⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 09.09.2026
Die Kosten für Abnehmmedikamente wie Spritzen und Pillen können unter bestimmten Bedingungen steuerlich abgesetzt werden, auch wenn die Krankenkasse nicht zahlt.
- Abnehmspritzen kosten bis zu 490 Euro monatlich
- Finanzamt erkennt Kosten als außergewöhnliche Belastung an
- Wichtige Voraussetzungen für den Steuerabzug beachten
Die Kosten für Abnehmmedikamente wie Spritzen und Pillen sind für viele Patienten eine erhebliche finanzielle Belastung. Während die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel keine Kosten für diese Medikamente übernehmen, gibt es Möglichkeiten, die Ausgaben steuerlich abzusetzen. Dies ist besonders relevant in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten und Inflation, wo jeder Euro zählt. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Abnehmmedikamente richtig in Ihrer Steuererklärung angeben können und welche Voraussetzungen dafür gelten.
Was sind Abnehmmedikamente und wie teuer sind sie?

Abnehmmedikamente, insbesondere verschreibungspflichtige Spritzen wie Ozempic, versprechen eine effektive Gewichtsreduktion. Diese Medikamente sind jedoch nicht nur teuer, sondern auch dauerhaft erforderlich, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Die monatlichen Kosten für eine Abnehmspritze können bis zu 490 Euro betragen, während Abnehmpillen zwischen 170 und 280 Euro kosten. Diese hohen Ausgaben können für viele Patienten eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen, insbesondere wenn die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen.
Steuerliche Absetzbarkeit von Abnehmmedikamenten
Obwohl die Krankenkassen in der Regel keine Kosten für Abnehmmedikamente übernehmen, können diese unter bestimmten Bedingungen als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) weist darauf hin, dass die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente steuerlich absetzbar sind, wenn die zumutbare Eigenbelastung überschritten wird. Diese Eigenbelastung hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Einkommen, der Familienstand und die Anzahl der Kinder.
Was ist die zumutbare Eigenbelastung?
Die zumutbare Eigenbelastung ist der Betrag, den Steuerpflichtige selbst tragen müssen, bevor sie außergewöhnliche Belastungen absetzen können. Diese Belastung variiert je nach Einkommen und Familienstand. Beispielsweise liegt die zumutbare Belastung für Alleinstehende mit einem Einkommen von bis zu 15.340 Euro bei 5% der Einkünfte, während sie für Verheiratete ohne Kinder bei 6% liegt. Bei höheren Einkommen steigt der Prozentsatz entsprechend an. Nur Ausgaben, die diese Schwelle überschreiten, können steuerlich geltend gemacht werden.
Aktuelle rechtliche Situation und Urteile
- Kosten für Abnehmspritzen bis zu 490 Euro pro Monat
- Finanzgericht Sachsen-Anhalt urteilt über Ozempic
- Revision beim Bundesfinanzhof anhängig
Eine aktuelle Entscheidung des Finanzgerichts Sachsen-Anhalt hat gezeigt, dass die steuerliche Absetzbarkeit von Abnehmmedikamenten wie Ozempic nicht ohne weiteres möglich ist. In einem Fall wurde die Kostenübernahme abgelehnt, da das Medikament nicht für die Behandlung von Adipositas zugelassen ist. Das Gericht entschied, dass für den Nachweis der Zwangsläufigkeit der Aufwendungen ein amtsärztliches Attest erforderlich ist. Dieses Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig, da das Verfahren derzeit beim Bundesfinanzhof (BFH) in Revision ist.
Wie gehe ich vor, wenn das Finanzamt die Kosten nicht anerkennt?
Wenn das Finanzamt die Kosten für Abnehmmedikamente nicht anerkennt, sollten Betroffene Einspruch einlegen. Es ist ratsam, die Kosten in der Steuererklärung anzugeben und im Falle einer Ablehnung Einspruch zu erheben. Dabei kann beantragt werden, dass das Verfahren bis zur Entscheidung des Bundesfinanzhofs ruht. Dies gibt den Steuerpflichtigen die Möglichkeit, auf eine Klärung der rechtlichen Situation zu warten, bevor sie endgültige Entscheidungen treffen müssen.
Zusätzliche Kosten, die abgesetzt werden können
Neben den Kosten für Abnehmmedikamente können auch andere gesundheitsbezogene Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Kosten für Fahrten zu Ärzten, Physiotherapeuten oder zur Apotheke. Pro gefahrenem Kilometer können 30 Cent als außergewöhnliche Belastung angesetzt werden, wenn ein Pkw verwendet wird. Bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel können die entsprechenden Ticketpreise geltend gemacht werden. Es ist wichtig, alle Belege sorgfältig zu sammeln, um die Ausgaben nachweisen zu können.
Fazit

Die steuerliche Absetzbarkeit von Abnehmmedikamenten bietet eine Möglichkeit, die finanziellen Belastungen durch hohe Medikamentenkosten zu mindern. Auch wenn die Krankenkassen in der Regel nicht zahlen, können die Ausgaben unter bestimmten Voraussetzungen als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Es ist wichtig, die aktuellen rechtlichen Entwicklungen zu verfolgen und alle notwendigen Nachweise zu erbringen, um die Chancen auf eine Steuerentlastung zu maximieren.
Häufige Fragen
Welche Abnehmmedikamente können abgesetzt werden?
Was ist die zumutbare Eigenbelastung?
Wie hoch sind die Kosten für Abnehmspritzen?
Was ist ein amtsärztliches Attest?
Wie kann ich Einspruch gegen das Finanzamt einlegen?
Quellen: Google News
Symbolbild: Steuerliche Absetzbarkeit von Abnehmmedikamenten · Foto: Mikhail Nilov / Pexels


