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Weniger Netto trotz Steuerreform? So viel Geld könnte Ihnen

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⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 05.09.2026

Die geplante Einkommensteuerreform in Deutschland könnte trotz versprochener Entlastungen zu einem Rückgang des Nettogehalts führen. Experten warnen vor den Auswirkungen steigender Sozialabgaben und der kalten Progression.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Steuerreform soll 2028 in Kraft treten.
  • Familien mit Kindern sollen besonders profitieren.
  • Steigende Sozialabgaben könnten die Entlastungen schmälern.

Die geplante Einkommensteuerreform in Deutschland, die am 1. Januar 2027 in Kraft treten soll, könnte für viele Arbeitnehmer weniger Netto vom Brutto bedeuten, als ursprünglich erhofft. Trotz der Ankündigung von spürbaren Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen, warnen Experten vor den Auswirkungen steigender Sozialabgaben und der kalten Progression. Diese Faktoren könnten dazu führen, dass viele Beschäftigte am Ende des Monats weniger Geld zur Verfügung haben.

Was ist die Steuerreform 2028?

Steuerreform und ihre Auswirkungen auf das Einkommen
Symbolbild: Steuerreform und ihre Auswirkungen auf das Einkommen · Foto: Polina Tankilevitch / Pexels

Die Steuerreform 2028 ist ein umfassender Gesetzentwurf, der vom Bundeskabinett am 2. September 2026 beschlossen wurde. Ziel der Reform ist es, insbesondere Familien mit Kindern und Steuerpflichtige mit kleinen und mittleren Einkommen zu entlasten. Die Reform sieht ein Entlastungsvolumen von etwa 10 Milliarden Euro vor, das ab 2028 vollständig wirksam sein soll. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören die Erhöhung des Grundfreibetrags, höhere Kinderfreibeträge und ein Anstieg des Kindergeldes.

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Die Reform soll auch den Arbeitnehmer-Pauschbetrag erhöhen und Änderungen am Einkommensteuertarif vornehmen. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass mehr Menschen von der Steuerentlastung profitieren und am Ende des Monats mehr Geld zur Verfügung haben. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betont, dass die Reform darauf abzielt, Arbeit und Leistung stärker zu belohnen.

Die Rolle der Sozialabgaben

Ein zentraler Aspekt, der in der Diskussion um die Steuerreform oft übersehen wird, sind die steigenden Sozialabgaben. Laut Berechnungen des Finanzwissenschaftlers Frank Hechtner von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wird die angekündigte Steuerentlastung durch die Erhöhung der Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung erheblich geschmälert. Diese Erhöhungen sind bereits in den Berechnungen der Reform berücksichtigt und könnten dazu führen, dass viele Arbeitnehmer trotz der Steuerentlastungen netto weniger Geld zur Verfügung haben.

Die Deutsche Rentenversicherung prognostiziert, dass der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung bis 2028 von derzeit 18,6 auf 19,9 Prozent steigen wird. Dies bedeutet, dass Arbeitnehmer mehr von ihrem Bruttogehalt abgeben müssen, was die positive Wirkung der Steuerreform in Frage stellt. Auch die geplanten Anhebungen der Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung könnten die finanzielle Belastung für viele erhöhen.

Kalte Progression und ihre Auswirkungen

Fakten auf einen Blick

  • Steuerentlastung von 10 Milliarden Euro ab 2028
  • Erwartete Erhöhung der Sozialabgaben bis 2028
  • Kalte Progression bleibt unzureichend ausgeglichen

Ein weiterer kritischer Punkt ist die kalte Progression, die in der aktuellen Diskussion um die Steuerreform eine zentrale Rolle spielt. Die kalte Progression beschreibt den Effekt, dass Arbeitnehmer durch nominale Gehaltserhöhungen in höhere Steuerstufen rutschen, ohne dass ihre reale Kaufkraft steigt. Dies geschieht insbesondere in Zeiten hoher Inflation, wie aktuell mit einer Inflationsrate von 2,9 Prozent im August 2026.

Die Reform soll zwar die kalte Progression teilweise ausgleichen, jedoch zeigen Berechnungen, dass dies nicht vollständig gelingt. Hechtner bewertet die Situation als „sehr düster“ und stellt fest, dass vielen Arbeitnehmern faktisch „wenig bis gar nichts übrig bleibt“. Dies könnte insbesondere für kinderlose Singles und Familien mit mittleren Einkommen problematisch werden, da sie trotz der Steuerentlastungen netto weniger Geld zur Verfügung haben könnten.

Wie viel könnte Ihnen 2028 fehlen?

Die Berechnungen von Hechtner zeigen, dass ein kinderloser Single mit einem Bruttomonatslohn von 3000 Euro im Jahr 2028 gegenüber heute bis zu 9 Euro netto verlieren könnte. Mit steigendem Einkommen wächst die Belastung weiter: Bei einem Bruttogehalt von 6000 Euro müsste man mit einem Minus von 242 Euro netto pro Jahr rechnen. Ab 6500 Euro brutto steigt das Minus bereits auf 639 Euro, und bei 9000 Euro brutto bedeutet das ein Minus von 904 Euro jährlich.

Familien sind ebenfalls betroffen. Eine Familie mit zwei Kindern und einem Monatseinkommen von 6000 und 3000 Euro brutto würde lediglich ein Plus von 44 Euro im Jahr verzeichnen. Bei einem Doppelverdienerpaar mit jeweils 5000 Euro brutto könnte die Entlastung zwar 148 Euro betragen, jedoch kippt die Bilanz bei 7000 Euro brutto ins Minus, was zu einem Verlust von 1045 Euro netto im Jahr führen könnte.

Fazit: Ein zweischneidiges Schwert

Steuerreform und ihre Auswirkungen auf das Einkommen
Symbolbild: Steuerreform und ihre Auswirkungen auf das Einkommen · Foto: Vodafone x Rankin everyone.connected / Pexels

Die geplante Einkommensteuerreform in Deutschland könnte für viele Arbeitnehmer ein zweischneidiges Schwert darstellen. Während die Reform verspricht, die Steuerlast zu senken und insbesondere Familien zu entlasten, zeigen aktuelle Berechnungen, dass die steigenden Sozialabgaben und die kalte Progression die positiven Effekte erheblich schmälern könnten. Arbeitnehmer sollten sich daher bewusst sein, dass trotz der angekündigten Entlastungen am Ende des Monats weniger Geld zur Verfügung stehen könnte. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Reform in der Praxis auswirken wird und ob die versprochenen Entlastungen tatsächlich bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen.

Häufige Fragen

Was ist die Steuerreform 2028?
Die Steuerreform 2028 ist ein Gesetzesentwurf, der eine Entlastung von 10 Milliarden Euro für Steuerpflichtige vorsieht, insbesondere für Familien mit Kindern.
Wie wirken sich steigende Sozialabgaben aus?
Steigende Sozialabgaben, insbesondere zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung, könnten die Nettoentlastungen der Steuerreform erheblich schmälern.
Was ist die kalte Progression?
Die kalte Progression beschreibt den Effekt, dass Arbeitnehmer durch nominale Gehaltserhöhungen in höhere Steuerstufen rutschen, ohne dass ihre reale Kaufkraft steigt.
Wann tritt die Steuerreform in Kraft?
Die Steuerreform soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten, die volle Wirkung entfaltet sie jedoch erst ab 2028.
Wie viel könnte mir 2028 netto fehlen?
Berechnungen zeigen, dass ein kinderloser Single mit einem Bruttomonatslohn von 3000 Euro im Jahr 2028 bis zu 9 Euro netto verlieren könnte.

Quellen: Google News

Symbolbild: Steuerreform und ihre Auswirkungen auf das Einkommen · Foto: https://kaboompics.com/ / Pexels

Tobias Reinhardt
Tobias Reinhardt
Tobias Reinhardt schreibt über Geldanlage, ETFs und Steuern. Er legt Wert auf einen langfristigen, kostenbewussten Blick auf das Investieren und erklärt Strategien so, dass sie auch für Einsteiger nachvollziehbar bleiben. In seinen Beiträgen geht es ihm weniger um schnelle Gewinne als um fundierte, langfristige Entscheidungen.
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