⏱ 5 Min. Lesezeit · Stand: 09.06.2026
Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat eine Untersuchung des Konzernabschlusses der Dekabank für 2024 eingeleitet, die sich auf umstrittene „Cum-Cum“-Deals bezieht. Dies könnte weitreichende Folgen für den Sparkassen-Wertpapieranbieter und dessen Anleger haben.
- Bafin hat konkrete Anhaltspunkte für Rechnungslegungsverstöße.
- Dekabank hat fast 500 Millionen Euro an den Fiskus zurückgezahlt.
- Die Prüfung könnte Auswirkungen auf die Bilanzierungspraxis der Bank haben.
Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat am 8. Juni 2026 eine umfassende Prüfung des Konzernabschlusses der Dekabank für das Jahr 2024 eingeleitet. Diese Maßnahme steht im Zusammenhang mit den umstrittenen „Cum-Cum“-Deals, die in den letzten Jahren immer wieder in der Kritik stehen. Die Bafin hat konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Dekabank gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen hat, was potenziell erhebliche Auswirkungen auf die Bank und ihre Anleger haben könnte.
Was sind Cum-Cum-Deals?

Cum-Cum-Deals sind Finanztransaktionen, die darauf abzielen, Steuererleichterungen für ausländische Anleger zu generieren. Bei diesen Geschäften werden Aktien kurz vor dem Dividendenstichtag an inländische Banken oder Fonds übertragen. Diese können sich dann die fällige Kapitalertragsteuer erstatten lassen, während die ausländischen Anleger von den Steuervergünstigungen profitieren. Diese Praktiken sind umstritten und wurden in der Vergangenheit als rechtswidrig eingestuft, was zu erheblichen finanziellen Schäden für den Fiskus geführt hat.
Die Bafin schätzt, dass dem deutschen Staat durch solche Geschäfte ein Schaden von bis zu 28 Milliarden Euro entstanden ist. Dies ist ein deutlich höherer Betrag als bei den ebenfalls umstrittenen „Cum-Ex“-Deals, die in den letzten Jahren für viel Aufsehen gesorgt haben. Während Cum-Ex-Deals darauf abzielten, nicht gezahlte Kapitalertragsteuern zurückzufordern, zielen Cum-Cum-Deals darauf ab, bestehende Steueransprüche zu optimieren.
Die Rolle der Bafin in der Prüfung
Die Bafin hat in ihrer Mitteilung klargestellt, dass sie nicht die steuerliche Wirksamkeit der Aktiengeschäfte an sich prüft, sondern die Voraussetzungen, unter denen Steuererstattungsansprüche in der Bilanz aktiviert werden dürfen. Nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) dürfen solche Ansprüche nur dann aktiviert werden, wenn es überwiegend wahrscheinlich ist, dass die Steuerbehörden die steuerliche Behandlung des Unternehmens akzeptieren. Die Bafin hat jedoch konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Dekabank fälschlicherweise davon ausging, dass eine Anerkennung durch die Finanzverwaltung überwiegend wahrscheinlich sei.
Die Dekabank hat im Konzernabschluss Steuererstattungsansprüche in Höhe von 478 Millionen Euro bilanziert, die sich auf Aktienhandelsgeschäfte aus den Jahren 2013 bis 2018 beziehen. Diese Ansprüche wurden jedoch von der Finanzverwaltung nicht anerkannt, was die Bafin zu der Annahme führt, dass die Bank möglicherweise gegen die Rechnungslegungsvorschriften verstoßen hat.
Finanzielle Auswirkungen auf die Dekabank
- Bafin prüft den Konzernabschluss der Dekabank für 2024.
- Dekabank bilanziert Steuererstattungsansprüche von 478 Millionen Euro.
- Untersuchung betrifft Geschäfte aus den Jahren 2013 bis 2018.
Die Dekabank hat bereits fast 500 Millionen Euro an die Finanzverwaltung zurückgezahlt, die aus den umstrittenen „Cum-Cum“-Aktiengeschäften stammen. Diese Rückzahlung könnte sich negativ auf die Bilanz der Bank auswirken, insbesondere wenn die Bafin zu dem Schluss kommt, dass die Bilanzierungspraxis der Dekabank nicht den IFRS-Vorgaben entspricht. Ein solcher Befund könnte nicht nur das Vertrauen der Anleger in die Dekabank beeinträchtigen, sondern auch die gesamte Sparkassengruppe belasten.
Die Bank hat jedoch betont, dass sie überzeugt ist, dass ihre Bilanzierungspraxis nach Abschluss der Prüfung weiterhin als IFRS-konform angesehen werden kann. Dies könnte für Anleger von Bedeutung sein, da eine positive Bewertung der Bilanzierungspraxis das Vertrauen in die Bank stärken und möglicherweise zu einer Stabilisierung der Aktienkurse führen könnte.
Rechtliche Konsequenzen und Marktreaktionen
Die rechtlichen Konsequenzen von Cum-Cum-Deals sind erheblich. Der Bundesfinanzhof hat bereits 2015 entschieden, dass solche Geschäfte in ihrer typischen Ausprägung illegal sind. Dies hat zu einer verstärkten Überprüfung solcher Transaktionen durch die Finanzaufsicht geführt. Die Bafin hat in der Vergangenheit bereits mehrere Banken wegen ähnlicher Praktiken zur Verantwortung gezogen, was zu hohen Rückforderungen und finanziellen Belastungen geführt hat.
Die Diskussion um Cum-Cum-Deals und die damit verbundenen rechtlichen Risiken können das Vertrauen in Banken und den Aktienmarkt beeinträchtigen. Anleger könnten verunsichert sein und sich von Aktien der betroffenen Banken zurückziehen, was zu einem Rückgang der Aktienkurse führen könnte. Dies könnte auch Auswirkungen auf den DAX und andere Indizes haben, da Banken eine wichtige Rolle im deutschen Aktienmarkt spielen.
Ausblick auf die Zukunft der Dekabank
Die laufende Prüfung durch die Bafin wird voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung könnten weitreichende Folgen für die Dekabank und die gesamte Sparkassengruppe haben. Anleger sollten die Entwicklungen genau beobachten, da die Ergebnisse der Prüfung möglicherweise die Aktienkurse der Dekabank und anderer Banken beeinflussen könnten.
Zusätzlich könnte die Diskussion um Cum-Cum-Deals auch zu einer verstärkten regulatorischen Kontrolle im Bankensektor führen. Die Bafin könnte neue Richtlinien und Vorschriften einführen, um ähnliche Praktiken in Zukunft zu verhindern. Dies könnte langfristig zu einer Stabilisierung des Marktes führen, könnte aber auch kurzfristig zu Unsicherheiten und Volatilität führen.
Fazit

Die Prüfung des Konzernabschlusses der Dekabank durch die Bafin im Zusammenhang mit den umstrittenen „Cum-Cum“-Deals ist ein bedeutendes Ereignis, das sowohl rechtliche als auch finanzielle Auswirkungen auf die Bank und den gesamten Markt haben könnte. Anleger sollten die Entwicklungen aufmerksam verfolgen, da die Ergebnisse der Prüfung möglicherweise das Vertrauen in die Bank und die Stabilität des Aktienmarktes beeinflussen könnten. Die Diskussion um Cum-Cum-Deals zeigt zudem die Notwendigkeit einer transparenten und verantwortungsvollen Finanzpraxis im Bankensektor.
Häufige Fragen
Was sind Cum-Cum-Deals?
Warum prüft die Bafin die Dekabank?
Welche finanziellen Auswirkungen hat die Prüfung für die Dekabank?
Was sind die rechtlichen Konsequenzen von Cum-Cum-Deals?
Wie beeinflussen Cum-Cum-Deals den Aktienmarkt?
Quellen: Google News
Symbolbild: Blick auf die Finanzwelt und Banken · Foto: Fabio Riccobono / Pexels


