitionskraft und damit die Zukunftsfähigkeit der Branche gefährden. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Reform angepasst wird, um den Bedürfnissen des Handwerks gerecht zu werden.
Häufige Fragen
Was sind die Hauptpunkte der geplanten Steuerreform?
Wie viele Handwerksbetriebe sind von der Steuerreform betroffen?
Welche Änderungen gibt es bei der steuerlichen Absetzbarkeit für Handwerkerleistungen?
Wie könnte die Steuerreform die Investitionskraft im Handwerk beeinflussen?
Was sagen Experten zur geplanten Steuerreform?
Quellen: Google News
Symbolbild: Handwerker bei der Arbeit an einem Projekt. · Foto: Vlada Karpovich / Pexels


