⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 02.08.2026
Deutsche Auswanderer müssen seit 2025 bei Aktien und ETFs im Depot besonders vorsichtig sein. Die Einführung der Wegzugssteuer bringt neue steuerliche Herausforderungen mit sich.
- Wegzugssteuer gilt seit 1. Januar 2025 für ETFs und Fonds
- Betroffen sind Anleger mit hohen Anschaffungskosten oder Anteilen
- Steuerpflicht bleibt auch nach Auswanderung bestehen
Die Entscheidung, aus Deutschland auszuwandern, kann für viele Menschen eine aufregende Möglichkeit sein, neue Lebenswege zu erkunden. Doch für deutsche Auswanderer, die Aktien und ETFs in ihrem Depot halten, gibt es seit dem 1. Januar 2025 neue steuerliche Herausforderungen, die nicht unterschätzt werden sollten. Die Einführung der Wegzugssteuer für Investmentfonds und ETFs hat das steuerliche Umfeld für Anleger erheblich verändert und erfordert eine sorgfältige Planung.
Was ist die Wegzugssteuer?

Die Wegzugssteuer ist eine Steuer, die beim Auswandern auf nicht realisierte Gewinne von Aktien und Fondsanteilen erhoben wird. Diese Regelung trat am 1. Januar 2025 in Kraft und betrifft sowohl deutsche als auch ausländische Fonds, unabhängig davon, wo das Depot geführt wird. Die Steuer wird fällig, wenn ein Anleger mindestens 1% der Anteile eines Fonds innerhalb der letzten fünf Jahre gehalten hat oder wenn die Anschaffungskosten für einen einzelnen Fonds 500.000 Euro überschreiten.
Die Einführung dieser Steuer hat viele Anleger überrascht, da sie bis Ende 2024 nicht für private Anleger galt. Zuvor war die Wegzugssteuer nur auf Kapitalgesellschaftsanteile anwendbar. Mit der neuen Regelung wird jedoch ein fiktiver Verkauf der Fondsanteile zum Marktwert am Tag des Wegzugs angenommen, was bedeutet, dass der Wertzuwachs besteuert wird, obwohl kein tatsächlicher Verkauf stattgefunden hat.
Wer ist von der Wegzugssteuer betroffen?
Die Wegzugssteuer betrifft vor allem Anleger, die in den letzten fünf Jahren signifikante Investitionen in Fonds getätigt haben. Insbesondere sind dies Anleger, die mindestens 1% der Anteile eines Fonds halten oder deren Anschaffungskosten für einen einzelnen Fonds 500.000 Euro überschreiten. Diese Regelung erfasst somit vor allem wohlhabendere Anleger oder solche, die in spezialisierte Fonds investiert haben.
Ein Beispiel verdeutlicht dies: Ein Anleger, der 600.000 Euro in einen einzigen ETF investiert hat, fällt unter die Wegzugssteuer, während ein Portfolio mit vier verschiedenen ETFs, die jeweils 300.000 Euro wert sind, nicht betroffen ist. Diese Regelung führt dazu, dass viele Anleger ihre Portfolios neu bewerten und möglicherweise Anpassungen vornehmen müssen, um steuerliche Nachteile zu vermeiden.
Wie hoch ist die Wegzugssteuer?
- Wegzugssteuer für Investmentfonds seit 1. Januar 2025
- Schwelle: 1% der Fondsanteile oder 500.000 Euro Anschaffungskosten
- Steuersatz: 25% Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag
Die Wegzugssteuer beträgt 25% auf den fiktiven Gewinn, der sich aus der Differenz zwischen dem Marktwert der Anteile am Wegzugstag und den Anschaffungskosten ergibt. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag, was zu einer effektiven Steuerlast von etwa 26,375% führt. Diese Steuer wird im Jahr des Wegzugs fällig, auch wenn kein Verkauf der Anteile stattgefunden hat.
Die Berechnung der Steuer kann für viele Anleger komplex sein, da sie den aktuellen Marktwert der Anteile am Wegzugstag ermitteln müssen. Dies erfordert eine genaue Dokumentation und möglicherweise die Unterstützung eines Steuerberaters, um sicherzustellen, dass alle relevanten Informationen korrekt erfasst werden.
Gibt es Ausnahmen von der Wegzugssteuer?
Ja, es gibt einige Ausnahmen von der Wegzugssteuer, die für bestimmte Anleger von Bedeutung sein können. Eine wichtige Regelung ist die Rückkehrerregelung. Diese besagt, dass Anleger, die innerhalb von sieben Jahren nach ihrem Wegzug nach Deutschland zurückkehren, die Wegzugssteuer auf Antrag rückwirkend vermeiden können. Diese Regelung kann auf bis zu zwölf Jahre verlängert werden, wenn der Antrag rechtzeitig gestellt wird.
Für Digitalnomaden oder Personen, die vorübergehend im Ausland leben möchten, ist diese Regelung besonders relevant. Sie ermöglicht es, die Steuerlast zu minimieren, solange die Anteile nicht verkauft oder übertragen werden und die Ausschüttungen einen bestimmten Wert nicht überschreiten.
Praktische Tipps für Auswanderer
Darüber hinaus sollten Sie Ihre Anlagestrategie überdenken und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen, um die Schwellenwerte für die Wegzugssteuer zu vermeiden. Eine breite Diversifikation Ihres Portfolios kann helfen, die Risiken zu minimieren und steuerliche Nachteile zu umgehen.
Fazit

Die Einführung der Wegzugssteuer für Aktien und ETFs stellt eine erhebliche Herausforderung für deutsche Auswanderer dar. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit den neuen Regelungen auseinanderzusetzen und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Durch eine sorgfältige Planung und Anpassung der Anlagestrategie können Anleger jedoch die steuerlichen Risiken minimieren und ihre finanziellen Ziele auch im Ausland erreichen.
Häufige Fragen
Was ist die Wegzugssteuer?
Wer ist von der Wegzugssteuer betroffen?
Wie hoch ist die Wegzugssteuer?
Gibt es Ausnahmen von der Wegzugssteuer?
Wie wird die Wegzugssteuer berechnet?
Quellen: Google News
Symbolbild: Steuerplanung für Auswanderer · Foto: Pixabay / Pexels


